Die Sanierung der nördlichen Hauptstraße in Tutzing sorgt seit langem für Diskussionen. Es gab viele Beschwerden und einen tragischen Verkehrsunfall. Fußgänger beklagen sich, dass sie ständig die Straßenseite wechseln müssten, weil die Gehwege schlecht und an etlichen Stellen auch noch mit Baumaterial versperrt seien. Jetzt gibt es Änderungen: Eine provisorische Querungshilfe soll demnächst eingerichtet werden – zwischen dem Discountmarkt Lidl und der Nordbadstraße, also dort, wo sich schon einmal eine Verkehrsinsel befand. Sie ist schon seit einiger Zeit verschwunden.
Die Querungshlfe hat Tutzings Bürgermeisterin Marlene Greinwald am Dienstag im Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss des Gemeinderats angekündigt. Nach ihren Worten wird vielleicht noch eine weitere Querungshilfe hinzukommen, und zwar nördlich der Akademie für politische Bildung. Dafür seien aber noch die dafür erforderlichen Material-Lieferungen nötig. Und noch eine dritte Maßnahme ist nach Angaben der Rathauschefin vorgesehen: eine Fußgängerampel auf Höhe der Mühlfeldstraße, also dort, wo es zum Midgardhaus geht. Zuvor soll allerdings dort erst einmal die Zahl der Fußgänger gezählt werden, die an dieser Stelle die Straße überqueren. Wieviele Personen das sind, davon wird die Ampel abhängig gemacht.
Für Verbesserungsmaßnahmen hatte ÖDP-Gemeinderätin Caroline Krug in einem dringlichen Antrag plädiert (siehe unten). Bürgermeisterin Greinwald bekräftigt aber, dass man sich für die nun vorgesehene Querungshilfe nicht wegen des Unfalls vor drei Wochen entschlossen habe. Caroline Krug war Zeugin, als auf Höhe der Klenzestraße-Süd ein Mann verletzt und sein Hund getötet wurde. Sie wurden beim Überqueren der Hauptstraße von einem Auto erfasst.
Die ÖDP hat auch dafür plädiert, die Gehwege zu glätten und von ihnen das Baumaterial zu entfernen. Sonst kämen die Fuäßgänger nicht durch, und im Winter könne man den Schnee kaum wegräumen, ohne den Kies gleich mit wegzuräumen, argumentierte Caroline Krug. Soweit konnten sich die Antragsteller aber nicht durchsetzen. Bürgermeristerin appellierte an die Eigenverantwortung der Menschen. Claus Piesch (Freie Wähler) verwies auch auf die Busse, mit denen man die Baustelle barrierefrei umfahren könne. Das bezeichnete auch Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg (Tutzinger Liste) als gute Lösung.
Antrag der ÖDP Tutzing für eine Querungshilfe in der Nähe der Klenzestraße und Einkaufszentrum LIDL und EDEKA Nord
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Greinwald,
sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Gemeinderates,
ich möchte aufgrund diverser Beobachtungen und des traurigen Verkehrsunfalls vom 8.11.2022 einen dringlichen Antrag zur Behandlung in einem der nächsten Ausschüsse des Gemeinderates stellen:
Wie bereits in der GR-Sitzung am 8.11.22 erwähnt, ereignete sich am 8.11.22 ein schrecklicher Verkehrsunfall, bei dem ein Mensch verletzt und ein Hund getötet wurde. Das Leid des Verletzten und Tieres lässt mich seitdem nicht mehr los.
Im Jahr 2014 wurde bereits durch Herrn Bürgermeister Krug eine Querungshilfe veranlasst, da diese im Tutzinger Norden dringendst nötig war und damals auch von allen als wichtig erachtet wurde.
Die Gemeindeverwaltung wird beauftragt, sich dringendst mit der Polizei in Verbindung zu setzen und Querungshilfen oder Fußgängerampeln im Bauabschnitt Nord zu installieren, insbesondere an den Stellen, an denen Fußgänger wegen der Bauarbeiten gezwungen sind, die Straße zu queren. Die Gehsteige müssen zumindest gewalzt und geglättet sein, damit sie mit Kinderwägen und Rollatoren wenigstens bedingt nutzbar sind. Baumaterial darf nicht auf dem Gehsteig gelagert werden, sodass kein Durchkommen mehr möglich ist und die Baufirmen sollen aufgefordert werden, darauf zu achten, dass Fußgänger und Fahrzeuge nicht durch Steinschlag gefährdet werden. Für die Gehsteige besteht Räumpflicht, diese muss auch durchführbar sein.
Wenn es im Zentrum Tutzings aufgrund der vielen Baustellen auch möglich ist, mehrere Ampeln zu installieren, müsste das doch im Tutzinger Norden, in dem keinerlei Querungshilfe angeboten wird, möglich sein.
Begründung:
Ich war leider Augenzeugin des schrecklichen Unfalls und musste feststellen, dass es an dieser Stelle – Hauptstraße unterhalb der Maffei Studios, kurz vor Lidl und Edeka - auf der westlichen Straßenseite aufgrund des schlechten Gehweges und Lagerung diverser Baustellengegenstände UNMÖGLICH ist, den Gehweg zu benutzen. Somit ist jeder gezwungen, die Straßenseite zu wechseln und auf den ebenfalls schlechten Gehweg an der östlichen Seite zu wechseln. Dies ist ein untragbarer Zustand, der sich lt. aktuellen Informationen auch noch im Jahr 2023 fortsetzen wird. Um hier weitere schlimme Unfälle zu verhindern, ist eine Querungshilfe oder Fußgängerampel dringend nötig.
Täglich beobachte ich zur Zeit, vor allem ältere Menschen, die aufgrund des schlechten Zustandes der Gehwege auf der Straße gehen. In Zeitungsberichten der letzten Tage habe ich gelesen, dass nun die Spartenträger bei den Gehwegen im Zentrum beginnen. Hier sollte doch erstmal höchste Priorität auf den Norden gelegt und die Gehwege fertiggestellt werden. Welchen Gehweg sollen eigentlich bewegungs- und mobilitätseingeschränkte Menschen mit Rollatoren benutzen?
Finanzierung: Baustellen- und Verkehrssicherheit sind Pflichtaufgaben der Gemeinde und der Bauträger. Gerne bin ich auch bereit, Spenden für die Anschaffung einer weiteren Fußgängerampel für die Gemeinde zu sammeln - ein weiterer schlimmer Unfall MUSS unbedingt verhindert werden.
Ich hoffe auf Unterstützung des Gesamtgemeinderates Tutzing, herzlichen Dank.
Caroline Krug
Gemeinde- und Kreisrätin
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Kommentare
Frau Krug: ebenfalls herzlichen DANK für Ihr Engagement hier.
Die Hauptstr./ Ecke Mühlfeldstr. dort gefahrlos zu überqueren ist fast unmöglich und erfordert tlw. sehr viel Mut.
Ich beobachte immer wieder, wie viele Personen dort die Straße überqueren wollen und müssen. Wie oft habe ich schon älteren Menschen über die Straße geholfen, die es ohne Hilfe nicht geschafft hätten, zur Bushaltestelle oder zum See zu kommen.
Von Kindern, die Entfernung und Geschwindigkeit der Fahrzeuge nicht einschätzen können, ganz zu schweigen.
Ich frage mich jedes Mal, was muss da erst passieren, bevor man Abhilfe schafft und dort eine Fußgängerampel oder einen Zebrastreifen installiert.
Auch die beiden Querungshilfen sind notwendige Einrichtungen, die sicher kommen (siehe Ausführungsplan).
Die Sicherheit während der Baumaßnahmen hängt aber von allen Beteiligten ab. Eine Baustelle im laufenden Straßenverkehr mit den dortigen Erfordernissen (Kanalbau und weitere Sparten) ist auch nicht leicht. Die Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer/-innen auf der Straße lässt vielfach zu wünschen übrig. Das erlebt man als Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger regelmäßig.
Jetzt im Winter wird die Fahrbahn vorübergehend befestigt. Das hilft der Kundschaft für den Einkauf in Tutzing, dem Winterdienst und uns allen. Im Frühjahr brauchen wir noch einmal etwas Geduld, dann ist auch der Nordteil für die nächsten Jahrzehnte ordentlich und sicherer gestaltet.
Das Staatliche Bauamt ist keine „Heilige Kuh“ / unantastbare, übergeordnete Organisation, der die Gemeindevertreter die Verantwortung zuschieben können.
Diese Behörde des Freistaats hat sicher seine eigenen Vorgaben und Interessen (Vergabesicherheit, Projektsteuerung, Kapazitäten… ) aber sie ist Dienstleister der Bürger.
Nach über 10 Jahren eigener Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Staatlichen Bauämtern, kann ich berichten, dass es sehr stark von den Vertretern*innen vor Ort abhängt, wie die bauliche Ausführung schlussendlich geplant wird. Ständiges nachhalten, gutes Argumentieren und Beharrlichkeit zeigen Erfolg und es finden sich gangbare, positive und rechtssichere Lösungen.
Diese Gefahrenstelle ist seit Jahrzehnten bekannt!
Im Einzugsgebiet gibt es viele Kinder und ältere Menschen, diese besonders schutzwürdigen Personengruppen brauchen einen gesicherten Straßenübergang! Durch Bauverdichtung und die Steigerung der Attraktivität des Seebereichs (neuer Pächter im Midgardhaus, Bouleplatz…) hat sich die Zahl der Straßenüberquerungen in den letzten Jahren stark gesteigert.
Eine Bestandsaufnahme / Zählung hätte bereits in der Planungsphase erfolgen müssen.
Jetzt im Winter bzw. unter Baustellen-Bedingungen kann eine solche Erfassung nur falsche Daten liefern.
Wenn man sich die Situation vor Ort betrachtet, stellt sich aber eine ganz andere Frage:
Vor der Ludendorff Villa wurde der neue Bordstein bereits abgesenkt gebaut, die Bushaltestelle zu Verla-Pharm um ca. 30 Meter verlegt.
In den Planungsunterlagen und der Bauausführung ist diese Straßen-Querung also bereits berücksichtigt und baulich vorbereitet.
Warum das Ganze also noch?
Muss man wirklich erklären, dass dieser Gedanke absurd ist? Wenn eine Straße nicht oder nur mit sehr viel Mut zu überqueren ist, wird man kaum jemanden zählen, der diese Zumutung auf sich nimmt. Die Menschen wählen andere Wege oder setzen sich selber ins Auto. Also ergibt die Zählung derer, die an der Messstelle die Straße trotz aller Widernisse queren, keinen irgendwie aussagekräftigen Wert. Sie bestätigt nur die Überzeugung der Vollgaspolitiker, dass es jenseits des Autoverkehrs kein relevantes Verkehrsaufkommen gibt.
Dokumentierte Zwischenfälle, die auch noch schlimmer hätten enden können, dürften dabei sicherlich auch ein Argument sein?
Die Idee zur Zählung der fußläufigen Querungen kommt nicht von uns!
Das wissen seither auch alle Mitglieder des Gemeinderats! Es wurde damals auch öffentlich bekanntgegeben.
Wir hätten gerne sofort eine Ampel. Die Zählung ist eine Auflage und erst bei Erreichen eines bestimmten Aufkommens wird der Bedarf anerkannt. Es handelt sich schließlich um eine Staatsstraße.
Weiterhin ist seither schon bekannt, dass nördlich der Akademie für politische Bildung auf jeden Fall eine Querungshilfe gebaut wird!
Die bekannte Querungshilfe an der Nordbadstraße wird ebenfalls wieder errichtet!
Herr Sperber könnte zu Hause erst einmal nachfragen was Sache ist, bevor er hier kritisiert.
Mein Kommentar: Liebe Gemeinde, bitte nichts überstürzen!
Tutzings Verkehrspolitik ist wirklich und wahrhaftig Mittelalter. Denn wieder einmal hat sich die Vollgasfraktion im Gemeinderat elegant durchgesetzt. Man kämpft dort um den Erhalt der Autoprivilegien gegenüber allen anderen Verkehrsteilnehmern. Diese Lobby will sich ihre Spielwiese nicht nehmen lassen, auf der ihr zwei Tonnen überpowerter Stahl eine pubertäre Phantasie von Beweglichkeit und Überlegenheit verschafft. Deren Rechnung und Risiken alle anderen übernehmen müssen. Und ja. Gegen diese Fraktion gibt es wohl wirklich keinen Weg, außer man blockiert die von ihnen so geliebten Asphaltwüsten mit vollem Körpereinsatz.
Egal ob Ampel, Insel oder Zebrastreifen - ein Handeln ist hier längst überfällig und es ist schade, dass es erst tragischer Vorfälle wie dem oben beschriebenen bedarf, bevor entsprechende Überlegungen angestellt werden.