Der kleine Parkplatz an der Nordseite des Johannishügels ist bei Tutzingern beliebt. Dort kann man mal schnell sein Auto stehen lassen, wenn man beispielsweise am Seeufer und im Kustermannpark spazierengehen will. Aber das ist oft nicht mehr so leicht möglich, denn auch dieser kleine Platz ist mittlerweile von Bahnpendlern entdeckt worden, die Hände ringend nach Abstellmöglichkeiten für ihre Fahrzeuge suchen. Schon morgens um 7 Uhr sei dieser kleine Platz oft „vollgeparkt“, sagte Bürgermeisterin Marlene Greinwald dieser Tage im Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss des Gemeinderats.
Das ist nur ein Beispiel für die sich rund um den Bahnhof ausbreitende Flut parkender Autos. Alle Straßen sind inzwischen von dieser Entwicklung betroffen, selbst solche, die recht weit vom Bahnhof entfernt sind. Viele Autos mit auswärtigen, meist Weilheimer Kennzeichen, die offenkundig Bahnpendlern gehören, fallen auch als Dauerparker auf dem Parkplatz der Einkaufsmärkte Edeka und Aldi an der Lindemannstraße auf.
Das Thema ist in Tutzing ein Dauerbrenner. Im Verkehrsausschuss tauchte es diesmal nur ganz kurz am Schluss auf, obwohl es gar nicht auf der Tagesordnung stand. Dr. Toni Aigner (Freie Wähler) schlug ein Parkleitkonzept vor, das seiner Meinung nach entwickelt werden sollte, wenn die Hauptstraße fertig saniert ist. Anwohner betroffener Straßen haben sich schon für spezielle Zonen mit Sonderausweisen nur für Anlieger ausgesprochen. Anwohner-Parkzonen gewünscht
Die Verantwortlichen der Einkaufsmärkte zeigen sich gegenüber den Dauerparkern vorerst noch recht tolerant. Das gilt im Sommer auch für Badegäste, die diese Flächen für ihre Autos nutzen. Bisher nicht abzusehen sind aber die Folgen weiterer bereits absehbarer Veränderungen. Die Park-and-Ride-Plätze am Bahnhof sollen in ein paar Monaten gebührenpflichtig werden. Parken am Bahnhof künftig für 1,50 Euro täglich Und der alte Volksfestplatz wird wohl für längere Zeit nicht mehr als Parkplatz zur Verfügung stehen, weil er zum Lager für die Sanierung der Hauptstraße werden soll. Lager statt Parken
Auf die Dauerparker bei den Einkaufsmärkten angesprochen, sah Bürgermeisterin Greinwald im Verkehrsausschuss eher deren Verantwortliche gefragt: „Edeka muss reagieren.“ Beispielsweise könnte nach ihren Worten eine Regelung mit Parkscheiben geschaffen werden. Mit Kurzparkzonen hält die Gemeinde selbst Dauerparker bereits von manchen Gebieten fern, so etwa von der Hörmannstraße. Dauerparker auf öffentlichem Grund Wo diese Fahrer nun ihre Autos abstellen, ist eine andere Frage.
Als Kernproblem betrachten viele Tutzinger das Tarifgebiet des Münchner Verkehrs-Verbunds (MVV) mit der S-Bahn-Endstation in Tutzing. Viele Pendler von auswärts, so wird oft argumentiert, ziehen offenbar eine Bahnfahrt von Tutzing nach München vor, weil eine Fahrt von ihrem jeweiligen Wohnort aus teurer sei. Greinwald vertrat im Verkehrsausschuss die Auffassung, dass eine Ausweitung des MVV-Tarifgebiets über Tutzing hinaus in den Süden eine Lösung bringen könnte.

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