Umweltschutz
17.8.2026
Von vorOrt.news

"Auf Tutzing zugeschnittene Lösungen"

SPD/ÖDP-Fraktionsgemeinschaft beantragt kommunales Hitzeschutzkonzept für Tutzing

Steigende Temperaturen, austrocknende Böden, ein Starnberger See, der sich messbar erwärmt: Die Fraktionsgemeinschaft SPD/ÖDP im Tutzinger Gemeinderat will die Gemeinde besser auf lange Hitzeperioden vorbereiten. Die Gemeinderätinnen Christiane Feichtmeier (SPD) und Caroline Krug (ÖDP) haben heute bei Bürgermeister Ludwig Horn einen Antrag auf Erstellung eines kommunalen Hitzeschutzkonzeptes samt lokalem Hitzeaktionsplan eingereicht. Beraten werden soll darüber in der September-Sitzung des Gemeinderats. „Längere und intensivere Hitzeperioden treffen auch Tutzing", erklären Feichtmeier und Krug, "als Gemeinde müssen wir uns rechtzeitig darauf vorbereiten und besonders gefährdete Menschen besser schützen."

Die Lage am See täuscht

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Der "Strand" im Tutzinger Südbad ist zurzeit besonders breit © L.G.

Dass Tutzing malerisch am Westufer des Starnberger Sees liegt, ist für die Antragstellerinnen kein Grund zur Beruhigung. Die Lage am Starnberger See dürfe nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Folgen des Klimawandels längst auch bei uns spürbar seien. "Wir brauchen deshalb Lösungen, die genau auf die örtlichen Gegebenheiten und Bedürfnisse Tutzings zugeschnitten sind“, betonen die beiden Gemeinderätinnen. Tatsächlich sind die Auswirkungen der Hitze in vieler Hinsicht erkennbar. Die Gewässer erwärmen sich, anhaltende Trockenperioden lassen die Wasserstände sinken, Böden und Wälder trocknen aus, die Landwirtschaft leidet unter Wassermangel und drohenden Ernteausfällen. Auch dicht bebaute und versiegelte Bereiche in der Gemeinde – etwa öffentliche Plätze oder Gebäude ohne ausreichenden Sonnenschutz – heizen sich in solchen Phasen spürbar auf.

Im Fokus des Antrags stehen vor allem jene, die Hitze am schwersten wegstecken: ältere Menschen, Säuglinge und Kleinkinder, Menschen mit Vorerkrankungen oder Behinderungen sowie alle, die im Freien arbeiten. Gerade in einer Gemeinde mit vergleichsweise hohem Anteil älterer Einwohner sehen Feichtmeier und Krug hier dringenden Handlungsbedarf. Zunehmend betroffen sind aus ihrer Sicht auch Kindertagesstätten, Schulen, Pflegeeinrichtungen, Sportanlagen und öffentliche Veranstaltungen, wenn die Temperaturen über längere Zeit hoch bleiben.

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Hitzeaktionsplan und regelmäßige Abstimmungstreffen

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Christiane Feichtmeier (rechts) und Caroline Krug bilden im Tutzinger Gemeinderat die Fraktionsgemeinschaft SPD/ÖDP © SPD Tutzing / ÖDP Tutzing

Das beantragte Hitzeschutzkonzept soll zunächst besonders belastete Orte und sensible Einrichtungen in Tutzing identifizieren, Zuständigkeiten klären und die Informations- sowie Warnwege verbessern. Als mögliche Maßnahmen genannt werden in dem Antrag zusätzliche Schattenflächen, mehr Begrünung und Entsiegelung, öffentliche Trinkwasserangebote sowie angepasste Abläufe in kommunalen Einrichtungen an heißen Tagen. Daraus soll ein konkreter Hitzeaktionsplan entstehen, der festlegt, welche Abläufe, Zuständigkeiten und Kommunikationswege bei akuter Hitze gelten. Eingebunden werden sollen dabei nicht nur die Gemeindeverwaltung, sondern auch soziale und medizinische Einrichtungen, Rettungsdienste, Kindertagesstätten, Schulen, Vereine, Kirchen, Arztpraxen und Apotheken. Ein jährliches Abstimmungstreffen vor Beginn der heißen Jahreszeit soll die Beteiligten künftig zusammenbringen.

„Hitzeschutz gehört für uns zur kommunalen Daseinsvorsorge. Wir wollen kein Konzept für die Schublade, sondern klare Maßnahmen, verlässliche Zuständigkeiten und gut erreichbare Informationen für die Bürgerinnen und Bürger“, erklären die beiden Gemeinderätinnen.

Perspektivisch ein umfassendes Klimaanpassungskonzept für Tutzing

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Trocken: Kalkgraben in der Tutzinger Waldschmidtschlucht © L.G.

Die Verwaltung soll nun prüfen, welche Fördermöglichkeiten sich für die Erstellung des Konzepts und die schrittweise Umsetzung der Maßnahmen anbieten. Langfristig soll das Hitzeschutzkonzept nach dem Willen von SPD und ÖDP nur ein erster Baustein sein: Perspektivisch ist ein umfassendes Klimaanpassungskonzept für Tutzing angedacht, das neben Hitze auch Trockenperioden, Starkregenereignisse und weitere Folgen des Klimawandels berücksichtigen soll.

Eingebracht wurde der Antrag von der Fraktionsgemeinschaft SPD/ÖDP im Tutzinger Gemeinderat. Christiane Feichtmeier sitzt für die SPD nicht nur im Gemeinderat, sie ist auch Mitglied des Bayerischen Landtags für den Stimmkreis im Landkreis Starnberg. Ihr Abgeordnetenbüro hat sie in der Starnberger Hauptstraße. Caroline Krug ist für die ÖDP Gemeinderätin in Tutzing und Mitglied des Starnberger Kreistags. Ob und in welcher Form der Gemeinderat dem Antrag folgt, soll sich in der September-Sitzung entscheiden.

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Kommentare

Das Hitzeschutzkonzept ist richtig und wichtig. Wie Herr Kerbs bereits im Detail ausgeführt hat, bleibt es jedoch zu wenig konkret und dürfte in seiner Wirkung zu schwach sein.
Gleichzeitig sollten wir uns nicht damit abfinden, dass der CO₂-Gehalt der Atmosphäre scheinbar unaufhaltsam weiter steigt. Die Natur zeigt mit der Photosynthese seit jeher, dass CO₂ gebunden und in nutzbare Stoffe umgewandelt werden kann – eine Grundlage für das Fortbestehen komplexer Ökosysteme auf der Erde.
Auch die Wissenschaft arbeitet an technischen Ansätzen, um CO₂ nicht nur zu vermeiden, sondern bereits vorhandenes CO₂ wieder zu binden. Denn die reine Reduktion künftiger Emissionen wird voraussichtlich nicht ausreichen, um schwerwiegende Klimaveränderungen rechtzeitig zu begrenzen. Technologien zur CO₂-Abscheidung, -Speicherung und -Nutzung – international meist als Carbon Capture, Utilisation and Storage, kurz CCUS, bezeichnet – können dabei eine ergänzende Rolle spielen. CO₂ kann aus industriellen Prozessen oder direkt aus der Luft abgeschieden, dauerhaft gespeichert oder als Rohstoff für chemische Produkte, synthetische Kraftstoffe oder Baustoffe genutzt werden.
Die großtechnische Speicherung von CO₂ ist keine Theorie mehr: In Norwegen wird CO₂ bereits seit 1996 im Sleipner-Projekt unter dem Meeresboden gespeichert; dort wird jährlich nahezu eine Million Tonnen CO₂ abgeschieden und eingelagert. Auch die Nutzung von CO₂ als Rohstoff gewinnt an Bedeutung, steht jedoch vielfach noch vor wirtschaftlichen und energetischen Herausforderungen.
Entscheidend ist: Wie bei der Photosynthese erfordert auch die technische Umwandlung von CO₂ erhebliche Energiemengen. Diese Energie muss klimaneutral bereitgestellt werden – etwa über erneuerbaren Strom und grünen Wasserstoff. Kostenlos ist dieser Weg nicht. Er kann aber durch CO₂-Bepreisung, Zertifikate und neue industrielle Wertschöpfung wirtschaftlich tragfähiger werden.
Deshalb gilt auch hier: nicht verzagen, sondern Neues wagen.
Ein sinnvoller und wichtiger Schritt. Ich hoffe, dass die weiteren Bausteine möglichst früh mitgedacht werden. Insbesondere Starkregen- und Hochwasservorsorge, Wasserrückhaltebecken, Schwammstadt-Prinzip und eine klimaresiliente Ortsentwicklung.

Auf der diesjährigen Bürgerversammlung in Traubing wurde der Hochwasserschutz erneut angesprochen, ohne dass eine konkrete Perspektive für ein Hochwasserschutzkonzept oder eine entsprechende Prüfung genannt werden konnte. Umso wichtiger wäre es, solche Themen im angekündigten Konzept zusammen zu denken.

Und Thorsten Kerbs trifft einen wichtigen Punkt: Anpassung an die Symptome darf nicht von der Bekämpfung der Ursachen ablenken. Wer nur plant, wie wir mit immer mehr Hitze und Dürre umgehen, ohne zugleich die Emissionen konsequent zu senken, läuft den Folgen am Ende nur teurer hinterher.

Insofern: Hitzeschutz als erster Baustein ja – entscheidend wird sein, daraus tatsächlich eine umfassende und langfristige Klima- und Vorsorgestrategie für Tutzing zu entwickeln.
(Bearbeitet)
Ein interessanter Gedanke, Herr Rekus. Zu bedenken ist allerdings, dass unsere europäischen Freunde in den Mittelmeerländern ein paar Jahrhunderte, womöglich sogar Jahrtausende Zeit hatten, sich an ihre klimatischen Bedingungen anzupassen. Die gegenwärtige Veränderung vollzieht sich dagegen in wenigen Jahrzehnten. So plötzlich, wie das CO2 in der Atmosphäre zugenommen hat, steigen nun auch die Temperaturen. Genau deshalb bräuchte es ein sehr, sehr schnelles Reagieren. Wie schwer uns allen das fällt, zeigt schon der Blick zurück: Vor gar nicht langer Zeit wurde auch hier noch darüber gestritten, welche Rolle der menschengemachte Klimawandel überhaupt spielt.
Zum Bild Kalkgraben- an dieser Stelle läuft sehr selten Wasser „oberirdisch“, da hier an der Gabelung es meist unterirdisch läuft - weiter vorne kommt es wieder - geht man an die Brahms - sieht man dass zu jeder Zeit jetzt immer Wasser lief, was wir auch schon anders mal hatten, deute es einfach als „Symbolbild“
(Bearbeitet)
Ich denke auch, dass dies der Weg ist, den wir in Tutzing gehen sollten.
Dazu noch eine kleine Anregung:

Unsere europäischen Freunde in den Mittelmeerländern leben immer schon mit sehr, sehr heißen Sommern...
Wie hat man sich dort der Hitze angepasst?
Was hat sich bewährt?
Was könnten wir für uns in Tutzing übernehmen?
Ein kommunales Hitzeschutzkonzept ist richtig und es ist großartig, dass dieser Antrag die Anregungen dieser Diskussion aufgreift. Uns allen sollte aber klar sein, dass dieses Konzept nur die Hälfte der Investitionen und Kosten abbildet, die auf uns zukommen. Die andere, ebenso dringliche Hälfte entfällt auf die Reduktion der Treibhausgase.

Warum das so ist, zeigt ein Blick auf die Klimafrage insgesamt. Hier gibt es kein Entweder-Oder, auch wenn man das in der öffentlichen Diskussion inzwischen häufig hört. Wir können nicht wählen, ob wir alle Ressourcen in die Klimafolgenanpassung stecken oder mit aller Kraft den Ausstoß von Klimagasen senken. Das liegt schlicht an der Physik des Klimasystems.

Konkret heißt das, wir könnten es nur dann bei der Anpassung belassen, wenn ab heute weltweit keine einzige Tonne CO2 mehr ausgestoßen würde – jedenfalls nicht mehr davon, als die Ökosphäre aufzunehmen vermag. Dann bliebe es annähernd so heiß, wie es heute ist, und auch Zahl und Intensität der Extremereignisse blieben auf dem derzeitigen Niveau. Darauf könnte man sich einstellen.

Tatsächlich stößt die Menschheit aber nach wie vor rund 40 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr aus, und jede einzelne dieser Tonnen heizt das Klima weiter auf. Wer den Hitzeschutz für Sommer auslegt, wie wir sie in diesem Jahr erleben, baut für die Vergangenheit. Für die noch heißeren Jahre, die kommen, reicht dieser Schutz nicht mehr aus. Was heute geplant wird, ist morgen schon zu klein dimensioniert und muss teuer nachgebessert werden.

Aus diesem Grund kommt uns jeder weitere Ausstoß von Klimagasen so enorm teuer zu stehen. Klimafolgenanpassung und der Wiederaufbau nach Hochwassern, Stürmen und Dürren kosten am Ende weit mehr als die Stilllegung fossiler Autos, Heizungen, Kraftwerke und Fabriken. Der Hitzeschutz für Tutzing ist deshalb unbedingt zu begrüßen. Unseren Beitrag zum Klimaschutz ersetzt er jedoch nicht, im Gegenteil. Ohne echten Klimaschutz wird der Anpassungsbedarf jedes Jahr größer, und mit ihm steigen auch die Kosten.
Eine sehr gute Aktion der neuen Fraktionsgemeinschaft aus ÖDP und SPD !!! Glaubwürdigkeit statt Symbolpolitik !! Es wird Zeit ! Danke an Frau Krug und Frau Feichtmeier ✔️✔️✔️