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Kustermannvilla: Auszug und Neustart

Vorübergehend Kunstateliers – Bald „Coworking-Space“: Arbeitsort für unterschiedliche Akteure

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Der Münchner Unternehmer Max Kustermann hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts während des Baus der Bahnstrecke im damals noch unverbauten Süden von Tutzing viel Grund gekauft, auf dem er eine elegante, klassizistische Villa errichten ließ. Unweit von ihr entfernt ließ er ein Wirtschaftsgebäude dazu bauen, das heute als Kustermannvilla bezeichnet wird. © L.G

In der Kustermannvilla sind dieser Tage die bisherigen Mieter ausgezogen. Der Unternehmer Richard von Rheinbaben hat seine Aktivitäten in den von ihm erworbenen Starnberger Tennispark verlegt: die Mediantis AG, die Eurobuch GmbH, die Eurobuch Sportanlagen GmbH, die ABC-Stiftung für Lateinamerika und das Honorarkonsulat Bolivien für Bayern und Baden-Württemberg.

Die Gemeinde Tutzing, der die Kustermannvilla gehört, plant in dem Gebäude ein so genanntes „Coworking-Space“. So eine Anlage bietet unterschiedlichen Akteuren Arbeitsmöglichkeiten, so jungen Unternehmen (Start-ups), Selbstständigen, Künstlern, neuerdings auch ganzen Abteilungen größerer Firmen. Sie sind jeweils für sich tätig, sollen aber auch Kontakte und Möglichkeiten der Zusammenarbeit finden. So eine Einrichtung ist auf Flexibilität angelegt, ein relativ häufiger Wechsel von Mietern soll leicht möglich sein. Wichtige Arbeitsgrundlagen wie Computer und Kopierer stehen üblicherweise zur Verfügung, in manchen Anlagen gibt es auch Sekretariate und Kantinen, die alle gemeinsam nutzen können. Was ist ein Coworking-Space?

Welche Mieten für das alles künftig in der Kustermannvilla zu zahlen sein werden, ist bisher nicht bekannt. Bürgermeisterin Greinwald gibt sich zuversichtlich, insgesamt auf Dauer höhere Einnahmen als bisher erzielen zu können. Zur bisherigen Miete äußert sie sich nicht, nach Spekulationen soll sie monatlich in der Größenordnung von 6000 Euro gelegen haben. Für die Nutzung der Kustermannvilla zum Coworking-Space gibt es bereits einen Beschluss, wie Bürgermeisterin Marlene Greinwald bestätigt.

Künsterische Nutzung durch Danielle Vochims und Gisela Krohn

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"Up-cycling" ist das Zauberwort für Danielle Vochims. Sie führt Materialien völlig neuen Bestimmungen zu.

Die Umgestaltung wird aber wohl noch einige Monate dauern. Bis dahin soll die Kustermannvilla Künstlern zur Verfügung stehen.

Schon seit Februar vorigen Jahres ist in dem Gebäude Danielle Vochims tätig, sie wird zunächst dort bleiben. Das Zauberwort der deutsch-französischen Künstlerin ist "Up-cycling": In einem Zusammenspiel der Materialien erfindet sie unterschiedlichste Kombinationen und verfremdet dabei jede ursprüngliche Bestimmung. Neue Kunst und Dauerausstellung in der Kustermann Villa

Neu dazukommen wird Anfang Dezember Gisela Krohn. Die Malerin, deren Kunst seit 20 Jahren in der Galerie Wittenbrink in München zu sehen ist, wohnt in Pöcking und betreibt ein Atelier auf dem Gut Deixlfurt. Sie benötigt aber nun mehr Platz, um ein großes Bild anzufertigen, für das sie den Auftrag erhalten hat. Weitere Künstler könnten eventuell ebenfalls vorübergehend in der Kustermannvilla arbeiten, falls sie daran Interesse haben. Diese Phase wird aber mit Eröffnung des neue Coworking-Spaces vorbei sein.

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Wölfe gehören zu den Hauptmotiven der Malerin Gisela Krohn, die auf dem Gut Deixlfurt ein Atelier betreibt und nun auch in der Kustermannvilla arbeiten wird

Für Nutzungen der Kustermannvilla und ihres Grundstücks gab es noch andere Ideen, die sich aber nicht realisieren ließen. So hätte sich Bürgermeisterin Greinwald dort den Tutzinger Hobbykünstlermarkt und auch den Tutzinger Adventsmarkt vorstellen können, wie sie sagt. Der Adventsmarkt wird am 26. November neben dem Rathaus stattfinden. Gisela Krohn und Danielle Vochims wollen sich aber in der Kustermannvilla am „Lebendigen Adventskalender“ beteiligen, für den noch weitere Gastgeber gesucht werden.

Ob das Coworking-Konzept der Kustermannvilla langfristig bestehen bleibt, ist noch offen. Für die Gemeinde Tutzing ist dieses Gebäude auch das „Pfand“ für die Finanzierung der Mittelschule, deren Sanierung nach den letzten bekannten Schätzungen 25 Millionen Euro kosten dürfte. Bürgermeisterin Greinwald hofft auf andere Lösungen, so dass die Gemeinde die Kustermannvilla nicht verkaufen muss, doch ein solcher Schritt gilt nicht als ausgeschlossen. Die Gemeinde hat ihre sämtlichen kommunalen Liegenschaften auf ihre Verwertungsmöglichkeiten hin untersucht, vor allem wegen der spätestens 2025 fälligen Finanzierung der Schulsanierung. Aus diesem Grund ist auch keine Entscheidung über die Zukunft des Minigolfplatzes getroffen worden.

Tennis- und Unternehmenszentrum in Starnberg

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Richard von Rheinbaben (links) und Christian Ude bei der Verleihung des Kunstpreises "Phönix" 2018 © L.G.

Richard von Rheinbaben war mit mehreren seiner Familie gehörenden Unternehmen und weiteren Aktivitäten seit 2005 in der Kustermannvilla ansässig. Der Mietvertrag ist Ende Oktober ausgelaufen. Den Starnberger Tennispark hatte von Rheinbaben vor vier Jahren mit zwei seiner Unternehmen aus der Insolvenz des früheren Betreibers erworben.

Neben den bestehenden Tennisplätzen hat er dort inzwischen eine „Padel-Anlage“ aufgebaut, die nach seinen Angaben die größte dieser Art in Deutschland ist. Padel ist ein Trendsport, der zunehmend beliebt wird. Gespielt wird in einem Käfig, ähnlich wie beim Squash. Mit dem Einzug der Firmen und weiteren Einrichtungen baut von Rheinbaben die Starnberger Anlage zu einem Tennis- und Unternehmenszentrum aus.

Als Büroräume werden derzeit Container genutzt, weil die Altbauten sanierungsbedürftig sind. Für eine Gestaltung der Container hat von Rheinbaben den Künstler Martin Blumöhr gewonnen, der in einer Serie „Public Viewing“ schon etliche Projekte mit lokalen Bezügen versehen hat, so beispielsweise im Fußgängertunnel unter der Landshuter Allee in München auf Höhe der Dom-Pedro-Straße („Niwenhaus“), im Eisenbahntunnel am Hermann-Hesse-Weg in Pasing („Tunnelblick“) oder in der U-Bahnstation am Münchner Marienplatz („Salzstadt“). Blumöhr ist ein Neffe von Christian Ude. Der frühere Münchner Oberbürgermeister gehört zu den Kuratoriumsmitgliedern bei dem seit 2005 verliehenen Tutzinger Kunstpreis "Phönix", den seit 2021 von Rheinbabens Unternehmen eurobuch.com und das Münchner Programm Werksviertel-Mitte Kunst gemeinsam ausloben. Ude hat den Kontakt zu Blumöhr hergestellt.

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