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Was Worte nicht ausdrücken können

„Seestücke“ im Tutzinger Ortsmuseum: Werke des Künstlers Otto Barnstein

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Otto Barnstein ist immer wieder gern nach Tutzing gekommen © Flyer zur Ausstellung "Seestücke" im Tutzinger Ortsmuseum

Zu Lebzeiten hat Otto Barnstein seine Bilder nie öffentlich gezeigt. Jetzt hängen sie in Tutzing: Das Ortsmuseum präsentiert unter dem Titel „Seestücke“ Aquarelle des Münchner Künstlers, der von 1916 bis 1999 lebte und wegen einer Liebschaft immer wieder nach Tutzing gekommen sein soll. Seine Werke werden dort von seinem Sohn kuratiert.

Otto Barnstein (1916-1999) ist in München-Schwabing geboren. In den 1930er-Jahren machte er in Sendling eine Lehre zum Graveur. Schon damals zog es ihn zur Kunst: Neben der Ausbildung besuchte er die Abendschule für Zeichnen, und von da an war der Skizzenblock sein ständiger Begleiter. Auch auf der Aschenbahn machte der junge Mann von sich reden: 1936 wurde er deutscher Jugendmeister im 110-Meter-Hürdenlauf. Der Zweite Weltkrieg setzte dieser Laufbahn ein jähes Ende: Barnstein verlor ein Bein. Trotz dieser einschneidenden Erfahrung fand er zurück zu seiner künstlerischen Arbeit und verdiente sein Geld später als Grafiker.

Mit voller Intensität widmete er sich dem Aquarell aber erst, als das Berufsleben hinter ihm lag. In dieser Zeit perfektionierte er die anspruchsvolle Technik und entwickelte seinen ganz eigenen Stil. Kennzeichnend für seine Arbeiten sind Präzision und eine exakte Linienführung – vielleicht ein Erbe des gelernten Graveurs.

Für Barnstein war die Malerei offenbar mehr als ein Hobby. Was er in Worten nicht ausdrücken konnte, fand im Bild seinen Platz. Aus Pigment und Wasser auf weißem Papier sollte etwas entstehen, das den Betrachter, wie es in einer Beschreibung heißt, über die scheinbare Realität hinausführt und ein „inneres Sehen“ ermöglicht.

Das Ortsmuseum ist eine Einrichtung der Gemeinde Tutzing. Es befindet sich seit 2010 im alten Schulhaus direkt am Starnberger See und gibt auf drei Räumen einen Überblick über mehr als 3000 Jahre örtliche Geschichte. Neben der Dauerausstellung zeigt es regelmäßig Sonderschauen. Zuletzt war dort die Ausstellung „Kampberg – mehr als eine Moorsiedlung“ zu sehen, die von der AG Moore der Initiative „Tutzing klimaneutral 2035“ erarbeitet wurde. Mit den „Seestücken“ macht das Museum nun ein Werk zugänglich, das bislang fast völlig im Verborgenen lag – zu Preisen, die auch Familien und Schulklassen den Besuch leicht machen.

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Die Ausstellung im Tutzinger Ortsmuserum ist erst die zweite von Barnsteins Werken überhaupt. Wer die stillen, genau gearbeiteten Blätter sehen möchte, hat dafür bis zum 28. Februar 2027 Zeit. An diesem Sonntag, 4. Oktober, bleibt das Museum allerdings geschlossen. Die Ausstellung ist mittwochs, freitags, samstags und sonntags jeweils von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 2 Euro, Kinder 1 Euro, Schulklassen 50 Cent pro Person. Mit dem „StarnbergAmmersee Gutscheinheft“ gibt es 50 Cent Nachlass. Das Ortsmuseum befindet sich am Thomaplatz (Graf-Vieregg-Straße 14).

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