Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der tägliche Wasserverbrauch in Tutzing hat sich von normalerweise 1.200 Kubikmetern in den letzten Wochen auf aktuell 2.400 Kubikmeter verdoppelt und bringt die Wasserversorgung an ihre absoluten Grenzen.
Kritische Lage trotz guter Vorbereitung
Dank vorausschauender Investitionen der letzten Jahre ist Tutzing mit 3.000 Kubikmetern Speicherkapazität deutlich besser aufgestellt als viele andere Kommunen. Dennoch können auch diese Speicher den täglichen Verbrauch nur bedingt abpuffern. Die Konsequenz: Die Brunnenpumpen müssen teilweise 24 Stunden am Tag laufen, um die Hochbehälter zu speisen - eine Nullrechnung zwischen Verbrauch, Speicherung und Pumpkapazität.
Beobachtungen zeigen problematisches Verhalten
Obwohl bereits Anfang der Woche ein Wasserspar-Appell veröffentlicht wurde, zeigen sowohl Beobachtungen als auch die Verbrauchsdaten eine andere Realität. Weiterhin werden tagsüber Rasenflächen bewässert. Anhand der Wasserverbrauchsdaten lässt sich zudem ablesen, dass immer noch Pools (nach)be-
füllt werden - was sich in den Statistiken teilweise wie ein Wasserrohrbruch darstellt. Mitarbeiter des Wasserwerks müssen dann teilweise vor Ort fahren, um zu überprüfen, warum plötzlich so große Wassermengen verbraucht werden.
Gemeinde geht mit gutem Beispiel voran
Die Gemeinde selbst praktiziert bereits konsequentes Wassersparen: Für die notwendige Bewässerung von Bäumen wird ausschließlich Brauchwasser verwendet. Auch bei gemeindlichen Liegenschaften wurde der Wasserverbrauch drastisch reduziert - selbst wenn dies z.B. bei Sportplätzen schmerzt.
Ernste Warnung vor Notfällen
Die Situation ist kritischer als viele ahnen: Bei einem wirklichen Wasserrohrbruch oder größeren Löscheinsatz würde der Gemeinde praktisch das Wasser ausgehen. "Ich appelliere eindringlich an die Vernunft und Solidarität unserer Bürgerinnen und Bürger", erklärt Wassermeister Michael Grätz. "Wir müssen in den kommenden Wochen verantwortungsbewusst mit dem Wasser umgehen."
Drastische Maßnahmen wie in anderen Kommunen möglich
Falls sich die Situation nicht bessert, wird die Gemeinde nicht um drastische Maßnahmen herumkommen, wie sie bereits in anderen Kommunen verhängt werden mussten. Diese Maßnahmen - wie z.B. Gießverbote - sollen dann auch überprüft und sanktioniert werden.
Sofortige Maßnahmen erforderlich:
• Kompletter Verzicht auf Rasenbewässerung tagsüber
• Keine Pool-Befüllungen mit Trinkwasser
• Gartenbewässerung nur frühmorgens oder spätabends und nur einmal täglich
• Autowäsche nur in kommerziellen Anlagen
Die Gemeinde setzt auf die Einsicht ihrer Bürgerinnen und Bürger. Nur durch gemeinsames, verantwortungsvolles Handeln kann die Wasserversorgung auch in den derzeitigen heißen Wochen sichergestellt werden.
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Kommentare
ob die Tutzinger Grünen und die ÖDP in diesem Fall wirklich verschlafen haben, weiß ich nicht. Die Vorgeschichte, die Sie andeuten, kenne ich in der Tat nicht und ich urteile nicht über etwas, das nur Hörensagen ist.
Bleibt der Kern, in dem wir näher beieinander sind, als der Ton vermuten ließ. Sie verlangen, dass eine Politik mit ökologischem Anspruch dann hinschaut, wenn es unbequem ist und ein paar Kilometer weiter liegt und eben nicht nur im heimischen Vorgarten. Dem stimme ich vorbehaltlos zu. Nur zieht dieser Anspruch eine Pflicht nach sich, die erstmal vor der eigenen Tür beginnt. Die Versiegelung an der B2 ist entschieden, gebaut, unumkehrbar. Die enormen Wassermengen, die Tutzing dieser Tage täglich verbraucht, sind es nicht. Sie laufen jetzt durch die Rohre & Schläuche, sie sind abstellbar und sie sagen über unsere ökologische Ernsthaftigkeit mehr aus als jede Zuständigkeitsdebatte in Wilzhofen. Der Ärger über das Gestern ehrt Sie und Ihren wachen Blick, nur wenden wir doch einen Teil davon auf das Heute an.
PS: Internetkommentare sind keine Keilschrift, der Satz gefällt mir.
Zur Sache. Herr Kerbs hat nicht auf Zuständigkeiten „gepocht", er hat eine Landkarte vorgelegt. Wilzhofen liegt in Wielenbach, entschieden hat die Regierung von Oberbayern, und die Gemeinde Wielenbach selbst hat geklagt und vor dem VGH verloren. Wenn schon die klagebefugte Gemeinde vor Gericht scheitert, mit welchem Zauberstab hätte dann ausgerechnet ein Tutzinger Ortsverband, der im Verfahren nicht einmal eine Stimme hat, den Beton aufhalten sollen? Eine falsche Adresse wird nicht dadurch richtig, dass man lauter klingelt.
Und jetzt sehe ich, wie Ihr Vorwurf im Fallen die Form wechselt. Aus „hätten verhindern müssen" wird „hätten sich äußern sollen". Das ist ein erheblich kleinerer Schuh, und in den steige ich sogar mit Ihnen: Ja, eine Partei mit ökologischem Anspruch darf ihre Stimme über die Gemeindegrenze heben, und der Verkehr endet nicht am Ortsschild. Geschenkt. Nur ist „hätte lauter sein können" etwas grundlegend anderes als „trägt Verantwortung für den Flächenfraß". Das Erste ist Kritik. Das Zweite ist eine Erfindung.
Ob irgendwer seinen Hof zubetoniert hat, weiß ich nicht, und an den 2.400 Kubikmetern, die Tutzing gerade Tag für Tag durchjagt, ändert es exakt nichts. Bemerkenswert ist nur, wie viele Nebenschauplätze -ob Windrad oder Seniorenbeirat- eine Anklage auf einmal aufmachen muss, wenn der Hauptvorwurf auf der Karte nicht auffindbar ist.
Weil Sie aber zu Recht verlangen, man müsse Parteien an ihren Programmen messen: einverstanden, messen wir. Und zwar alle. Die Gemeinde hat gebeten, Sprenger abzustellen und Pools nicht zu füllen. Wer reißt diesen Test gerade, hier, in Tutzing? Nicht die Einfahrt eines Gemeinderats. Es sind die 120 Liter pro Kopf, die jeden Tag auf privaten Rasen versickern, während der Wassermeister die Pumpen glühen lässt. Die Wohlstandsverwahrlosung, nach der Sie fahnden, steht auch nicht drei Kilometer entfernt an der B2. Die läuft hier nebenan, mit dem Gartenschlauch in der Hand.
Eine Offenheit, die ohne entsprechende menschliche Größe nicht möglich wäre.
Alles Weitere verkneife ich mir, um nicht von den eigentlichen Inhalten des Artikels abzulenken.
ich danke für Ihre Einordnung. Der Hinweis auf die Zuständigkeit des Nachbarlandkreises in Sachen Wilzhofen war überfällig, und er wiegt aus dem Mund einer Kreisrätin mehr als aus meinem. Ihre Einladung zur Bürgerfragestunde nehme ich gern beim Wort. Ich werde anregen, dass sich der Gemeinderat nach diesem Sommer mit dem befasst, was die nächsten, in Klimawandelzeit immer heißer werdenden Sommer erträglicher macht. Also Begrünung, Entsiegelung, Verschattung und sonstige Hitzeschutzmaßnahmen.
Wenn diese Debatte dazu führt, dass so etwas auf die Tagesordnung kommt, hat sich jeder einzelne Kommentar gelohnt – auch die, über die man sich geärgert hat.
ich möchte einmal alle Kommentatorinnen und Kommentatoren bitten, sich zu überlegen, wie verletzend so mancher Kommentar auch auf Gemeinderäte wirkt. Manchmal noch dazu unwahre Behauptungen, die man dann wieder löscht, wenn man merkt, dass man nicht richtig liegt! Jede Bürgerin und jeder Bürger kann – bis auf Ausnahme mobilitätseingeschränkter Menschen (hier arbeiten die Gemeinde und der GR fraktionsübergreifend an dem wichtigen Projekt Aufzug) – an Ausschuss- und Gemeinderatssitzungen persönlich teilnehmen und in der vorausgehenden ¼ Stunde Bürgerfragen stellen und Wünsche oder Anregungen mitteilen, die immer umgehend oder etwas zeitverzögert beantwortet werden. Leider nutzt das kaum jemand.
In letzter Zeit fällt mir oft auf, dass immer die Grünen und die ödp mit Vorwürfen überzogen werden. Es gibt auch noch andere Fraktionen im Gemeinderat und auch Gemeinderäte haben Gefühle. Ich kann hier nur für mich sprechen, aber ich gebe immer schriftliche oder telefonische Auskunft auf Sorgen und Probleme, wenn Bürger anfragen. Besonders unfair ist es, wenn man Menschen, die sich seit Jahren für unsere Mitbürger, für die Umwelt und den Tierschutz einsetzen, dann für Entscheidungen gerade stehen sollen, für die der Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau die Verantwortung übernehmen muss, siehe Flächenversiegelung B2 bei Wilzhofen.
Einzelne Gemeinderäte in Tutzing haben nicht die Macht, mehrheitliche Entscheidungen herbeizuführen. Die Bürgerinnen und Bürger entscheiden, wer das Vertrauen bekommt, in den Gemeinderat gewählt zu werden. Wir alle setzen uns im Gemeinderat für unsere Bürgerinnen und Bürger ein und entscheiden nach bestem Wissen und Gewissen und man muss auch andere Meinungen aushalten können. Nur miteinander können wir etwas bewirken ….
Es steht Bürgern auch jeder Zeit frei Bürgerbegehren (Kommunalebene) und Volksbegehren (Länderebene) einzubringen, beides sind Instrumente der direkten Demokratie, um politische Entscheidungen oder Gesetze zu beeinflussen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Mit freundlichen Grüßen
Caroline Krug
Gemeinde- und Kreisrätin der ödp
Ankleben muss sich dafür zum Glück niemand. Mir genügt, dass aus „die Grünen hätten Wilzhofen verhindern müssen" inzwischen „sie hätten lauter protestieren können" geworden ist. In der Sache haben wir uns damit, glaube ich, verständigt.
Und vielleicht ist das die eigentliche Nachricht in dieser Debatte: Die ökologische Frage gehört in Tutzing niemandem mehr, keiner Partei und keiner Seite. Wenn hier, auf den vorOrt.news über braune Rasen, gerettete Birnbäume, Entsiegelung und Wasserspeicher gestritten wird statt darüber, ob der menschengemachte Klimawandel existiert oder nicht, dann ist das ein großer, zutiefst erfreulicher Fortschritt.
Herr Kerbs bringt es auf den Punkt: Beim Schwarzfahrer kennt der Rechtsstaat keine Gnade, beim Poolbesitzer entdeckt er sein Herz für Augenmaß und Einsicht. Konsequenz ist hierzulande oftmals eine Frage der Quadratmeterzahl. Dabei schluckt ein einziger Sprenger bis zu 1.000 Liter in der Stunde und ein Pool locker den Monatsbedarf eines Menschen. Was im Hochbehälter aussieht wie ein Rohrbruch, ist meist nur der Nachbar bei der Gartenpflege.
Danke erstmal für die Blumen, Frau Blume-Hedemann. Ich muss Sie leider zurückreichen, denn an einer Stelle kippt Charme in Chuzpe. Den Tutzinger „Öko-Menschen“ die Versiegelung an der B2 bei Wilzhofen vorzuhalten, ist so treffsicher wie eine Anzeige gegen den Nachbarn wegen des Wetters in Traubing. Wilzhofen liegt (Herr Kerbs hatte das ja schon erläutert) in Wielenbach und somit im Landkreis Weilheim-Schongau. Entschieden hat die Regierung von Oberbayern und die zuständige Gemeinde hatte geklagt und verloren. Wer dort die Tutzinger Grünen und ÖDP für untätig erklärt, verklagt auch die Feuerwehr wegen Ruhestörung.
Und das knochentrockene Bachbett, an dem wir uns so gern gruseln? Jörg Kachelmann hat gerade erst im Podcast bei Paul Ronzheimer nüchtern erklärt, dass dieses Foto als Sinnbild der Hitze schlicht Unfug ist: Das Bett ist trocken, weil es nicht regnet, nicht weil es warm ist. Lehrreicher ist sein Blick nach Frankreich, wo er die Dürre selbst erlebt. Dort hat kein Mensch einen grünen Rasen, und jeder weiß, warum. Ein grüner Rasen im Dürresommer ist keine Gartenkunst, sondern das, was er Wohlstandsverwahrlosung nennt. Der gelbe Rasen ist dort ein Zeichen von Anstand. Bei uns steht der englische Golfrasen als Statussymbol im Vorgarten, während drei Straßen weiter die Pumpen rund um die Uhr glühen, nur um ihn grün zu halten. Die Hitze bringt keine Flussbetten um. Sie bringt Menschen um, vor allem die Alten und die Kranken. Ein Ort, dem der Vorgarten näher ist als die Großmutter im aufgeheizten Schlafzimmer, hat den Kompass verschluckt.
Der Rest ist unspektakulär und deshalb unbeliebt: Sprenger aus, Pool leer, fertig ist die Bürgerpflicht. Und dann im Gemeinderat auf die Tagesordnung: Wasser speichern, statt es zu verstäuben. Bäume, die Schatten werfen. Boden, der den Wolkenbruch versickern lässt, statt ihn durchs leere Bett zu schießen. Man kann es Wirkungsökonomie nennen. Ich nenne es: nicht blöd sein.
Sobald der Regen kommt, kommt mit ihm auch die kollektive Amnesie. Der nächste Sommer kommt aber auch. Und der fragt nicht nach der Farbe des Rasens. Er fragt, wer im heißen Zimmer sitzt.
Der Reflex, ausgerechnet den „Öko-Menschen" Untätigkeit vorzuhalten, verwechselt Bock und Gärtner. Warum Klimaschutz politisch nicht vorankommt, hat Wiebke Winter von der KlimaUnion selbst benannt: „Wenn wir als Union das Thema Klima groß machen, profitieren am Ende davon die Grünen."
Ja, die Warnungen sind alt. 1972 rechnete der Club of Rome den Mechanismus vor, 1987 warnte der Deutsche Bundestag – unter Führung eines CDU-Abgeordneten – in der Enquete-Kommission „Vorsorge zum Schutz der Erdatmosphäre" vor dem, was wir jetzt an unseren Wasser-Hochbehältern ablesen. Das Wissen war also nie das Problem und wer es erst heute begreift, muss sich eigentlich nicht schämen – Einsicht ist nun wirklich keine Niederlage. Bernd Ulrich hat in der ZEIT zusammengefasst, woran sie stattdessen oft scheitert: „Die Klimakrise werden die Konservativen den Klimaschützern nie verzeihen." Beweisen wir ihm in Tutzing das Gegenteil.
Was zu tun ist, bildet diese einfache Reihenfolge: Rasensprenger aus, Pool leer lassen. Und dann sollte der Gemeinderat nach der Sommerpause dringend über all das reden, was besonders die betagten und kranken Tutzingerinnen und Tutzinger in den nächsten Hitzesommern schützen wird: Hitzeschutz durch Baumpflanzung, Entsiegelung usw., und natürlich Klimaschutz. Die Themen also, die mit dem nächsten Regenguss und 20-Grad-Tag schnell vergessen sein werden. Sie werden aber zurückkehren, denn nach der Hitzewelle ist vor der Hitzewelle.