Bauplanung
14.11.2023
Von vorOrt.news

Der schwierige Weg zu erschwinglichem Wohnraum

Die Gemeinde Tutzing sucht nach einer Lösung für ein ihr gehörendes Grundstück in Kampberg

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Plan der vom Unternehmen Verla-Pharm vorgesehenen Mitarbeiterwohnungen neben dem Tutzinger Würmseestadion © Architekturbüro Büscher

Auf einem der Gemeinde Tutzing gehörenden Grundstück im Ortsteil Kampberg soll erschwinglicher Wohnraum geschaffen werden. Aber wie? Die Mitglieder des Gemeinderats scheinen sich generell darüber einig zu sein, dass das Grundstück – trotz der oft beklagten kommunalen Finanzschwäche – nicht in den freien Verkauf gehen, sondern der Spekulation entzogen werden soll. Auf welche Weise bezahlbarer Wohnraum realisiert werden soll, darüber gibt es allerdings unterschiedliche Ansichten.

Zur Sprache kamen kürzlich im Gemeinderat verschiedene Möglichkeiten. Bei kommunalem Wohnungsbau, den die Grünen vorgeschlagen hatten, schätzte Dr. Thomas von Mitschke-Collande (CSU) die Kosten auf 4,5 Millionen bis 5 Millionen Euro – bei einer staatlichen Förderung von 60 Prozent blieben an der Gemeinde Tutzing immer noch 2 Millionen Euro hängen. Zur Debatte stand auch genossenschaftlicher Wohnungsbau. Doch hierfür sei eine Nutzung des Grundstücks schwierig, sagte Michael Ehgartner von den Grünen, so wegen Hanglage, des Zuschnitts, einer erhaltenswerten Eiche und einer wohl notwendigen Überprüfung der Bodenqualität. Ehgartner hat 2019 in Tutzing eine Initiative mitgegründet, die den genossenschaftlichen Wohnungsbau voranbringen will. Interessenten für Wohnungen: Bitte melden

Weiter im Gespräche sind die so genannte einkommensorientierte Förderung (EOF) und eine denkbare Erbpacht. Interesse gibt es auch für den Bau von Mitarbeiterwohnungen, so von dem in Kampberg ansässigen Unternehmen W.A.F. Für Mitarbeiterwohnungen sind zurzeit in Tutzing mehrere Ansätze zu erkennen, vom Unternehmen Verla-Pharm neben dem Würmseestadion bis zum Grundstück der früheren Aral-Tankstelle, wo für geplante 28 neue Wohnungen ein Mietvertrag mit der Artemed-Klinikgruppe vorgesehen ist.

Ist Tutzing nur noch etwas für Reiche?

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Anlage des Verbands Wohnen in Tutzing an der Kellerwiese © L.G.

Dem mit dem sozialen Wohnungsbau befassten Verband Wohnen sei das Grundstück zu klein, sagte Bürgermeisterin Marlene Greinwald, die Verbandsvorsitzende ist. Der Verband hat in Tutzing Wohnanlagen an der Kellerwiese und am Kallerbach errichtet, er plant auch etwa 70 neue Wohnungen auf dem Gelände der mittlerweile abgebrochenen Gebäude im Schönmoos neben der Bräuhausstraße. Auf Fragen nach den Miethöhen sagte Greinwald kürzlich bei einer Veranstaltung zur Bürgermeisterwahl, bei den Wohnungen, die man nur mit Wohnberechtigungsschein bekommen kann, seien es zurzeit 7,50 Euro je Quadratmeter, bei denen ohne Wohnberechtigungsschein – den so genannten frei finanzierten Wohnungen – 10 Euro je Quadratmeter. Alle neuen frei finanzierten Wohnungen würden aber jetzt zu 12 Euro je Quadratmeter vermietet, in Weßling wird es wohl noch mehr werden. Auf Fragen, wie hoch die Mieten in Tutzing zurzeit am freien Markt seien, sagte Greinwald: „20, 22, 24 Euro – nach oben keine Grenze.“ Wenn man einen Vermieter fände, „der nur 14 Euro haben will“, dann könne man froh sein. „Das ist eine große Gefahr für den sozialen Frieden“, fügte sie hinzu. „Tutzing ist nur noch was für Reiche“, kommentierte ein Besucher, „für ‚Normale‘ ist nichts mehr übrig.“

Wie es nun mit dem der Gemeinde gehörenden Grundstück in Kampberg weitergehen wird, ist in der jüngsten Sitzung trotz einer sehr langen Diskussion offen geblieben. Greinwald regte die Bildung eines Gremiums zur weiteren Klärung an. Die Gemeinde will erst einmal fachlichen Rat einholen, sowohl rechtlich als auch in Hinblick auf die Immobilien. Derzeit auf dem Grundstück befindliche Baracken sollen jedenfalls abgebrochen werden, wie Bauamtleiter Christian Wolfert sagte. In den Gebäuden befand sich über längere Zeit die Tutzinger Obdachlosenunterkunft für Frauen, für die inzwischen nach den Worten von Bürgermeisterin Greinwald eine bessere Lösung gefunden worden ist. Im Ostbereich ist das Grundstück verpachtet. Nach Wolferts Angaben handelt es sich um eine „klare Innenbereichslage“ – auf drei Seiten gebe es Bebauung. Im Flächennutzungsplan stehe das Areal als Wohnbaufläche, Gewerbe sei an dieser Stelle eher nicht vorgesehen. Die Erschließung sei sowohl vom Rosenweg als auch teilweise vom Wickenweg gesichert.

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