Wirtschaft
27.1.2026
Von vorOrt.news

Artemed an Marianne-Strauß-Klinik interessiert

Kommt das Tutzinger Unternehmen bei Trägerwechsel zum Zuge? - Bundeskartellamt hat schon zugestimmt

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Das Behandlungszentrum Kempfenhausen mit der Marianne-Strauß-Klinik befindet sich inmitten einer großen Anlage nahe am Ostufer des Starnberger Sees © Marianne-Strauß-Klinik

Die in Tutzing ansässige Artemed-Gruppe hat Interesse an einer Übernahme des Behandlungszentrums Kempfenhausen für Multiple Sklerose Kranke gemeinnützige GmbH in Kempfenhausen. Zu dieser Einrichtung gehört auch die Marianne-Strauß-Klinik.

Das Zusammenschlussvorhaben von Artemed ist beim Bundeskartellamt angezeigt und von diesem bereits im November vorigen Jahres freigegeben worden, wie dort auf Anfrage von vorOrt.news bestätigt worden ist. Unter kartellrechtlichen Gesichtspunkten könne das Vorhaben damit vollzogen werden, teilte uns ein Sprecher des Bundeskartellamts mit.

Die Marianne-Strauß-Klinik hat in einer kurzfristig eingegangenen Einladung zu einer Pressekonferenz am Donnerstag dieser Woche bestätigt, dass es einen Trägerwechsel gibt. Die Gespräche könnten in dieser Woche zum Abschluss gebracht werden. Ob die Artemed-Gruppe der neue Träger der Einrichtung ist, wird in der Einladung nicht erwähnt. Auch von Artemed selbst war dazu bisher auf mehrere Anfragen keine Auskunft zu erhalten.

Die in einer großen Anlage befindliche Klinik ist die zweitgrößte Fachklinik für Multiple Sklerose in Deutschland, In der Einrichtung gibt es 120 vollstationäre und 15 teilstationäre Betten, eine Ambulanz und 31 Pflegeplätze.

Das Behandlungszentrum Kempfenhausen war schon seit einiger Zeit in einer wirtschaftlichen Schieflage. Mitte vorigen Jahres hat die Trägergesellschaft beim Amtsgericht Weilheim ein so genanntes Schutzschirmverfahren beantragt. Es gab Hoffnungen, die Einrichtung mit Hilfe eingeschalteter Sanierungsexperten durch ein Insolvenzverfahren in Eigenregie retten zu können.

Eine Übernahme durch Artemed wäre eine Privatisierung

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Zur Artemed-Gruppe gehört auch das Benedictus-Krankenhaus in Tutzing © L.G.

Eine Übernahme durch Artemed wäre eine Privatisierung der Einrichtung, die sich bisher im Eigentum öffentlicher Stellen befindet. Mehrheitseigentümer der Trägergesellschaft, einer gemeinnützigen GmbH, ist die Landeshauptstadt München mit 57 Prozent. Weitere Anteile halten der Bezirk Oberbayern mit 17 Prozent sowie das Kuratorium Wohnen im Alter (KWA) und die Deutsche MS-Gesellschaft mit jeweils 13 Prozent. Im Zuge des Insolvenzverfahrens war eigentlich die vollständige Übernahme der Einrichtung durch den Bezirk Oberbayern vorgesehen, der auch Träger weiterer Kliniken ist.

Als das Schutzschirmverfahren bekanntgegeben wurde, schilderte die Geschäftsführung der Klinik die Aussichten auf eine wirtschaftliche Sanierung als gut. Die Löhne und Gehälter der 240 Mitarbeiter wurden als gesichert bezeichnet. Sie würden während des vorläufigen Verfahrens von der Agentur für Arbeit bezahlt werden.

Vor vier Jahren hatte das Behandlungszentrum eine Generalsanierung und eine Erweiterung der Bettenkapazität eingeleitet. Insgesamt ging es dabei um Investitionen von mehr als 50 Millionen Euro. Neben Kostensteigerungen waren diese zum Teil bereits abgeschlossenen Bauarbeiten offenkundig Grund für die wirtschaftlichen Probleme. Dennoch hielt die Klinik-Geschäftsführung an den weiteren Bauplänen fest.

Zur Artemed-Gruppe gehören 18 Krankenhäuser in Deutschland sowie eine Stiftung zur Unterstützung der medizinischen Grundversorgung im Ausland (Stand Mitte 2025).

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