Verkehr
7.7.2026
Von vorOrt.news

Erst gebremst, dann wieder Gas gegeben

Tempomessungen in der Oskar-Schüler-Straße bringen noch keine endgültige Klarheit

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Die Straßenverengung hat gewisse Folgen fürs Tempo der Autofahrer - aber die Bremswirkung scheint nachzulassen © L.G.

Neue Messdaten zur Oskar-Schüler-Straße zeigen: Die Buchten des Pilotprojekts haben die Temposünder-Quote binnen eines Jahres von 21 auf gut 5 Prozent gedrückt – doch schon vier Wochen später kletterten die Geschwindigkeiten wieder spürbar nach oben.

Eine Zahl sticht aus den Unterlagen des Zweckverbands Kommunale Dienste Oberland besonders heraus: Im Mai 2024 war mehr als jedes fünfte Fahrzeug an der Oskar-Schüler-Straße zu schnell unterwegs – bei einer Beanstandungsquote von 21,10 Prozent. Fast zwei Jahre später, im Januar und Februar 2026, waren es nur noch 5,32 Prozent. Ein deutlicher Erfolg für die Gemeinde – wäre da nicht eine zweite Messung Ende Februar, die zeigt, dass die Fahrzeuge inzwischen wieder schneller unterwegs sind.

Die erste Messung fand in einer besonderen Situation statt: Während der Sanierung der Tutzinger Hauptstraße diente die Oskar-Schüler-Straße 2024 zeitweise als Umleitungsstrecke – mit eigens verhängtem Tempo 30. In der Messwoche vom 16. bis 23. Mai zählte der Zweckverband dort 25.625 Fahrzeuge, durchschnittlich rund 152 pro Stunde. Die höchste gemessene Geschwindigkeit lag bei 93 km/h, im Schnitt fuhren die Fahrzeuge mit 30,55 km/h nur knapp über dem erlaubten Tempo – trotzdem wurden binnen einer Woche 5.407 Verstöße registriert, die meisten davon knappe Überschreitungen von 6 bis 15 km/h. Die Belastung durch die Umleitung hatte damals ohnehin für Unmut bei den Anwohnern gesorgt, die sich über Lärm, Abgase und mehrere brenzlige Situationen mit Kindern beschwerten. Ein Anwohnervertreter widersprach im Ausschuss ausdrücklich der These, hohes Verkehrsaufkommen bedeute automatisch weniger Temposünder – aus seiner Sicht war das schlicht dem zähen Kolonnenverkehr während der Bauphase geschuldet.

Buchten mit Pflanzkübeln als Bremse

Nachdem klassische Mittel wie LED-Geschwindigkeitsanzeigen, verbesserte Beschilderung und Straßenpiktogramme die Temposünder in der hochfrequentierten Straße nicht dauerhaft ausbremsen konnten, entschied sich die Gemeinde Tutzing im Dezember 2025 für einen baulichen Versuch: Ein kurzer Abschnitt der Fahrbahn wurde mit zwei Buchten verschwenkt, für deren Dauer beidseitig ein absolutes Parkverbot gilt. Die leichte seitliche Ablenkung der Fahrlinie soll Autofahrer intuitiv zum Bremsen bewegen. Über maximal sechs Monate sollte die Wirkung des Pilotprojekts per Messung überprüft werden – je nach Ergebnis entscheidet die Gemeinde anschließend über eine dauerhafte bauliche Lösung, eine Anpassung oder den vorzeitigen Rückbau. Pilotprojekt zur Verkehrsberuhigung

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Erste Erfolge und ein rascher Dämpfer

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Trauriger Smiley: Manche Messergebnisse in der Oskar-Schüler-Straße gefallen ihm gar nicht © L.G.

Die erste Auswertung nach Einbau der Buchten fiel deutlich aus: In der Woche vom 26. Januar bis 2. Februar 2026 sank die Beanstandungsquote auf 5,32 Prozent, die Zahl der Verstöße insgesamt auf 1.258 – gegenüber 5.407 im Vergleichszeitraum 2024 ein Rückgang um mehr als drei Viertel. Auch die Durchschnittsgeschwindigkeit fiel von 30,55 auf 26,90 km/h, der Wert, den 85 Prozent aller Fahrzeuge einhielten (v85), sank von 37 auf 32 km/h.

Doch schon die nächste Messwoche, vom 23. Februar bis 2. März 2026, zeigt ein anderes Bild. Der v85-Wert stieg wieder auf 36 km/h, die gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit kletterte auf 29,81 km/h – fast wieder auf das Ausgangsniveau von 2024. Auch die höchste gemessene Einzelgeschwindigkeit legte von 58 auf 71 km/h zu.

Eine vollständige Aufschlüsselung der Verstöße für diesen zweiten Zeitraum liegt noch nicht vor, doch die Kennwerte sprechen für sich: Die Bremswirkung der Buchten scheint nach den ersten Wochen spürbar nachzulassen.

Weitere Pflanzkübel im unteren Bereich unwahrscheinlich

Für die Messungen zuständig ist der Zweckverband Kommunale Dienste Oberland, dem die Gemeinde Tutzing angehört. Er führt die Verkehrserfassung mit dem System „Topo“ der Firma RTB durch und wertet die Daten für die Gemeinde aus, die daraus ihre verkehrspolitischen Entscheidungen ableitet.

Ob die Buchten am Ende der sechsmonatigen Testphase als dauerhafte Lösung bleiben, hängt nun davon ab, wie sich die Werte in den kommenden Monaten weiterentwickeln. Die Diskussionen sind ohnehin nicht beendet. In der Bürgerversammlung hat eine Anwohnerin kürzlich eine Tempobremsung mit Hilfe von Pflanzkübeln auch für den unteren Bereich der Oskar-Schüler-Straße angeregt. Zu einer solchen Lösung scheint man aber in der Gemeinde nicht zu neigen – schon weil sich in diesem Bereich die Ausfahrt der Feuerwehr befindet.

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Comments

Dass man sich über zu schnellen Autoverkehr beschwert, kann ich nachvollziehen. Die Oskar-Schüler-Straße ist aber nunmal eine Durchgangsstraße mit einem hohen Verkehrsaufkommen. Früher durfte man dort 50 km/h fahren. Mir scheint, als wäre das den Anwohnern nicht wirklich bewusst. Ich bin auch überrascht, wie häufig im Gemeinderat die Oskar-Schüler-Straße diskutiert wird – gibt es nicht dringendere Probleme im Ort? Anscheinend sind die Anwohner besonders "penetrant"...
Vielen Dank für Ihren Beitrag Hr. Vahsen,
dem bekennenden Viel-Radler, der sich zu jeder Radler-und Fußgänger-schützenden Maßnahme, die einen kleinen Nachteil für Autofahrer darstellen könnte, ohne zu zögern als allererster kritisch äußert.
Ich hüte mich davor vom Wolf im Schafspelz zu sprechen. Doch merkwürdig wirkt das schon.

Einige der genannten Punkte sind grundsätzlich richtig – allerdings nur, wenn Temposchwellen ungeeignet geplant oder falsch ausgeführt werden.

Deshalb lohnt sich ein differenzierter Blick.

1. Verkehrssicherheit steht an erster Stelle.
Der entscheidende Punkt ist: Niedrigere Geschwindigkeiten retten Leben. Der Anhalteweg steigt mit der Geschwindigkeit überproportional an. Fährt ein Auto 50 km/h statt 30 km/h, ist der Bremsweg deutlich länger und die Aufprallenergie fast dreimal so hoch (s. Messergebnisse, sogar 58/73/91km/h). Gerade in einer Straße mit vielen Fußgängern, Kindern oder Radfahrern kann das über schwere oder leichte Verletzungen entscheiden. Wir sollten alles daran setzten, dass das Befahren dieser Straße mit über 50km/h UNMÖGLICH gemacht wird! (Bitte nicht die Ausrede des Rettungsfahrzeugs heranziehen, s. unten).

2. Lärm und Abgase
Ja, bei klassischen hohen "Bremsschwellen" kann es zu zusätzlichem Bremsen und Beschleunigen kommen. Moderne, flach ausgeführte Temposchwellen oder sogenannte Berliner Kissen sind jedoch genau dafür ausgelegt, dass man sie mit 30 km/h gleichmäßig überfahren kann – ohne starkes Bremsen oder Beschleunigen. Wer sich an die zulässige Geschwindigkeit hält, verursacht kaum zusätzliche Emissionen oder Lärm. Das Problem entsteht vor allem bei Fahrzeugen, die ohnehin zu schnell fahren!

3. Rettungsdienste
Auch Rettungsfahrzeuge müssen innerorts sicher unterwegs sein. Moderne Verkehrsberuhigungen werden so gestaltet, dass Feuerwehr und Rettungsdienst sie mit angepasster Geschwindigkeit gut passieren können. Gleichzeitig sinkt durch geringere Geschwindigkeiten das Unfallrisiko – was letztlich auch Rettungseinsätze verhindern kann.

4. Busverkehr
In zahlreichen Städten fahren Linienbusse täglich über Verkehrsberuhigungen. Deshalb werden sie dort entsprechend flach und busfreundlich gebaut. Unangenehm wird es hauptsächlich dann, wenn deutlich zu schnell gefahren wird. Was alle Schafe ja durch derartige Maßnahmen verhindern wollen.

5. Radverkehr
Gerade wir Radfahrer profitieren von langsamerem Autoverkehr. Das eigentliche Risiko entsteht oft durch zu knappes Überholen und hohe Geschwindigkeiten der Autos. Werden Schwellen richtig geplant und Radfurten berücksichtigt, überwiegen die Sicherheitsvorteile bei Weitem. Die Schwellen können mit Abstand gesetzt werden, dass Radler ohne Probleme hindurch fahren können, ohne darüber fahren zu müssen. Wenngleich auch das bei modernen Temposchwellen für echte Schafe kein Problem wäre.

6. Winterdienst
Auch dieses Argument überzeugt nur bedingt. In unzähligen Gemeinden mit deutlich schneereicheren Wintern als Tutzing funktionieren Winterdienst und Verkehrsberuhigungen seit Jahren problemlos. Auch dafür gibt es bewährte Bauformen.

7. Erschütterungen
Richtig dimensionierte, flache Elemente verursachen bei angepasster Geschwindigkeit kaum Erschütterungen. Wer deutlich zu schnell fährt, spürt sie natürlich stärker – genau das ist aber der gewünschte Effekt, oder?

8. "Eine der wichtigsten Straßen"
Gerade weil die Oskar-Schüler-Straße stark genutzt wird, sollte dort konsequent die zulässige Geschwindigkeit eingehalten werden. Verkehrsberuhigung bedeutet nicht, den Verkehr lahmzulegen. Wer 30 km/h konstant fährt, verliert auf wenigen hundert Metern nur wenige Sekunden – gewinnt dafür aber deutlich mehr Sicherheit für alle.

Niemand behauptet, dass Temposchwellen die einzig richtige Lösung sind. Aber sie gehören zu den wenigen Maßnahmen, die nachweislich dafür sorgen, dass Tempolimits tatsächlich eingehalten werden. Ein Verkehrsschild allein bremst leider niemanden. Die Pflanzkübel erzeugen wohl ein Gewohnheitseffekt. Also sollte etwas anderes ausprobiert werden, das wirkt und den Haushalt nicht unnötig belastet.

Zusammengefasst: Sie haben eine Meinung. Das ist ok. Doch allgemein gültig, faktenbasiert und absolut richtig ist diese nicht. Ob sie den Kopf schütteln oder nicht. Sie wird auch nicht richtiger, wenn sich diese Diskussion nun, wie üblich, über mehrere Tage in die Länge zieht, bis wieder einmal die Kommentarspalte platzt ;)
(Bearbeitet)
Temposchwellen: Nein Danke.

Lärm: Beim Überfahren und besonders beim Beschleunigen danach entstehen zusätzliche Geräusche.
Abgase: Fahrzeuge bremsen und beschleunigen immer wieder, was den Kraftstoffverbrauch und die Emissionen erhöht.
Rettungsdienste: Feuerwehr, Rettungswagen und Polizei verlieren Zeit und Patienten werden stärker durchgeschüttelt.
Busverkehr: Unangenehm für Fahrgäste und belastend für Fahrzeuge.
Radfahrer: Können gefährlich sein, besonders bei Nässe oder Dunkelheit.
Winterdienst: Schneeräumung und Streudienst werden erschwert.
Anwohner: Erschütterungen können in benachbarten Häusern spürbar sein.
Motorräder: Manche Fahrer verlieren bei höherer Geschwindigkeit die Kontrolle.

Zusammengefasst: Temposchwellen wären hier mit die schlechteste Lösung. Wie man sowas nur vorschlagen kann auf einer der wichtigsten Straßen mit viel Verkehr. Auf einer kaum befahrenen kleinen Nebenstraße evtl, um ein paar Raser auszubremsen. Aber doch nicht hier damit den Verkerhr lahm legen wegen ein paar Ausreißern. Da kann ich nur den Kopf schütteln, besonders als Radfahrer.

(Bearbeitet)
Ein erster Versuch mit guter Absicht.
Ich frage mich allerdings warum man bei ungewisser Effektivität und klammer Haushaltskasse bauliche Maßnahmen in Erwägung ziehen sollte.
Bei Verschwenkungen lässt sich seit Jahren in der Traubingerstraße feststellen, dass es nur sehr bedingt hilft. Oft genug führen die Verschwenkungen zu riskanteren Manövern.

Die effektivste und bei weitem billigste Maßnahme sind *Temposchwellen/ Verkehrsschwellen*. Leicht anzubringen in der Oskar-Schüler-Str. Keine Verengung, kein Ausweichen auf die Gegenseite, kein Beschleunigen, um schnell noch durchzukommen. Nachgewiesene Geschwindigkeitsreduktion und Lärmreduktion mit allen einhergehenden Vorteilen. (Auch fahrradfreundliche Schwellen sind möglich.)

Dass uns Deutschen das eigene Auto heiliger ist als alles andere, das ist doch kein Geheimnis mehr.

Vor einer oder gar zwei Temposchwellen wird selbst die gestandene Fahrerin des weißen 911 Carrera 4 GTS Cabriots demütig. Sie wird abbremsen, um nichts zu riskieren und das vorgeschriebene Tempolimit befolgen.
Nach den Pflanzkübeln sollte der nächste Pilot also mit einer Temposchwelle durchgeführt werden.
Warum sollte in Tutzing nicht funktionieren, was bereits in aller Herren Länder nachweislich funktioniert?
(Bearbeitet)
Ich habe leider immer wieder Anlass an der Verläßlichkeit der Meßergebnisse dieser Art von Tempomessungen zu zweifeln.
Mal nach oben, mal nach unten.
-> Beispiel 1:
Diese Temposmilies stehen ja mittlerweile an vielen Ortseingängen; und ich stelle fest, dass sie mir bei Tacho 50 (im gleichen Auto wohlgemerkt) mal ~45 km/h und mal ~55 km/h angezeigen. Ja was stimmt denn nun?
-> Beispiel 2:
Ganz aktuell & konkret aus Obertraubing: Auf der Kustermannstraße in Richtung B2 zu Beginn der letzten Siedlung zeigte mir vor ein paar Tagen der Temposmily eine "böse" rote Warnung an - 44 ! - dabei war ich noch locker 50-60 Meter vor der Tempo 30 Zone in der Tempo 50 Zone. Im abbremsenden Recuperationsmodus fuhr ich sogar deutlich unter dem Tempolimit.
Aber wenn jemand diese Werte ausliest und für bare Münze in Obertraubing nimmt, bekommt er einen Schreck.

Sollen die Temposmilies & Co aber für mehr herhalten, als nur die Verkehrsteilnehmer bzgl. Tempo zu sensibilisieren (was bereits ein Wert für sich ist) gehören diese Ungenauigkeiten ausgeräumt.
Denn diese Fehlmessungen sind nicht verwunderlich.
Polizei oder professionelle Verkehrsüberwacher beispielsweise bauen ihre Messstellen sehr sorgfältig nach exakten Vorgaben des Herstellers auf, um wirklich korrekte, notfalls sogar gerichtsfeste Messungen zu bekommen. Ich habe auch mal miterleben dürfen, wie die Polizei erst Testmessungen durchführte, bevor sie ihre Meßanlage scharf stellte.
Als dieses Jahr vor unseren Häusern ein Temposmily am Lichtmast montiert wurde, hatte ich nicht den Eindruck, dass da ähnlicher Aufwand für die Meßgenauigkeit betrieben wurde.