Nach sechsjähriger Bauzeit soll am kommenden Freitag, dem 20. März 2026 eine Abschlussfeier zur Erneuerung der Tutzinger Ortsdurchfahrt stattfinden. Das gibt das Staatliche Bauamt Weilheim in einer Pressemitteilung bekannt, die auch einen Überblick über die Arbeiten seit 2020 enthält.
Die Erneuerung der Hauptstraße, der Lindemannstraße und der Bernrieder Straße wurden im Dezember 2025 abgeschlossen. Das Staatliche Bauamt verweist auf die nun noch bis zur Jahresmitte 2026 vorgesehenen abschließenden Arbeiten in den Nebenstraßen durch die Gemeinde. Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn gibt es als Ziel aus, bis zur Fischerhochzeit Ende Juli 2026 fertig zu sein. "So erhält Tutzing eine neugestaltete Ortsdurchfahrt und Ortsmitte," folgert das Staatliche Bauamt, "die neben einer grundhaften Sanierung von Infrastruktureinrichtungen auch eine verbesserte Aufenthaltsqualität sowie eine Verbesserung der Verkehrssicherheit beinhaltet.“
"In vielfacher Hinsicht herausfordernd und komplex“
In der Pressemitteilung werden die wesentlichen Arbeiten in diesen sechs Jahren überblicksmäßig zusammengefasst. Neben der Fahrbahn und den Gehwegen einschließlich der Niederschlagsentwässerung seien auch alle anderen Leitungen - Gas, Strom, Telekom, Schmutzwasser und Trinkwasser - weitestgehend erneuert oder saniert worden. Die Einmündung Bernrieder Straße, Lindemannstraße und Hauptstraße sei zu einem Kreisverkehr umgestaltet worden.
Fahrradschutzstreifen seien angelegt worden, ausgenommen die Strecke zwischen Bahnhofstraße und Ringseisweg, da die Fahrbahnbreite hier 6,5 Meter betrage. Beidseitig seien die Gehwege mit einer Gesamtlänge von über 4000 Metern, die Parkplätze und die Randbereiche erneuert sowie der zur Verfügung stehende Platz neu aufgeteilt worden. 14 Bäume seien gepflanzt, mehrere Staudenbeete angelegt und eine Vielzahl von Sitzgelegenheiten geschaffen worden, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Die Gemeinde habe über 100 Neuanbohrungen durchgeführt.
Die drei Projektpartner Gemeinde Tutzing, Abwasserverband Starnberger See und das Staatliche Bauamt Weilheim sowie das Ingenieurbüro Neudert, das die Bauoberleitung hatte, bedanken sich herzlich bei allen Bürgerinnen und Bürgern und den Gewerbetreibenden für ihr entgegengebrachtes Verständnis und ihre Geduld. „Die Erneuerung der Ortsdurchfahrt Tutzing war in vielfacher Hinsicht herausfordernd und komplex“, erklären sie.
Die Koordination von Bauablauf und Verkehrsführung habe die Projektpartner, die beauftragten Ingenieurbüros und die Baufirmen in jedem der drei Bauabschnitte vor besondere Herausforderungen gestellt, so das Staatliche Bauamt: „Die Gewährleistung der Verkehrssicherheit sowie der Sicherheit der Bauarbeiter hatten bei der Planung oberste Priorität. Gleichzeitig sollten die Einschränkungen für die Gewerbetreibenden so gering wie möglich sein.“ Während der baulichen Ausführung habe es „die erwartbaren Einschränkungen für die Bevölkerung und Gewerbetreibenden“ gegeben, die auch zu Beschwerden geführt hätten.
Man habe Kanäle in bis zu fünf Metern Tiefe erneuern müssen. Unvorhersehbare Probleme, die im Untergrund häufig auftreten, habe man kurzfristig lösen müssen. Diese Gemengelage habe auch regelmäßig Anpassungen im Bauablauf sowie bei der Verkehrsführung erfordert und teilweise zu Bauzeitverlängerungen geführt. Aber selbst während der Pandemie habe man unter erschwerten Bedingungen weiterbauen können.
Nach Möglichkeit sei nachjustiert worden, so Silke Schweigler, Abteilungsleiterin Straßenbau Nord beim Staatlichen Bauamt Weilheim. Aber manche Belastungen seien auch alternativlos gewesen, um die Bauarbeiten durchführen zu können.
Moderne Sedimentationsanlagen reduzieren Schadstoffeintrag in den Starnberger See.
Der Tutzinger Bürgermeister Ludwig Horn äußert sich erfreut über das Interesse aus der Bürgerschaft, das sich bei den vom Rathaus organisierten Baustellenführungen zeigte. Bei diesen Gelegenheiten sei auch klar geworden, „wo es aus Bürgersicht hakte und dass der Geduldsfaden bei einigen Betroffenen phasenweise einem Belastungstest unterzogen wurde“.
Die Langfristigkeit der realisierten Maßnahmen und den Gewässerschutz stellt die Geschäftsleiterin des Abwasserverbands Starnberger See, Dr.-Ing. Stephanie Rapp-Fiegle, in den Vordergrund. Ein entscheidender Teil des Projekts habe im Untergrund stattgefunden. Der Abwasserverband hat nach den Angaben in der Pressemitteilung 1950 Meter sogenannte „GFK Schlauchliner“ eingebaut, eine grabenlose Sanierungsart für die Kanalisation. Weiter seien 1780 Meter Niederschlagswasserkanal in offener Bauweise erneuert worden. „Die Investitionen in die Kanalisation sichern die Standsicherheit, Betriebssicherheit und Dichtheit nachhaltig“, betont die Verbandschefin. Dies sei ein essenzieller Beitrag zum regionalen Umweltschutz. Der Niederschlagswasserkanal sei größtenteils erneuert und seine Leistungsfähigkeit zukunftssicher angepasst worden, und der Schmutzwasserkanal sei vollständig und ressourcenschonend grabenlos saniert worden. Der Einbau moderner Sedimentationsanlagen für die Straßenentwässerung reduziere künftig effektiv den Eintrag von Schadstoffen in den Starnberger See.
Kosten über 20 Millionen Euro
Während des Bauabschnitts Mitte ist die Gelegenheit nach Angaben des Staatlichen Bauamts genutzt worden, um mehrere Teilstrecken gleich mit instand zu setzen: 1000 Meter in der Lindemannstraße im Süd-Westen und Richtung Garatshausen im Norden ein Teilstück von 400 Meter Länge.
Die Länge der neuen Fahrbahn wird mit 2,8 Kilometern angegeben, davon 2130 Meter Hauptstraße, 230 Meter Lindemannstraße wegen der Zuführung zum neuen Kreisverkehr und 280 Meter Bernrieder Straße.
Die drei bestehenden Ampelanlagen in der Hauptstraße seien neu geplant und baulich vollständig erneuert worden. Die drei Bachquerungen Martelsgraben, Bareislgraben und Wolfsgrubengraben seien begutachtet und je nach Zustand saniert worden.
Die Kosten nennt das Staatliche Bauamt mit 20,3 Millionen Euro, davon 10,8 Millionen für Straßen-, Gehweg- und Brückenbau, 3 Millionen für den Neubau der Trinkwasserleitung und 6,5 Millionen für die Sanierung der Kanalisation.
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