Von Martin Laußer

Party im Wald

Staudagraben wird zur Müllkippe

Ein satirischer Beitrag zu den wiederholt auftretenden Vermüllungen unserer Natur und Zerstörungen fremden Eigentums rund um Tutzing in Anlehnung an „Knaurs Tierleben – Im Wald“, herausgegeben von Heinz Sielmann

Der, die das Wald-Schwein (Mehrz.: Die Wald-Schweine)

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1 Träger Bier als Grundlage für enthemmtes Feiern im Freien © ML

Der, die das Wald-Schwein ist vornehmlich nachtaktiv und tritt meist in kleinen Rotten auf. Er, sie, es hat laut Überlieferung einen oftmals laut hörbaren, aber etwas schrägen Humor, der meist für Außenstehende kaum verständlich ist. Während Wald-Schweine selten in größeren Zusammenhängen zu denken imstande sind, agiert der, die, das Wald-Schwein dafür ausdruckstark in Form von häßlichen Hinterlassenschaften. Wenn auch noch nicht ausreichend untersucht, wird vermutet, dass es bei dieser Spezies zwischen den Ohren immer wieder zu Kurzschlüssen kommt, die die eigene Denk- und Handlungsfähigkeit einschränken. Im aktuellen Fall vermutlich hervorgerufen durch die Kombination aus Alkohol und Gras (siehe Fundstücke).

Den hinterlassenen Trittsiegeln und Spuren zu urteilen, müssten die Zweibeiner noch relativ jung gewesen sein. Einer war sogar des Schreibens mächtig: auf einem Brett stand mit schwarzem Marker notiert dick dessen (?) Name „Peer“. Das hat wohl nicht allen Rottenmitgliedern gefallen, weil die Sitzgelegenheit danach ziemlich demoliert hinterlassen wurde.

Den Wald-Schweinen scheint es gut zu gehen. In anderen Zeiten und anderen Gegenden wären diese niemals auf die Idee gekommen, Leergut in dieser Größenordnung statt in den Getränkemarkt zurück lieber in den Staudagraben zu entsorgen.

Gut! Nicht überall gibt es Gräben dieses Namens. Und hier gibt es ausreichend Menschen, die nur natürliche Hinterlassenschaften im Wald gut finden und deswegen auch aufräumen. Wald-Schweine wurden dabei nicht gesichtet.

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Comments

Wenn Menschen andere Menschen mal mehr und mal weniger elegant als Schwein titulieren (im weitesten Sinne; Drecksau, Wildschwein, Waldschwein, uvm.), bringt das meiner Erfahrung nach das zugrunde liegende Problem einer Lösung keinen Schritt näher. Das verhärtet nur die Fronten.

Generell sind diese Mensch-Schwein-Vergleiche - meist nach menschlichem Fehlverhalten - in aller Regel auch sachlich falsch und für echte, wild lebende Schweine eine pauschale, beleidigende Herabwürdigung der gesamten Spezies.
Letztere sind durchaus reinlicher und sehr viel intelligenter als ihr Image.
(Bearbeitet)
Lieber Herr Kerbs,

das direkte Gespräch ist mir das Liebste von allen. Leider hatte ich beim vorletzten Mal an selber Stelle nur mehrere Jugendliche/ junge Erwachsene gesehen, die sofort "Fersengeld" gegeben hatten, als sie mich kommen sahen. Ein Gespräch ist da leider nicht möglich gewesen. Und ich wage zu bezweifeln, dass diejenigen aufgrund der Dunkelheit den zuständigen Förster in mir erkannt hatten. Es war schlicht und ergreifend das Ertapptwerden. Den damals hinterlassenen Müll habe ich ohne großes Aufhebens entsorgt. Aber das soll ja nun nicht auf ewig so weitergehen.
Für den Fall, dass Sie schon von Berufs wegen leichter Kontakt haben, dürfen Sie gerne vermittelnd auftreten. Ich bin sofort dabei.
Und was den Aufenthalt im Wald angeht: Mir sind alle Recht, die sich zu benehmen wissen. Aber das haben Sie ja wunderbar formuliert bzw. zitiert. Da will ich nur in Abwandlung an eine Redewendung hinzufügen: was Hänschen nicht lernt, kann Hans sich selbst aneignen.

Beste Grüße

P.S. Mit der Partei meinten Sie vermutlich VOLT? Die haben in Ihren Reihen ein Durchschnittsalter von 34 Jahren und sind programmatisch deutlich weiter als manch etabliert Partei. Auch die, welche sich die Farbe grün zu eigen gemacht hat. ;-D
Über die Wald-Schweine und ihr Biotop gibt es weitere Erkenntnisse, Herr Laußer, die Sie uns in ihrer Skizze leider vorenthalten haben. Erkenntnisse, die das Verhalten der Jungtiere erklären können. Ich reiche diese Informationen hier in Form einer ergänzenden, ebenfalls satirisch gehaltenen Betrachtung nach:

Sie werden wissen, Herr Laußer, dass man die adulten Exemplare dieser Spezies als Riesen-Welt-Schweine bezeichnet, weil sie sich skrupellos aller irreversiblen Ressourcen bedienen, diesen Raubzug völlig uneinsichtig als ihr gutes Recht ansehen und den Planeten im Rahmen einer schon Jahrzehnte währenden großen Sause nach allen Regeln der Kunst plündern und verheizen. Als gäbe es kein Morgen. Dabei scheren sich die Riesen-Welt-Schweine keinen Deut um die originären Bedürfnisse ihrer Brut, auch nicht in der Stunde der Not. Denn als vor kurzem eine böse Wald-Schweine-Pest zur ernsten Bedrohung wurde, forderte man von den Jungtieren, die durch die Infektion kaum beeinträchtigt waren, reichlich Verzicht und unbedingte Solidarität. Kaum waren die Riesen-Welt-Schweine der unmittelbaren Gefahr durch ausgelegte Impf-Köder entronnen, wurde die Seuche im Vorfeld einer wichtigen Leittier-Rangelei aus polit-schweinestrategischen Gründen als beendet erklärt. Das mündete direkt in die nächste Pest-Welle, von der diesmal in erster Linie die Jungtiere betroffen sein werden.

Nicht nur Tier-Pädagogen wissen, dass das Verhalten der adulten Exemplare das Verhalten der Filialgeneration definiert. Oder um einen bekannten Homo sapiens zu zitieren: "Man könnt erzogene Kinder gebären, wenn die Eltern erzogen wären."

Satire Ende. Warum lassen sich junge Menschen im Wald vollaufen und hinterlassen dort Flaschen und Unrat? Nun, das findet deshalb im Wald statt, weil in einem 10.000-Einwohner-Ort, der in der wohlhabendsten Region Deutschlands voller Millionäre und Milliardäre liegt, der Jugend kein Anlaufpunkt, geschweige denn ein Jugendzentrum zur Verfügung steht. Sie saufen deshalb, weil sie den Suchtmittelmissbrauch ebenso wie den gedankenlosen Umgang mit der Natur von der Generation ihrer Eltern und Großeltern abgeschaut haben. Nachahmung, dadurch lernt der Mensch. Außerdem haben Kinder und Jugendliche gerade in der Corona-Pandemie ziemlich wenig zu lachen, wie wir schon lange wissen und jetzt auch in Form wissenschaftlicher Untersuchungen vorgelegt bekommen.

Ich möchte hier noch kurz aus der SZ vom 08.09.2021 zitieren. Gerhard Matzig kommentiert in dem Artikel die Schlussfolgerungen einer Studie des Instituts für Generationenforschung, die sich mit den Auswirkungen der Corona-Krise auf die seit 2010 Geborenen befasst. Befunde sind unter anderen diese:

- "... vier von zehn Kindern ... [zeigen] 'Auffälligkeiten', also vor allem Defizite 'im sprachlichen Bereich'."
- "... jedes dritte Kind [ist] kaum befähigt zu sozialer Interaktion, während auf dem Terrain der körperlichen Bewegung etliche Kinder weder grob- noch feinmotorisch altersgemäß entwickelt sind."
- "... mehr als die Hälfte der vier- bis fünfjährigen Kinder [sind] unfähig zum 'Spielen' und somit zu jenen Erkenntnissen daraus, die für das große Spiel namens Leben vorbereiten würden."
- "Sehr, sehr viele Kinder im Bildungs-Hotspot Deutschland haben also irritierend große Mühe, das Lesen, Schreiben und Rechnen zu erlernen, sich auszudrücken, zu spielen, Sport zu treiben. Zu schwimmen. Fahrrad zu fahren. Unsere Kinder scheitern am Dasein als Kind. Im Stich gelassen. Als würden wir sie hassen statt lieben."
- "Deutschland ist, das zeigt die aktuelle Studie, eine Supermacht, wenn es darum geht, Kindern zur Hölle zu werden."

Ist es vor dem Hintergrund wirklich angemessen, eine Satire zu Lasten junger Menschen zu schreiben? Selbst wenn wir hier auf der Insel der Glückseligen leben und das beschriebene Elend überwiegend woanders stattfindet. Besser wäre es, Sie würden das Gespräch mit den jungen Menschen suchen und damit konstruktiv an einer Lösung arbeiten. Und wählen Sie bitte. Wählen Sie am besten eine Partei, die verstanden hat, dass junge Menschen jetzt an die allererste Stelle politischen Handelns gesetzt werden müssen.
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