Bei der letzten Gemeinderatssitzung vor Weihnachten am Dienstag stand die Sanierung der Mittelschule auf der Tagesordnung. Positive Mitteilungen, die zu vorweihnachtlicher Freude Anlass hätten geben können, waren dabei nicht zu hören. Mit ihren Ausführungen zeichneten die Fachleute eher ein Bild von Fehlern, Versäumnissen und Unterlassungen.
Eine Vertreterin des mit der Baubetreuung beauftragten Unternehmens Bayerngrund warf per Beamer eine Übersicht mit den Namen von Firmen und mit Rechnungsbeträgen an die Wand. Dass in all diesen Fällen keineswegs alles klar ist, war leicht zu erkennen: Hinter den jeweiligen Aufstellungen standen Bemerkungen wie „abgelehnt“, „verhandelt“ oder „ungeprüft“.
Bayerngrund fungiert bei der Sanierung als "externes Bauamt". Die Mitarbeiterin dieses Unternehmens nahm zu etlichen der Probleme detailliert Stellung. Sie berichtete über finanzielle Forderungen, die „noch in der Schwebe“ seien, über noch laufende Verhandlungen, über Bemühungen um Kompromisse und in einem Fall über einen abgelehnten Nachtrag („Wir sind der Meinung, dass es ihm nicht zusteht“). In einem anderen Fall kündigte sie an: „Wir müssen uns wahrscheinlich vom Bodenleger trennen.“
„Es gab sehr viele Rechnungen, die uns zum Teil nicht vorlagen“
Verwunderung klang auch durch, als es um die Bezahlung bereits geleisteter Arbeit ging. „Es gab sehr viele Rechnungen , die uns zum Teil nicht vorlagen“, sagte die Vertreterin von Bayerngrund. Die betreffenden Rechnungen seien inzwischen von der mittlerweile mit der Bauüberwachung beauftragten Firma Kling-Consult und den Fachplanern geprüft worden. Bei einigen seien die Zahlungsziele längst überschritten gewesen. „Die Beträge sind jetzt überwiesen worden“, teilte die Bayerngrund-Mitarbeiterin mit. "Das heißt: Der Anreiz für die Firmen zu arbeiten ist wieder da“, fügte sie hinzu.
In einigen Fällen scheinen die Verantwortlichen zuversichtlich zu sein, dass einigermaßen schnell Lösungen gefunden werden können. So sagte ein Vertreter von Kling-Consult zu Verhandlungen mit einem Unternehmen: „Wir sind guter Dinge, dass wir es diese Woche noch klären können.“
"Rückstand bei den Ausschreibungen und Planungen“
Weniger klar scheint zu sein scheint, wie lange sich andere Arbeitsteile und die komplette Sanierung noch hinziehen werden. Bestimmte Gewerke sind überhaupt noch nicht ausgeschrieben worden, wie die Vertreterin von Bayerngrund, selbst offenbar erstaunt, berichtete. „Es gibt einen Rückstand bei den Ausschreibungen und Planungen“, fügte sie nochmals hinzu, als gelte es dies zu verdeutlichen.
Caroline Krug (ÖDP) erkundigte sich, wie lange die Arbeit mit den noch ausstehenden Ausschreibungen und Planungen dauern werde. Dies sei schließlich wichtig für die Fertigstellung der Schule. „Jeder Monat kostet uns 60 000 Euro“, fügte sie in Hinblick auf die Kosten durch Auslagerung des Unterrichts auf die Bundeswehrkaserne hinzu. Sie wollte auch wissen, wie lange die Nutzung der Kaserne für diesen Zweck noch möglich sei, denn die Bundeswehr plant an dem betreffenden Standort angeblich im nächsten Jahr einen Umbau. Bürgermeister Ludwig Horn gab sich in dieser Hinsicht aber gelassen: Das Liegenschaftsamt der Gemeinde sei „in guten Gesprächen", um auch eine längere Unterbringung der Kinder gewährleisten zu können.
Zur Frage nach der Dauer der Ausschreibungen verwies der Vertreter von Kling-Consult auf Unterschiede im Vergabeverfahren, Schwellenwerte je nach Auftragsgröße und die Möglichkeit von Vereinfachungen und Beschleunigungen, etwa mit beschränkten Ausschreibungen. Die Frage nach der Dauer der Verfahren beantwortete er nicht konkret.
Frage nach der Verantwortung von Bayerngrund
Fragen und Anmerkungen von anderen Gemeinderatsmitgliedern gab es trotz der angesprochenen kritischen Punkte nicht. Bürgermeister Horn sprach von „Herausforderungen und Unwägbarkeiten“. Er gab sich aber zuversichtlich, dass auf der Baustelle nun „eine gewisse Dynamik“ entstehen werde. Neben Kling-Consult wird auch ein neuer Architekt hinzugezogen. Wie es mit dem bisherigen Architekten aussieht, scheint noch nicht endgültig klar zu sein.
Schon vor der Gemeinderatssitzung war in der Bürgerfragerunde Bayerngrund angesprochen worden. Willi Neuner, der ÖDP-Vorsitzende von Tutzing, bezog sich auf Angaben in einer früheren Sitzung über Probleme von Bayerngrund mit dem Personal und damals geäußerte Hoffnungen auf Besserung in der Projektbearbeitung. Angesichts dennoch gestiegener Kosten erkundigte er sich: „Inwieweit können wir Bayerngrund in Regress nehmen, damit sie die Kosten tragen, die sie selbst verursacht haben, und nicht wir Bürger? Und was lernen wir für die nächsten Bauvorhaben daraus, damit es nicht wieder aus dem Ruder läuft?“
Schwierige Fragen für Bürgermeister Horn. Er verwies in seiner Erwiderung darauf, dass es sich bei der Schulsanierung um ein Projekt mit verschiedenen Partnern handele und dass es verschiedene Quellen von Hindernissen gebe, die nicht immer nachvollziehbar seien. Rechtlich müsse gesichert sein, welche Anteile mit den einzelnen Partnern vereinbart worden seien. „Alles Weitere bis zur Fertigstellung der Schule müssen wir mit der Zeit klären“, sagte der Bürgermeister.
Zur Frage nach Konsequenzen für künftige Projekte meinte Horn dennoch, mit der bei der Mittelschule gewählten Vorgehensweise sei die Gemeinde Tutzing „generell nicht schlecht“ gefahren. „Man kann sich auch andere Formen anschauen“, sagte er und fügte hinzu: „Man wird es erst nach Abschluss des Projekts wirklich sehen.“
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Kommentare
Gab es seitens der Gemeinde keine begleitenden Kontrollorgane?
Die Bayerngrund wird natürlich relativ schadlos aus der Misere herauskommen, sie ist ja gut abgesichert.
Und auf die Gemeinde werden wieder lange Rechtsstreitigkeiten zukommen!
Beispiel Mehrzweckhalle usw.
Aber wie der Bürgermeister schon sagte:
Mann wird es erst nach Abschluss des Projektes wirklich sehen."
Als Bürger kann man nicht genug entsetzt und besorgt sein!
Das Projekt: Sanierung der Grund- und Mittelschule Tutzing wurde an die Wand gefahren!
Der Traum vom „schlüsselfertigen“ risikolosen, kostengünstigen Bauen, mittels eines externen Dienstleisters, der nicht überwacht werden muss, ist geplatzt.
Die Konsequenzen werden die Tutzinger Bürger tragen müssen!
Ob nun die Kustermann Villa verloren geht, wie es anscheinend viele im Gemeinderat schon akzeptiert haben, oder wie die Grünen überlegen, die Grundsteuer angehoben werden soll, teuer wird es auf jeden Fall.
Ob die Bundeswehr, im Zeichen der Zeitenwende, unsere Schüler noch länger als vereinbart in ihren Gebäuden lässt, ist bei Weiten nicht sicher.
Dass sich niemand mehr aufregt, liegt wohl an der Vorweihnachtszeit,
der Weihnachtsfrieden soll gewahrt werden.
Eigentlich gut so, im neuen Jahr stehen Wahlen an.
Und wem es doch sauer aufstößt, ein Tipp:
Er besuche einen der Glühweinstände oder ähnliches.
Denn wie sagte schon Wilhelm Busch:
„Wer Sorgen hat, hat auch Likör.
Doch wer zufrieden und vergnügt,
sieht zu, dass er auch welche kriegt.“
„Ois wia imma.“
„Klar is, dass nix klar is.“
„Gsagt is scho ois, bloß ned vo jedn.“
„Intressiert des überhaupt jemandn aus da Gmoa?.“
„Wo san unsre Schlaumeier?.“
„Servus.“