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Kleiner Tutzinger Abitur-Jahrgang

65 junge Leute aus dem Gymnasium und einige Externe haben die Reifezeugnisse erhalten

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"Wie in einer Familie": Oberstudiendirektor Andreas Thalmaier bei der Zeugnisübergabe an Abiturientinnen © L.G.

Recht klein war heuer der Tutzinger Abitur-Jahrgang. 65 junge Leute, die das hiesige Gymnasium besucht haben, erhielten ihre Reifezeugnisse, außerdem einige externe Kandidaten. Im vorigen Jahr waren es deutlich mehr Prüflinge gewesen, auch im nächsten Jahr wird wieder eine höhere Zahl erwartet. Insgesamt besuchen etwa 800 Schülerinnen und Schüler das Tutzinger Gymnasium, in dem rund 75 Lehrerinnen und Lehrer unterrichten.

An ihre acht Jahre Gymnasium würden sich die jungen Leute hoffentlich gern erinnern, sagte Oberstudiendirektor Andreas Thalmaier, „vielleicht auch an den einen oder anderen Tick, den ein Lehrer hatte.“ Er bezeichnete die Schule als eine immer sehr behütete Umgebung, als eine enge Gemeinschaft, in der man sich kennt, umeinander kümmert, natürlich auch mal streitet. Das sei wie in einer Familie: „Man hat sich furchtbar lieb, trotzdem knallt’s zwischendurch.“ Vielleicht hätten manche die Schule auch mal als „Gefängnis“ empfunden. „Vielleicht wart ihr aber auch froh, dass jemand auf euch aufgepasst hat“, fügte er hinzu. Der Schutz falle jedenfalls am Tag der Zeugnisverleihung weg. Im Gegenzug gebe es zwei wichtige Geschenke: das Zeugnis und Freiheit.

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Sie freuten sich mit den jungen Leuten: (von links) Landrat Stefan Frey, Bürgermeisterin Marlene Greinwald, die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende Fanny Tippelt und Oberstudiendirektor Andreas Thalmaier © L.G.
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Schauspiele auf dem Weg über den roten Teppich

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Den Weg über den roten Teppich zur Zeugnisverleihung genossen die Abiturientinnen und Abiturienten sichtlich. Manche schritten, andere tanzten, sprangen und hüpften, und alle wurden von den Umstehenden begeistert gefeiert. © L.G.

Dem Oberstudiendirektor des Tutzinger Gymnasiums bot sich jedes Mal ein anderes Schauspiel, als zwei oder drei der jungen Leute über einen roten Teppich tanzten, hüpften oder sprangen, diesen besonderen Weg zum Empfang ihrer Abiturzeugnisse sichtlich genießend, untermalt von lautstark durch die Halle dröhnenden Klängen, die sie sich selbst ausgesucht hatten. Schon diese Auswahl kennzeichnete deutliche Unterschiede: „I will survive“, „Don’t stop me now“, „Ein Lied geht um die Welt“, „Narcotic“ - die musikalischen Epochen wechselten schnell. Vorn wartete Direktor Thalmeier schmunzelnd auf die „lieben Abiturientinnen und Abiturienten“, die er anfangs mit einem Gender-Hinweis begrüßt hatte: „Ich hoffe, ich verhasple mich nicht, wenn ich das sage, nicht so oft.“ Aber es ging alles glatt.

Auch Landrat Stefan Frey war wieder nach Tutzing gekommen. Er ist nicht bei jeder Abiturfeier im Landkreis Starnberg dabei, aber das Tutzinger Gymnasium ist das einzige in Trägerschaft des Landkreises, seit die Gemeinde diese Schule auf ihn übertragen hat. „Bleibt zuversichtlich - euch gehört die Welt, die Welt liegt euch jetzt zu Füßen“, rief Frey den jungen Leuten zu. Die stellvertrende Elternbeiratsvorsitzende Fanny Tippelt formulierte den Gedanken der nun gewonnenen Freiheit ähnlich: „Die Welt gehört mir, ich kann machen, was ich will.“ Was für ein Privileg das sei, das sei ihr selbst erst viel später bewusst geworden. Mit der Möglichkeit zu eigenen Entscheidungen gehöre man global gesehen zu einer Minderheit, der freiheitlich demokratische Rechtsstaat sei nicht in Stein gemeißelt."

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Die Welt liegt ihnen zu Füßen, und beim Fototermin wandten sich die Blicke nach oben © Andreas Binder

Die Qual der Freiheit: Muss ich heute schon wieder tun, wozu ich Lust habe?

So gab es auch immer wieder Mahnungen, mit der Freiheit richtig umzugehen. Irgendwann würden die jungen Menschen aufwachen, prophezeite Thalmaier, und sich die Frage stellen: Muss ich heute schon wieder tun, wozu ich Lust habe? „Dafür braucht ihr zwei Dinge: Fantasie und Mut“, sagte er. Mit Fantasie könne man sein Leben gestalten. Thalmaier zitierte Einstein: Fantasie sei wichtiger als Wissen, denn Wissen sei begrenzt. Und zum Mut: „Traut euch, Luftschlösser zu bauen, die Komfortzone zu verlassen, ins Ungewisse zu springen - ich wünsche euch Menschen in eurer Nähe, die euch inspirieren."

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