Ortsgestaltung
22.10.2026
Von vorOrt.news

Ein Platz, den es früher nicht gab

Der Josefaplatz wird an diesem Freitag eingeweiht - Feierliche Veranstaltung und Segnung um 13 Uhr

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Neugestaltung im Tutzinger Ortszentrum: Der künftige Josefaplatz während der Bauarbeiten

An belebten Plätzen findet vielerorts das gesellschaftliche Leben zusammen. In Tutzing gab es so ein Zentrum bisher nicht. An diesem Freitag erhält ein Platz offiziell seinen neuen Namen, der auf dem besten Weg ist, diese Funktion zu übernehmen: der „Josefaplatz“ an der Einmündung der Marienstraße in die Hauptstraße. Um 13 Uhr wird der Platz eingeweiht und gesegnet.

Zwar wurden immer wieder mal Versuche unternommen, einen Mittelpunkt für Tutzing zu schaffen, etwa zwischen dem Rathaus und der Pfarrkirche St. Joseph auf der Lindlwiese, aber so recht gelungen ist das nie. So etwas wie den Charakter einer zentralen Begegnungsstätte hat im Lauf der Zeit die Einmündung der Marienstraße in die Hauptstraße angenommen. Ein Platz war diese Stelle nicht, aber an der Hauptstraße, die durch den Ort führt, stand halt eine angemessene Fläche nicht zur Verfügung. Die Einmündung der Marienstraße wurde über die Jahre mit einigen Ideen sogar ausgeweitet. Unter anderem wurden an der angrenzenden Leidlstraße Pflöcke aufgestellt, so dass dort hin keine Autos mehr fahren können.

Neues Ambiente für ein kleines Areal, das ausgeweitet wird

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Blick aus dem Neubau am Tag von dessen Richtfest auf den künftigen Josefaplatz © L.G.

So richtig zum Platz wird diese Fläche aber erst jetzt. Den Anstoß gab die Sanierung der Hauptstraße. Diese Arbeiten nahm die Gemeinde zum Anlass, die Einmündung der Marienstraße – so wie auch andere Einmündungen – neu zu gestalten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das eigentlich recht kleine Areal wurde mit ansehnlichen Bodenbelägen und neuen Sitzgelegenheiten so gestaltet, dass tatsächlich ein attraktiver Platzcharakter entstanden ist. Auch die Verlegung des Brunnens trägt zum neuen Ambiente bei.

Dass gegenüber ein großer Neubau mit erheblichen Dimensionen für Diskussionen sorgt, ist ein anderes Thema. Es ist aber gelungen, dass ein Teil dieses Bauwerks nicht mehr, wie der Vorgängerbau, direkt am Gehweg, sondern etwas von diesem abgesetzt stehen wird. Damit wird der Platz, den es früher gar nicht gab, in diesem Bereich noch ein wenig vergrößert werden – und mitten in Tutzing entsteht jener Mittelpunkt, den sich viele gewünscht haben.

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Schwester Josefa war 35 Jahre unermüdlich für die Ambulante Krankenpflege im Einsatz

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Hochgeehrt: Für viele ist Schwester Josefa "der Engel von Tutzing" © Ambulante Krankenpflege e.V.

Über einen Namen für den Platz gab es ausgiebige Diskussionen. Im Zuge einer Bürgerbefragung wurden etliche Vorschläge gemacht, auch an Bezeichnungen wie Stachus oder Marienplatz, die sich in manchen Kreisen eingebürgert hatten, wurde erinnert. Im Gemeinderat fiel schließlich die Entscheidung für den Namen Josefaplatz – nach Schwester Josfa Knab, der hochgeehrten früheren Leiterin der Ambulanten Krankenpflege Tutzing.

Schwester Josefa wird am 18. November 105 Jahre alt. 1952 hat sie die Leitung der Ambulanten Krankenpflege übernommen, die am selben Tag gegründet wurde, an dem sie geboren wurde. Für die Menschen und den Verein war sie 35 Jahre lang unermüdlich im Einsatz. Da die Arbeit in der Ambulanten Krankenpflege in den ersten Jahrzehnten vielen Schwestern zur Vorbereitung für ihren Missionseinsatz in den Ländern der Welt diente, waren solche Tätigkeiten in Tutzing meist kurz. Schwester Josefa Knab gefiel das weltweite Engagement der Missions-Benediktinerinnen zwar. Gern wäre sie zum Beispiel auf den Philippinen tätig gewesen. Doch schon bald, wohl aufgrund ihrer Ausbildung, ging sie in die Ambulante Krankenpflege. Sie war die Erste, die diesen Dienst für eine lange Zeit ausüben sollte.

Der Verein konnte damals nur sehr langsam den Anschluss an die allgemeine medizinische Entwicklung finden. Die ersten sieben Jahre ihres Einsatzes in der weitläufigen Gemeinde Tutzing musste sie die Wege zu den Kranken mit dem Fahrrad unternehmen, weitere fünf Jahre mit einem Moped, bevor ein Tutzinger Bürger eine BMW-Isetta stiftete. Aufgrund weiterer Stiftungen und staatlicher Zuschüsse konnte sie die letzten Jahre ihres Dienstes einen VW-Käfer und einen Golf nutzen.

Schwester Josefa habe „das ideale mitmenschliche Klima geschaffen für die wunderbare Versorgung alter und kranker Menschen, auf die Tutzing so stolz sein darf", so beschrieb sie der frühere Tutzinger Bürgermeister Dr. Alfred Leclaire einmal. Für viele Menschen dieser Gemeinde war und ist sie „der Engel von Tutzing“.

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Eine Institution in Tutzing: Früher mit ihrem Fahrrad und später mit ihrem Käfer war Schwester Josefa bekannt, als sie stets hilfsbereit im Ort unterwegs war © Ambulante Krankenpflege e.V.
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