Heute früh hat der Bauhof der Gemeinde Tutzing den "Karibikbaum" am Tutzinger Seeufer gefällt. In der Gemeinderatssitzung gestern Abend war es noch einmal zu kurzen Diskussionen über diese Entscheidung gekommen, die aber nicht geändert wurde.
In der Bürgerfragerunde vor Beginn der Sitzung brachte der Tutzinger ÖDP-Vorsitzende Willi Neuner das Thema zur Sprache. Er fragte, warum dieses Thema nicht im Umweltausschuss, sondern im Haupt- und Finanzauschuss des Gemeinderats behandelt und entschieden worden sei. Dazu verwies Bürgermeister Ludwig Horn auf die finanziellen Auswirkungen, die Schutzmaßnahmen für den Baum verursacht hätten. Dafür sei der Finanzausschuss zuständig, dies sei auch nach der Geschäftsordnung des Gemeinderats korrekt.
Am Schluss der öffentlichen Sitzung wandte sich Caroline Krug von der ÖDP gegen eine Entfernung des Baums "so schnell im Hauruckverfahren". Sie kritisierte, dass dies nun so schnell geschehen müsse. Unter Hinweis auf das von der Gemeindeverwaltung vorgebrachte Argument, der Baum stelle eine Gefahr dar, weil der Bereich im Sommer intensiv als Liege- und Badefläche genutzt werde, sagte sie: "Da badet kein Mensch momentan." Krug verwies auch auf die Möglichkeit einer Spendenaktion für den Baum, die in einem Kommentar auf vorOrt.news erwähnt worden war.
Unterstützung von anderen Gemeinderatsmitgliedern erhielt Krug mit ihrem Plädoyer für eine Erhaltung des Baums nicht. Unter ökologischen Gesichtspunkten müsse man den Baum nicht erhalten, sagte Dr. Ernst Lindl (CSU). Jedes Jahr würden zudem zahlreiche Bäume neu gepflanzt. Christine Nimbach (fraktionslos) verwies auf zahlreiche andere gefällte Bäume und verband dies mit erkennbaren Zweifeln an den Gründen für solche Maßnahmen. "Wie viele Bäume sind nördlich von Gauting für die Windräder gefällt worden?", fragte sie.
"Ich kenne den Baum mein ganzes Leben", sagte Bürgermeister Horn, der für die Einwände Verständnis zeigte. Unbestritten habe der Baum die Silhouette geprägt. Der Beginn der Gefährdung durch ihn sei aber bei einer Prüfung schon in den Jahren 2020 und 2021 erklärt worden. Damals sei der Baum mit der Note 4 bewertet worden. Im Jahr 2024 sei sogar eine akute Gefahr festgestellt worden, verbunden mit der Note 5 und der Forderung einer sofortigen Maßnahme. "Das war der Ausgangspunkt", sagte Horn. Die Gemeindeverwaltung habe daraufhin mit großem Aufwand verschiedene Varianten untersucht. Letztlich sei aber klar geworden, dass es nur zwei Varianten gegeben habe: Stützen mit Rückschnitt oder den Baum zu fällen.
Bei der Lösung mit Stützen, sagte Horn, wäre der Charakter des Baums nicht erhalten geblieben, er wäre dann "keine Ikone mehr" gewesen. Auch Lindl argumentierte, wenn man zwei Drittel des Baums zurückschneiden würde, dann würden zwei Stümpfe stehen bleiben, die schräg in den See ragen würden. Zu einer geforderten Bürgerbefragung sagte Horn, die Gemeinde könne die Verkehrssicherungspflicht nicht auf die Bürger umlegen. Der Haupt-, Finanz- und Werkausschuss des Gemeinderats habe die Verantwortung übernommen und sich für die "schmerzhafte Option" entschieden, den Baum zu fällen.

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Kommentare
Doch wir alle, oder nicht?
Wir interessieren uns doch sonst auch um jede Wiese, jedes Getier und jeden Baum. Dieser vegetierte nicht versteckt mitten im Wald vor sich hin, sondern für jeden sichtbar über viele Jahre hinweg.
Bereits Anfang der 70er Jahre hätten auch Laien unschwer erkennen können, dass es dem Baum nicht gut ging. Die Stahlstützen, die sich unter der Last bogen...
Seitdem hätten auch wir in all' den Jahren bei der Gemeinde nachfragen können, wie es um diesen besonderen Baum steht.
Wir alle nahmen seine Existenz zu selbstverständlich an. Wahrscheinlich war es 2024 bereits längst zu spät.
Von der Kommunalpolitik sind vermutlich wieder viele Bürger enttäuscht; Es fällt schwer, noch passende Worte zu finden.
danke für Ihre wunderschöne Erinnerung an eine Zeit, als diese Schwarzkiefer noch ganz selbstverständlich dort stand, um unseren Blick zu bereichern.
Sie wird uns fehlen, und die neue Leere kann uns lehren, dass nichts auf dieser Welt ewig ist.
Die Schönheit nicht, der Schmerz aber auch nicht.
Ausserdem hätte man wirklìch eine Bürgerumfrage machen können.
Wenn der Baum noch aus treibt, sollte man ihn noch leben lassen.
Jetzt wird er einfach so ruck zuck auf die Schnelle gefällt.
Diese Art der Entscheidungen hat auch bei mir großen Einfluss auf mein Wahlverhalten.
Die Schönheit der Natur muss oberste Priorität haben.