„Die Konzerte mit Sängern wie Hermann Prey und Jonas Kaufmann gehörten zu den schönsten Tagen meines Lebens“, sagt Dr. Rudolf Fischer. Er selbst wirkte dabei im Tutzinger Kirchenchor St. Joseph mit. Dabei hat er rekordverdächtige Leistungen erbracht: An rund 2800 Chorproben hat er teilgenommen und bei etwa 635 Aufführungen mitgesungen. Eine erstaunlich lange Zeit von 43 Jahren war Rudolf Fischer in Tutzing Bass-Sänger, galt als Vorbild und Instanz bezüglich Stimmsicherheit, musikalischer Kenntnisse und Zuverlässigkeit. Am morgigen Freitag, 24. April, feiert Rudolf Fischer seinen 95. Geburtstag.
Bis zur feierlichen Maiandacht 2016 wirkte er regelmäßig beim Chorsingen mit und lud den Kirchenchor zur Beendigung seiner Tätigkeit an jenem 1. Mai zu einem Fest ein. Die frühere Chorleiterin Helene von Rechenberg rühmte damals den 85-Jährigen, er sei ein Phänomen, in einem solchen Alter noch eine so frische Auffassungsgabe zu haben und die schwierigsten Passagen mühelos vom Blatt zu singen und das dazu noch mit einer gutsitzenden Stimme. Zur Feier der Diamantenen Hochzeit mit seiner Frau Barbara waren die Chormitglieder im August 2016 ein zweites Mal seine Gäste, wieder im Bernrieder Hotel Seeblick, ein Zeichen dafür, wieviel ihm der Austausch mit seinen musikalischen Freunden bedeutet hat. Und diese schätzten seinen Humor und seine warmherzige, mitmenschliche Ausstrahlung.
Drei Jahre später, 2019, als der Kirchenchor St. Joseph ein wichtiges Jubiläum feierte, gab Rudolf Fischer sein Buch „100 Jahre Kirchenchor St. Joseph Tutzing“ heraus, das er aus den langjährigen Aufzeichnungen in seinem Privatarchiv zusammengestellt hatte. Darin schildert er, welche Freude es war, in Konzerten als Chormitglied dabei zu sein, wenn berühmte Sänger wie Pamela Coburn, Jonas Kaufmann, Claes Ahnsjö, Hermann Prey oder Wolfgang Brendel die Solopartien übernahmen. Der Kirchenchor St. Joseph sei aber auch elfmal mit dem Domchor von Salzburg aufgetreten, wobei abwechselnd der Tutzinger Chorleiter Franz Reißner und der Salzburger Domkapellmeister Janós Czifra dirigiert haben.
Geschätzt für seine Musikalität, Stimmsicherheit und Urteilskraft
Dr. Rudolf Fischer wurde nicht nur von allen Chormitgliedern für seine Musikalität, Stimmsicherheit und Urteilskraft geschätzt. Besonders beliebt war er als Stimmgruppenführer, wenn er seine Basskollegen häufig zu Probenabenden in sein Haus einlud, um mit ihnen zu üben. Als ausgezeichneter Klavierspieler studierte er mit den Männern schwierige Gesangspassagen ein. Hans-Peter Bernsdorf schwärmt noch heute davon, wie er musikalisch davon profitierte und dass Rudolfs Frau Barbara dann zum geselligen Teil Rotwein und kleine Leckereien auftischte.
In Garmisch-Partenkirchen, wo er geboren wurde, schloss sich Fischer dem Heinrich-Albert-Chor an, der bald einen guten Ruf bekam und sogar im Bayerischen Rundfunk zu hören war. Ein romantischer Nebeneffekt war, dass er im Chor seine spätere Frau kennenlernte. Seine Begeisterung für die Musik war so prägend, dass er zwei Semester lang am Mozarteum in Salzburg Klavier studierte. Dennoch entschied er sich für ein Bauingenieurstudium, das er mit der Promotion zum Dr.-Ing. abschloss. Später arbeitete er bei der Bayerischen Obersten Baubehörde, wo er in bekannte Bauprojekte involviert war wie das Olympia-Zeltdach, das BMW-Hochhaus „Vierzylinder“ oder den Bau der Skiflugschanze in Oberstdorf.
1956 heirateten Barbara und Rudolf Fischer. 1972 zog das Ehepaar in sein Haus in Tutzing ein, und schon 1973 traten beide in den Kirchenchor St. Joseph ein. 32 Jahre lang wirkte auch Barbara Fischer dort mit, bis sie sich 2005 aus gesundheitlichen Gründen zurückzog. Das Ehepaar sang bei großen Kirchenmusik-Aufführungen mit wie beim Deutschen Requiem von Brahms, beim Mozart-Requiem, der Messe in f-Moll von Anton Bruckner oder der Messe in C-Dur von Beethoven. Später wirkte Rudolf auch beim „Elias“ von Mendelssohn, dem „Messias“ von Händel, dem Requiem von Fauré oder bei der Messe de minuit von Marc-Antoine Charpentier mit.
Am 27. Oktober 2025 ist Rudolf Fischers Ehefrau Barbara nach langer Krankheit gestorben. Trotz dieses Schicksalsschlags habe er sich erstaunlich gut gehalten, sagt seine Tochter Eva Wöllisch: „Er weiß noch unglaublich viel und hat ein gutes Erinnerungsvermögen. Er arbeitet noch am Computer und hat bis vor kurzem noch selbst eingekauft.“ Eva Wöllisch ist zuversichtlich, dass ihr Vater weiterhin wohlauf sein wird. Ganz wichtig sei ihm die Großfamilie: Rudolfs Enkelin, Evas Tochter Luisa, ist als Schauspielerin an den Münchner Kammerspielen engagiert, hat schon im Film gearbeitet und gerade eine zweimonatige Theater-Tournee durch Deutschland absolviert. Ihr Bruder Julian ist Rechtsanwalt in München. Der dritte Enkel Michael, der Sohn von Rudolfs Tochter Angelika, betreibt mit seiner Mutter in Farchant eine Altentagesstätte. Er ist der Vater von Simon und Mariana, den beiden Urenkeln von Rudolf Fischer.
Im Namen des Kirchenchors und weiterer Tutzinger, die den Jubilar schätzen, gratulieren wir sehr herzlich zu diesem besonderen Festtag und wünschen alles Gute.
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