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Ein schönes Leben und zwei Oscars

Kreative Vielfalt prägt die neue Ausstellung von KulturArt am See im Tutzinger Roncallihaus

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Überraschung bei der Vernissage: Gerda Efrat und Prof. Klaus Ehrlenspiel (links) wurden mit dem erstmals verliehenen „KulturArt am See Oscar-Award“ geehrt. Pfarrer Peter Seidel und Koordinatorin Ilse Reiher freuten sich mit ihnen. © KulturArt am See

Die kreative Vielfalt der Tutzinger Künstlergruppe KulturArt wird derzeit im Roncallihaus exemplarisch von einigen ihrer Mitglieder präsentiert. In der Ausstellung, die bis zum 7. Juni zu sehen ist, treten beträchtliche Potenziale zu Tage: die Möglichkeiten der Verbindung künstlerischer Elemente mit brandaktueller Technik ebenso wie die Kräfte der Zuversicht, wenn man dem Blick fürs Schöne und Gute eine Chance gibt, aber auch die Dynamik der künstlerischen Ausdrucksformen im Miteinander von älteren und jüngeren Menschen.

Für zwei der älteren, aber besonders aktiven Mitglieder der Künstlergruppe gab es bei der Vernissage eine Überraschung: Gerda Efrat und Prof. Klaus Ehrlenspiel erhielten den bei dieser Gelegenheit erstmals verliehenen „KulturArt am See Oscar-Award“. Pfarrer Peter Seidel, der Hausherr des Roncallihauses, öffnete feierlich ein Kuvert und verlas die Namen der beiden für ihr besonderes bemerkenswertes Engagement Geehrten („The Oscar goes to Gerda und Klaus“), und deren Freude über die Auszeichnung war groß.

Ilse Reiher, die Koordinatorin von KulturArt am See, verwies in ihrer Rede darauf, dass Mitglieder der vor 18 Jahren gegründeten Künstlergruppe mit der neuen Ausstellung bereits zum sechsten Mal in dem seit 2002 bestehenden „Haus der Begegnung“, dem Roncallihaus, zu Gast sind. Unter anderem gab es 2018 eine Ausstellung zum zehnjährigen Jubiläum.

Im selben Jahr kam Prof. Klaus Ehrlenspiel zum Künstlerstammtisch. „Er hatte in diesem Jahr eine unbewusste Begegnung mit Gabriele Münter in Deixlfurt“, erzählte Ilse Reiher. Die Expressionistin Gabriele Münter (1877-1962), Mitbegründerin der Malergemeinschaft „Der Blaue Reiter“, malte 1908 mit Ölfarben, Klaus Ehrlenspiel 2018 mit Acryl. „Sie müssen sich diese Bilder ansehen, sie hängen im Flur des Roncallihauses“, sagte Ilse Reiher zum Publikum: „So eine Farbähnlichkeit - und das 110 Jahre später!“ Bei Ehrlenspiels Arbeiten, experimentell gestaltet „zwischen Technik und freier künstlerischer Forschung“, stünden Material, Struktur und kreativer Prozess im Mittelpunkt: „Genauso steht er selbst im Mittelpunkt unseres Künstlerstammtisches.“

„Ich habe das Schlechte vergessen, ich sehe nur noch das Gute"

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Fundamentale, fadenförmige Energieobjekte: "Superstrings" von Robert Sainer © KulturArt am See

Zum Träumen regen die wunderschönen Aquarelle von Gerda Efrat an, schwärmte Ilse Reiher: „Fein nuancierte Bilder zwischen Licht, Transparenz und Atmosphäre.“ Mit einem Zitat der Malerin ließ sie deren förmlich zum Optimismus auffordernde Grundhaltung erkennen: „Ich habe das Schlechte vergessen, ich sehe nur noch das Gute - ich habe ein schönes Leben!“

Ein anderer aus dem künstlerischen Kreis in der aktuellen Ausstellung ist Robert Sainer. Der gebürtige Münchner, der in Seeshaupt lebt, verbindet seine künstlerischen Inspirationen auf beeindruckende Weise mit 3D-Animationen und 3D-Modelierungen zu „Contemporary Art“ oder zeitgenössischer Kunst. Sainer geht, wie er es selbst beschreibt, „in Co-Creation mit zum Teil auf AI basierenden aktuellen digitalen Techniken“. „Superstrings“ nennt er eines seiner Werke. Bei dem blauen Kopf, der da zu sehen ist, handelt es sich nach den Erläuterungen „um fundamentale, fadenförmige Energieobjekte (Strings) in der theoretischen Physik, die als Basis aller Teilchen und Kräfte gelten“. Alternativ würden sie auch als kosmische Fäden bezeichnet – „die Suche nach der Theorie, die alles erklärt“.

„Außergewöhnliche Porträts“ steuert Alexander Kowarzyk zur Ausstellung bei. „Mit höchster Präzision entstehen Porträts“, sagte Ilse Reiher unter Hinweis auf “wunderbare Kuhbilder, gemalt mit wasserlöslichen Druckfarben und mit einer eigenen Kratztechnik versehen“. Zu sehen sind sie im Blauen Zimmer im ersten Stock des Roncallihauses. Inspirationen zu den Motiven belegt ein Foto von Pablo Picasso mit Nageldesign. Auch ein Zitat von Picasso hatte Ilse Reiher parat: „Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele.“

Bilder von Christiane Rausch ergänzen die Ausstellung: Drei bemalte Paddel hängen im Gang – „passend zur Fischerhochzeit“, sagte Ilse Reiher.

Außer den Oscars gab es bei der Vernissage noch eine weitere Überraschung, besonders für Klaus Ehrlenspiel: Sein Enkel Simon spielte zwei Lieder am Flügel – eine weitere Abrundung der in Tutzing demonstrierten künstlerischen Vielfalt, und das über Generationen hinweg.

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