Kultur
28.3.2026
Von Angela Schubert

Energie, Spielfreude und große Bühnenpräsenz

Lang anhaltender Applaus für Kafkas "Process" im Tutzinger Kulturtheater

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Große Präsenz auf der Bühne: (von links) Katharina Schaberger, Jan Björn Potthast und Jessica Bondy

So viel Herzblut, so viel Hingabe: Was Ali Akbaba und das Ensemble der Theatergruppe Tragaudion in den Proben erarbeitet haben, entfaltete sich in drei Aufführungen im Tutzinger Kulturtheater mit Energie, Spielfreude und großer Präsenz auf der Bühne. Vom ersten Moment an zog die Inszenierung des Romanklassikers von Franz Kafka das Publikum in ihren Bann und ließ kaum Zweifel daran, dass sich dieser Einsatz gelohnt hat.

Die Neuinterpretation von Kafkas Hauptwerk für die Bühne desTG Kulturtheaters erwies sich am vergangenen Samstag als eindrucksvolles Ereignis, das dem Stück eine ebenso zeitgemäße wie beklemmende Aktualität verlieh. Vor fast ausverkauftem Haus und einem sichtlich erwartungsvollen Publikum entfaltete sich ein Abend, der die Grenzen zwischen klassischem Stoff und moderner Inszenierung kunstvoll verschwimmen ließ.

Bereits die reduzierte, fast sterile Bühnenästhetik setzte den Ton und spiegelte die innere Zerrissenheit der Hauptfigur wider. Ali Akbaba verzichtete bewusst auf konkrete Verortung und ließ so Raum für Interpretation – „Der Process“ wurde zum universellen Zustand, zur Metapher für Ohnmacht in einem undurchdringlichen System. Der Kern des Originals blieb stets spürbar: das Gefühl der Ausgeliefertheit gegenüber einer anonymen, ungreifbaren Macht.

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Reduzierte, fast sterile Bühnenästhetik: Auf dem Bild links (von links) Asa Agren, Jan Björn Potthast, Katharina Schaberger, Smaranda Dancu, hinten Karin Moser und Jessica Bondy. Rechtes Bild: Das Ensemble beim Schlussapplaus mit Holger Jerzembek (links), der die musikalisch-dramaturgischen Akzente setzte
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Kafkas Themen wirken in einer Welt zunehmender Komplexität und Unsicherheit aktueller denn je

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Präzises Spiel zwischen Groteske und Bedrohung: (von links) Smaranda Dancu, Jan Björn Potthast und Asa Agren

Besonders hervorzuheben ist die darstellerische Leistung des Ensembles. Jan Björn Potthast verkörperte die Figur des Josef K. mit einer Intensität, die das Publikum unmittelbar in seinen Strudel aus Verwirrung, Trotz und schleichender Resignation hineinzog. Auch die anderen Darsteller überzeugten durch präzises Spiel, das zwischen Groteske und Bedrohung balancierte – ganz im Sinne Kafkas.

Diese Aufführung von „Der Process“ hat eindrucksvoll gezeigt, dass Kafkas Themen nichts von ihrer Relevanz verloren haben – im Gegenteil: In einer Welt zunehmender Komplexität und Unsicherheit wirken sie aktueller denn je.

Das Publikum des Kulturtheaters reagierte mit lang anhaltendem Applaus und sichtlicher Begeisterung. Ali Akbaba und dem Ensemble ist es gelungen, ein literarisches Meisterwerk für die Gegenwart neu zu denken.

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Regisseur Ali Akbaba, sichtlich zufrieden mit der Premierenvorstellung des Stücks, im Gespräch mit einem Gast.(linkes Bild) und das Publikum im Gespräch mit den Schauspielern nach der Vorstellung © Fotos: Angela Schubert
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