Kultur
26.10.2025
Von Ferdinand Goslich

Zwei Chöre singen zusammen

Heute treten die Chorgemeinschaft Pöcking und der Ars Musica Chor Ottobrunn gemeinsam zum Finale der Brahmstage auf

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Hölderlins „selige Genien“

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Johannes Brahms in der Zeit, als er „Ein deutsches Requiem“ komponierte (1861-1868). © Foto: Goslich

Eine der Besonderheiten der diesjährigen Tutzinger Brahmstage ist das abschließende Chorkonzert am heutigen Sonntag, 26. Oktober, um 19.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Joseph.

Dabei treten zwei Chöre auf: die Chorgemeinschaft¬ Pöcking und der Ars Musica Chor Ottobrunn. Der Dirigent ist Professor Norbert Groh, der an der Musikhochschule München Studierende in den Bereichen Oratorium, Klavier, Partiturspiel und Generalbass unterrichtet. Den instrumentalen Teil übernimmt das Kammerorchester „Stringendo“, das von der Konzertmeisterin Esther Schöpf geleitet wird. In den Solopartien zu hören sind Virginia Ferentschik (Sopran), Astrid Lychou (Alt), Moon Yung Oh (Tenor) und Korbinian Schlag (Bass).

Diese beiden Chöre aus Pöcking und Ottobrunn waren bereits im Jahr 2017 bei den Brahmstagen vertreten. Damals haben sie zusammen mit dem Tutzinger Kirchenchor das „Deutsche Requiem“ von Johannes Brahms aufgeführt. Dirigiert hatte Helene von Rechenberg, die damalige Kirchenmusikerin der Pfarrei St. Joseph.

Auf dem Programm des Chorkonzerts 2025 stehen das „Schicksalslied“ von Johannes Brahms (1833-1897) und „Stabat Mater“ von Antonín Dvořák (1841-1904), eines der beliebtesten Oratorien, das häufig aufgeführt wird. Im Alter von 30 Jahren veröffentlichte Brahms seine Vertonung von Friedrich Hölderlins Gedicht „Hyperions Schicksalslied“.

Autor und Komponist schildern den Zuhörern einen geradezu frappierenden Kontrast: hier die wohlige Ruhe und die Heiterkeit einer Götterwelt („selige Genien“), auf der anderen Seite das irdische Dasein, das ruhelose Umhergetriebensein der Menschheit („von Klippe zu Klippe geworfen“). Entsprechend stellt Brahms einer elysischen Stimmung eine bedrohlich, rhythmisch getriebene Musik gegenüber.

Verheißung aufs Paradies

Um die Unruhe des Menschen und die Angst vorm Sterben geht es auch in der geistlichen Kantate „Stabat Mater“. Seelisch völlig niedergeschlagen nach dem Tod seiner drei Kinder schrieb Antonín Dvořák 1877 das Werk, das die Seelenqualen der Mutter Gottes am Kreuz ihres sterbenden Sohnes Jesus schildert. In ähnlicher Lage befand er sich nun selber. Dvořák gliederte es in zehn Teile. Am Anfang beschreibt er den Schmerz Mariens, woraufhin der Wunsch des Betrachters folgt, mit ihr zu trauern. Auch das Ende des Lebens wird angesprochen mit „Quando corpus morietur“ (wenn der Mensch stirbt), was trotzdem nicht das Ende bedeuten soll. Entsprechend mündet die Kantate in einer pompösen, prachtvoll orchestrierten Verheißung auf das Paradies („Paradisi gloria“), die der Chor enthusiastisch interpretiert. Obwohl sich das Werk um geistlichen Inhalt dreht, ist es keine liturgische Musik, sondern wurde für den Konzertsaal konzipiert.

Symbol für die Freundschaft von Brahms und Dvořák

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Moon Yung Oh, als Tenor Mitglied im Chor des Bayerischen Rundfunks, hat im März dieses Jahres in der Aufführung der Johannes-Passion in Feldafing, als der Pöckinger und der Ottobrunner Chor aufgetreten sind, den Evangelisten gesungen. © Astrid Ackermann

Dass Brahms und Dvořák auf dem Programm stehen, ist auch ein Symbol für die jahrzehntelang anhaltende Freundschaft der beiden Komponisten. Brahms erkannte das einmalige Talent des jüngeren Kollegen, förderte ihn und empfahl ihn dem einflussreichen Musikverleger Fritz Simrock, der das Werk herausbrachte.

Der endgültige Durchbruch zum international bekannten Komponisten gelang Dvořák, als er am 13. März 1884 das Oratorium in der riesigen Royal Albert Hall in London dirigierte und vom Publikum stürmisch gefeiert wurde. Dvořák selbst berichtete danach in einem Brief nach Prag von einem Chor mit 840 Sängerinnen und Sängern und einem Orchester mit folgender Besetzung: „24 erste Geigen, 20 zweite Geigen, 16 Violen, 16 Celli und 16 Kontrabässen.

Der Eindruck eines so riesigen Klangkörpers wirkte bezaubernd. Das lässt sich gar nicht schildern.“ Eine solche Besetzung würde das Fassungsvermögen der Pfarrkirche St. Joseph sicher sprengen. Aber das Konzert dürfte dennoch großen Eindruck machen.

Karten

zu 35 und 45 Euro sowie 10 Euro für Schüler, Schülerinnen und Studierende
https://events.fairetickets.de/m8fcq/4611714/
oder in der Buchhandlung Held, Hauptstraße 70, 82327 Tutzing, Tel. 08158 8388

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Ferdinand Goslich

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