Von vorOrt.news

100 Prozent für Ludwig Horn

34 junge Menschen haben an der ersten digitalen U18-Wahl in Tutzing teilgenommen

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Das Ergebnis der U18-Wahl für den Tutzinger Bürgermeister

Ludwig Horn hat bei der Wahl zum Tutzinger Bürgermeister 1oo Prozent der Stimmen erhalten. Das bedeutet nicht, dass das Ergebnis der Kommunalwahl am kommenden Sonntag in unserer Gemeinde schon vorab festgestellt wurde, weil Horn der einzige Kandidat für dieses Amt ist. Es ist das Ergebnis der U18-Wahl, bei der Bayerns Jugend vom 16. Februar bis zum 27. Februar wählen konnte. Teilgenommen haben an dieser digitalen Wahl zwar nur 34 Personen, aber als Stimmungstest bei den jungen Leuten in Tutzing kann das Ergebnis wohl dennoch gelten.

Die U18-Wahl war keine Wahl mit rechtlicher oder verbindlicher Wirkung auf die Zusammensetzung der echten kommunalen Gremien, sondern eine Wahlsimulation für alle, die noch nicht wahlberechtigt, also unter 18 Jahre alt sind. Organisiert wurde diese Wahl vom Bayerischen Jugendring, teilweise auch von örtlichen Jugendringen und Schulen, um Jugendliche für Demokratie und politische Teilhabe zu sensibilisieren.

Tutzing war dabei erstmals eine der Modellgemeinden für das „Online-Voting“, an dem 14- bis 17-Jährige per Internet an der Wahl des Bürgermeisters und des Landrats teilnehmen konnten, aber nicht an der Wahl des Gemeinderats. In den anderen bayerischen Kommunen gab es eine klassische analoge U18-Wahl für alle unter 18 Jahren ohne Mindestalter, also auch für jüngere Kinder, bei denen auch über die Gemeinde- und Stadträte abgestimmt wurde.

Stefan Frey erhält bei der Starnberger Landratswahl 47,4 Prozent

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Das Ergebnis der U18-Wahl für den Landrat des Landkreises Starnberg

In rund 350 analogen Wahllokalen der Jugendarbeit, an Schulen und in Rathäuser haben über 30.000 junge Menschen ihre Stimmen abgegeben, wie der Bayerische Jugendring mitteilt. In den digitalen Pilotkommunen wie Tutzing haben durchschnittlich 16,7 Prozent der benachrichtigten Personen an der Wahl teilgenommen – das waren 2981 von insgesamt 17.850 zur digitalen Abstimmung aufgerufenen Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren. Sie hatten Mitte Februar von ihrer Kommune oder ihrem Landkreis persönliche Wahlbenachrichtigungen mit QR-Code erhalten. In Tutzing war die Wahlbeteiligung geringer.

Bei der Wahl des Starnberger Landrats bekam CSU-Kandidat Stefan Frey die meisten Stimmen: 47,4 Prozent. Mit je 15,8 Prozent folgen Benjamin Barho von den Grünen und Markus Deschler von der FDP, mit 13,2 Prozent Michaela Eisenschmid von den Freien Wählern und mit 7,9 Prozent Roman Sonnenberg von der AfD.

Insgesamt kommt die CSU bei der U18-Wahl der Bürgermeister auf 29 Prozent und die SPD auf 24,3 Prozent. Die Grünen erreichen bei den jungen Leuten 10,8 Prozent, die Freien Wähler 6,9 Prozent. Wählergruppen bringen es auf 10,4 Prozent, die Linken auf 5,4 Prozent und die AfD auf 4,5 Prozent. Bei der U18-Wahl zu den Landräten erzielen die CSU 34,2 Prozent, die SPD 16 Prozent, die Freien Wähler 13,1 Prozent, die Grünen 11,3 Prozent, die AfD 10,7 Prozent und die Linken 6,5 Prozent.

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BJR-Präsident Seitz: „Junge Menschen wollen mitgestalten und ihre politische Meinung äußern"

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Das Ergebnis der U18-Wahl in Bayern für die Bürgermeister

Philipp Seitz, der Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR), bezeichnet es als erfreulich, dass die Kandidatinnen und Kandidaten aus Parteien der demokratischen Mitte gestärkt aus dieser U18-Wahl hervorgegangen seien. Für die Organisatoren steht fest: „Junge Menschen wollen mitgestalten und ihre politische Meinung äußern.“ Die U18-Wahl sei ein echtes politisches Stimmungsbild der kommenden Generation und wirke weit über diesen Tag hinaus, kommentiert Seitz.

Der Präsident des Jugendrings weist darauf hin, dass sich die Zahl der Wahllokale und Stimmen gegenüber der vergleichbaren Wahl 2020 nahezu verdoppelt habe. Beteiligung scheitere nicht am Interesse junger Menschen, folgert er, sondern oft an den fehlenden Möglichkeiten. Die Jugendarbeit müsse als Lern- und Erfahrungsort der Demokratie weiter gestärkt werden, fordert Seitz. „Demokratie ist kein Zuschauersport, sondern lebt vom Mitmachen“, sagt er. Wer in der Gemeinde, an der Schule oder anderswo aktiv mitgestalte und merke, dass man Dinge positiv verändern könne, erfahre Selbstwirksamkeit: „Das ist die Basis für Vertrauen in unsere Demokratie.“ Deshalb müssten die Angebote der Jugendarbeit auch in Zukunft bedarfsgerecht finanziert werden. Wer in die Jugendarbeit investiere, stärke die Demokratie, mahnt Seitz.

Für den bayerischen Digitalminister Fabian Mehring hat die U18-Wahl bewiesen, dass Demokratie „kein verstaubtes Museum“ sei, sondern ein lebendiger Prozess, der zur Lebenswirklichkeit junger Menschen passe. Mit der digitalen U18-Wahl habe man der Demokratie ein modernes Update verpasst und Bayerns Jugend zu Pionieren politischer Beteiligung gemacht. „Indem wir bei den U18-Wahlen erfolgreich demonstriert haben, dass die digitale Stimmabgabe technisch problemlos, fehlerfrei und sicher klappt, haben wir nicht weniger als die Grundlage für digitale Wahlen der Zukunft gelegt“, erklärte Mehring.

Minister Mehring will digitale Abstimmungen bei regulären Kommunal- und Landtagswahlen

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Das Ergebnis der U18-Wahl in Bayern für die Landräte © Grafiken: https://www.bjr.de/u18-ergebnisse-2026/ergebnisse-im-ueberblick

Offen blieb bei diesen Äußerungen, ob sie als Hinweis zu verstehen sind, dass das Wahlalter in Bayern unter 18 Jahre gesenkt werden könnte. In mehreren deutschen Bundesländern dürfen 16- und 17-jährige Jugendliche schon heute beispielsweise bei Landtagwahlen und bei Kommunalwahlen wählen, aber nicht in Bayern. Lediglich bei der Wahl zum Europäischen Parlament können alle in Deutschland lebenden Personen ab 16 Jahren seit 2024 ihre Stimme abgeben. Für Bundestagswahlen gilt in ganz Deutschland weiterhin das Wahlalter ab 18 Jahren.

Ein überparteiliches Bündnis namens „Vote 16“ setzt sich dafür ein, das aktive Wahlalter in Bayern von 18 auf 16 Jahre abzusenken. Dabei geht es vor allem um die Mitbestimmung bei Kommunal-, Landtags- und später eventuell auch Bundeswahlen. Der Bayerische Jugendring trägt diese Initiative mit. Unterstützung kommt vor allem von Jugendorganisationen, Teilen der SPD, Grünen, FDP und der Linken in Bayern. Die CSU und die Freien Wähler lehnen eine Senkung des Wahlalters ab.

Mehring setzt den Schwerpunkt in seiner Argumentation mehr auf die Digitalisierung. Seine Vision sei es, dass die Menschen in Bayern künftig auch bei Bürgerbegehren oder regulären Kommunal- und Landtagswahlen digital abstimmen könnten. Die Stimme digital abzugeben, müsse im Jahr 2026 eine ebenso selbstverständliche Option werden wie der Urnengang oder die Briefwahl. „Während das Vertrauen der Menschen in den Staat in einer Krise steckt“, sagt der Minister, „eröffnet uns Digitalisierung die Chance auf eine moderne Mitmach-Demokratie.“

Die vollständigen Ergebnisse der U18-Wahl 2026

aufgeschlüsselt nach Kommune und Landkreis:
www.bjr.de/u18-ergebnisse-2026

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