Die personelle Änderung bei der "Tutzinger Liste" hat eine Welle von Kommentaren auf vorOrt.news ausgelöst (siehe unten). Dabei wird zum Teil Unverständnis für die Entscheidung von Barbara Doll geäußert, auf ihr Gemeinderatsmandat zu verzichten, das sie als Nummer 1 auf der Liste des Bürgervereins gewonnen hat. Dies entspreche nicht dem Wählerwillen. Den Sitz soll Dr. Wolfgang Behrens-Ramberg übernehmen, der dem Tutzinger Gemeinderat schon seit 2014 als einziger Vertreter der Tutzinger Liste angehört.
Bei der Kommunalwahl waren Barbara Doll und Behrens-Ramberg als „Doppelspitze“ für die Tutzinger Liste angetreten - sie auf Platz 1, er auf Platz 2. Vor sechs Jahren war Barbara Doll für die UWG Traubing in den Gemeinderat gewählt worden, die sie aber im Verlauf der nun endenden Ratsperiode verlassen hat. Mit ihrem Wechsel zur Tutzinger Liste waren bei dem Bürgerverein Hoffnungen auf zwei Gemeinderatsmandate verbunden worden.
Der Vorstand der Tutzinger Liste erklärt in einer ebenfalls auf vorOrt.news veröffentlichten Stellungnahme zu der Kritik, Barbara Doll und Wolfgang Behrens-Ramberg hätten bewusst als Doppelspitze der Tutzinger Liste zur Wahl gestanden. Beide seien bereit gewesen, ihr Mandat fortzuführen und ihre inhaltlichen Schwerpunkte gemeinsam weiterzuentwickeln. Das Wahlergebnis habe aber zu einer veränderten Ausgangslage geführt.
"Ein starkes und nahezu identisches Ergebnis"
Vorhaltungen wegen einer angeblichen „Scheinkandidatur“ weist der Vorstand des Bürgervereins zurück. Diese Unterstellung entbehre jeder Grundlage und werde dem großen Engagement beider Beteiligten nicht gerecht. Als ebenso wenig haltbar bezeichnet der Vorstand der Tutzinger Liste die Behauptung, es sei von vornherein „absehbar“ gewesen, dass der Bürgerverein bei der Kommunalwahl keinen zweiten Sitz erhalten würde. Wahlergebnisse seien grundsätzlich offen, was dem Wesen demokratischer Abstimmungen entspreche. Dass das Erreichen eines zweiten Sitzes letztlich nur knapp verfehlt worden sei, belege vielmehr, dass das Wahlziel realistisch gewesen sei.
Der Vorstand der Tutzinger Liste hatte in einer Pressemitteilung über die neue Entscheidung darauf hingewiesen, dass der Bürgerverein mit dem zweithöchsten Zuwachs an Wählerstimmen - um 26 Prozent von 4908 Stimmen 2020 auf 6184 Stimmen 2026 - zu den Wahlsiegern in Tutzing gehöre, das Wahlziel aber dennoch knapp verfehlt habe. Doll und Behrens-Ramberg hätten ein starkes und nahezu identisches Ergebnis mit jeweils über 1000 Stimmen erreicht, doch für einen neuen zweiten Sitz der Tutzinger Liste und damit die „Doppelspitze“ habe es am Ende wegen 0,7 Prozentpunkten nicht gereicht.
Auf mehreren Seiten im Gemeinderat, von der CSU bis zu den Grünen, war es nach der Kommunalwahl mit Bedauern kommentiert worden, dass Behrens-Ramberg nicht wieder ins Kommunalgremium gewählt worden war. Behrens-Ramberg selbst sagte kurz nach der Kommunalwahl. „Wir wären ein sehr schönes Tandem geworden.“ Er machte kein Geheimnis daraus: „Ich hätt’s gern gemacht.“
Die neue Entscheidung, die viele offenkundig überrascht hat, wurde in der Mitteilung der Tutzinger Liste mit unterschiedlichen fachlichen Schwerpunkten von Barbara Doll und Wolfgang Behrens-Ramberg begründet. Falls sie beide Mandate gewonnen hätten, dann hätten sie die Themen "sinnvoll und effizient" untereinander aufteilen wollen, erklärte der Vorstand des Bürgervereins.
Bevor die Mandatsänderung bekanntgegeben wurde, hatten Sondierungsgespräche mit möglichen Partnern über eine Ausschussgemeinschaft stattgefunden, um der Tutzinger Liste Zugang zu den Ausschüssen zu ermöglichen. Aufgrund des fehlenden zweiten Sitzes hätte Barbara Doll nach Angaben der Tutzinger Liste einen Sitz im Haupt-, Finanz- und Werkausschuss erhalten, doch dies hätte nicht ihrem thematischen Schwerpunkt entsprochen. Ihre bisherigen Ausschusssitze hätte sie nicht behalten können, wie erläutert wurde. Nach reiflicher Überlegung habe sie sich daher im Interesse der Gemeinde entschieden, das Mandat Behrens-Ramberg zu überlassen, der bislang im Hauptausschuss und im Rechnungsprüfungsausschuss gearbeitet habe. Sie selbst werde sich weiterhin ehrenamtlich insbesondere im Bereich Pflege und soziale Themen engagieren, auch auf Landkreisebene.
Behrens-Ramberg dankt Barbara Doll für "diese große Geste"
Barbara Doll sagte, sie danke allen Wählerinnen und Wählern ausdrücklich für ihr Vertrauen. Ihr sei bewusst, dass einige ihre Entscheidung möglicherweise bedauerten. Nach reiflicher Abwägung sei sie jedoch überzeugt, dass dieser Schritt im Interesse der Gemeinde Tutzing richtig sei und dass Wolfgang Behrens-Ramberg das Mandat übernehmen solle. Angesichts der aktuellen Lage komme den Gemeindefinanzen in den kommenden Jahren eine besondere Bedeutung zu. Behrens-Ramberg habe in den vergangenen zwölf Jahren wertvolle Arbeit im Gemeinderat geleistet, insbesondere bei den Haushaltsthemen. Zusätzlich sei er Referent für Wirtschaft, Gewerbe, Handwerk und Tourismus. Er habe dabei zahlreiche Projekte angestoßen, die weiterzuführen seien. Für die Ortsentwicklung Tutzings sei die wichtige Umsetzung der Ziele aus dem städtebaulichen Entwicklungskonzept „ISEK“ ohne seine weitere Mitwirkung nur schwer denkbar. Er habe dieses Projekt initiiert und daran seit fünf Jahren im Gemeinderat intensiv gearbeitet.
Behrens-Ramberg äußerte großen Respekt vor dieser Entscheidung von Barbara Doll: „Ich danke ihr für das gewährte Vertrauen und diese große Geste.“ Ihr selbstloser Einsatz für die Gemeinde verdiene große Anerkennung. Und er kündigt an: „Ich werde meine Arbeit für Tutzing engagiert fortsetzen.“
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Kommentare
Ihr soziales Engagement werden viele Tutzinger sehr vermissen. Sehr schade.
Ich würde unsere gewählte Frau Doll natürlich auch gern als Parteilose Gemeinderätin begrüßen.
Viele Wähler würden sich mit Sicherheit sehr freuen. Dem Prinzip der grundsätzlich Personenbezogenen Gemeinderatswahl würde dies m.E. entsprechen.
Frau Doll hätte drei Optionen gehabt:
1.Amt ablehnen, aber im Gemeinderat bleiben-völlig legitim, Mandat bleibt bestehen.
2.Amt annehmen und mit der Fraktion arbeiten-Pragmatische Lösung.
3.Fraktion verlassen und als Parteiloser im Gemeinderat sitzen-selten ,aber möglich; kann die Machtverhältnisse verändern.
Mir wäre die Demokratische Logik lieber.
Deshalb gibt es ja auch eine Personenbezogene Gemeinderatswahl und Mandat.
(Teile des Kommentars wegen kritischer Anmerkungen der Betroffenen von der Redaktion gelöscht)
Beide engagieren sich intensiv mit der Verbesserung der Lebensqualität in Tutzing und sollten nicht wegen fehlerhafter Aufstellung ihrer Listenplätze ans Kreuz genagelt werden.
Tutzing ist eben anders, wie ein kleines Dorf, indem auch alle Entscheidungen intern geregelt werden, ohne Beteiligung der Personen, die zwar Mitglieder jeweiligen Vereins sind, aber nicht zum Führungskreis gehören.
Tutzing hat sehr viele Vereine, da wird gottseidank viel ehrenamtliches geleistet, aber die Transparenz in den Vereinen hat leider Dorf-Charakter.
(Teile des Kommentars aufgrund kritischer Anmerkungen der Betroffenen von der Redaktion gelöscht)
Kein O-Ton von ihr, dafür ein klischeehaftes Foto "Dame mit Blumenstrauß".
Tutzinger Liste steigert Stimmenanteil - zweiter Sitz knapp verfehlt
Nachtrag I:
Ich nehme die offizielle Begründung mit den Schwerpunkten ernst.
Vielleicht hätte man sich bereits vor der Wahl intern besser darauf optional vorbereiten sollen:
-> Wenn's mit der erstrebten Doppelspitze nicht klappt, was dann?
-> Wenn wir nur Kandidatin A oder nur Kandidat B durchbringen?
-> Wie können wir ein mögliches Debakel bereits im Vorfeld verhindern?
In der Realität steht die TL nun erst mal vor einem selbst zu verantwortenden Scherbenhaufen, mit dem sie umgehen muss.
Echten Menschen aus Fleisch & Blut wurde Schaden zugefügt; den Gewählten, aber auch den Wählern.
Kostbares Vertrauen in die TL und auch in die Demokratie insgesamt wurde verspielt.
Verschwörungsgläubige und andere Feinde der Demokratie freuen sich auch über kleine Brocken, die man ihnen hinwirft.
Nachtrag II:
Ich kann nachvollziehen, dass für eine kleine Partei mit nur 1 Ratsmitglied ein in vielen Themen erfahrener Allrounder (egal ob m/w/d) die bessere Option sein mag; auch im Sinne Tutzings.
Aber wegen der toxischen Nebenwirkungen - dazu in Zeiten, da die Demokratie von innen & außen heftigst angegriffen wird - freue ich mich über derlei Entwicklungen nicht.
Das einzige was stört ist der Wählerwille!
...
(Rest des Kommentars von der Redaktion wegen kritischer Anmerkungen der Betroffenen gelöscht)
Zunächst möchte ich Frau Doll nach Ihrem Wechsel zur Tutzinger Liste und dem tollen Startergebnis an die erste Stelle der Partei
und in den Gemeinderat gratulieren.
Für mich ist es unverständlich, wenn ein Gemeinderat persönlich gewählt wird und dann solche Spielchen stattfinden.
So leid es mir tut! Sie sollte dann ihr gewähltes Mandat zurückgeben, wenn sie das Amt nicht antritt, um dann einen Wechsel zu rechtfertigen!
Sie ist ja schließlich auch auf Listenplatz 1 zur Wahl gestanden. Dem Wählerwillen wird so nicht entsprochen.
Wer sich mit der Partei und bestimmten Personen etwas beschäftigt, konnte mit so einem Wechsel rechnen!
Als Wähler könnte man sich die Wahl zum Gemeinderat dann sparen und nur noch die Partei wählen.
Die Mandatsträger der jeweiligen Parteien könnten sich dann die Posten intern ausmachen.
Schade für die Wahl!
Es schadet der Demokratie!
Die Politikverdrossenheit fängt schon auf Gemeindeebene an!
Ein enttäuschter Wähler
ich frage mich schon, inwiefern sich die Ausgangslage geändert hat, die die Mandatsweitergabe rechtfertigt. Denn Ausgangslage war doch, dass sie nur einen Sitz im Gemeinderat 2020 erhalten haben. Zwar mag diesmal nicht mit aller Sicherheit absehbar gewesen sein, dass sie nur einen Sitz erhalten, eine realistische Variante – unter mehreren – des Wahlausgangs war es doch aber schon – und dass durch die Platzierung auf Platz 1 ihrer Liste Frau Doll den Platz gewinnt genauso. Von Anfang an mussten sie doch also damit rechnen, dass nur Frau Doll einziehen könnte. Deshalb bleibt der Vorgang der Mandatsweitergabe für mich immer noch überraschend und nicht nachvollziehbar.
Barbara Doll und Dr. Behrens-Ramberg standen bewusst als Doppelspitze unserer Liste zur Wahl. Beide waren bereit, ihr Mandat fortzuführen und ihre inhaltlichen Schwerpunkte gemeinsam weiterzuentwickeln. Das Wahlergebnis hat zu einer veränderten Ausgangslage geführt, über die die TUTZINGER LISTE und Barbara Doll transparent informiert und die daraus getroffene Entscheidung offen erklärt haben.
Die im Kommentar suggerierte „Scheinkandidatur“ weisen wir klar zurück. Diese Unterstellung entbehrt jeder Grundlage und wird dem großen Engagement beider Beteiligten nicht gerecht.
Ebenso wenig haltbar ist die Behauptung, es sei von vornherein „absehbar“ gewesen, dass die TUTZINGER LISTE keinen zweiten Sitz erhalten würde. Auf welcher Grundlage eine solche Gewissheit vor der Wahl bestanden haben soll, erschließt sich uns nicht. Wahlergebnisse sind grundsätzlich offen, was dem Wesen demokratischer Abstimmungen entspricht. Dass das Erreichen eines zweiten Sitzes letztlich nur knapp verfehlt wurde, belegt vielmehr, dass unser Wahlziel realistisch war.
Ich konnte den Wechsel von Frau Doll zur Tutzinger Liste vor wenigen Wochen nicht nachvollziehen. Das ist aber nur meine persönliche Meinung.
Ich hätte Sie, liebe Frau Doll, sehr.. sehr gern wie in den letzten Jahren und genau so im Gemeinderat gesehen, auch gewissermaßen als Vertreterin des benachbarten Traubing.
Kandidatenlisten zwischen Gesetz und Lebensrealität
Dort fordert die Tutzinger Liste mehr Offenheit der Wahlvorschlagslisten. Es soll ersichtlich sein, wer "wirklich" in den Gemeinderat einziehen möchte. Dabei betonte die Tutzinger Liste, dass von ihrer Liste Frau Doll und Herr Behrens-Ramberg im Gemeinderat arbeiten möchten. Dies stimmte wohl doch nicht... Ob die Positionierung von Frau Doll nur zum Schein war? Denn dass die Tutzinger Liste nur einen Platz im Gemeinderat erhalten wird, war absehbar...
Schade, dass der Wählerwille nun übergangen wird. Schade, dass nun eine Frau und eine Traubingerin weniger im Gemeinderat sitzen wird. Der Glaubwürdigkeit der Tutzinger Liste wird mit dem jetzigen Schritt meines Erachtens sehr geschadet.