Vielleicht lag es am Hinspiel der Champions League zwischen Paris St. Germain und dem FC Bayern, das um 21 Uhr begann: Die letzte Sitzung des Tutzinger Gemeinderats in der Wahlperiode 2020-2026 am Dienstag war recht kurz. Nach einer dreiviertel Stunde war die Tagesordnung mit den Satzungsbeschlüssen für zwei wichtige Bebauungspläne – das Bürgersolarkraftwerk am Oberen Hirschberg und den Bestattungswald „Waldruh“ auf der Ilkahöhe - abgearbeitet. „Ich bin selbst überrascht, dass wir um 19.45 Uhr schon am letzten Punkt sind“, sagte Bürgermeister Ludwig Horn. Ganz zu Ende war die Sitzung dann aber doch noch nicht. Auf alle acht Mitglieder des Gemeinderats, die dieses Gremium verlassen, ging Horn individuell ein, er erwähnte ihre speziellen Interessen. So gab es bei dieser letzten Sitzung einen sehr persönlichen Ausklang. Vier der ausscheidenden Gemeinderatsmitglieder waren bei dieser letzten Sitzung der Periode nicht dabei, aber im Juli ist noch eine Abschiedsfeier in etwas größerem Rahmen geplant.
Barbara Doll gehörte dem Gemeinderat seit 2020 an. Sie war für die UWG Traubing gewählt worden, hat sie aber im Lauf der zu Ende gehenden Periode verlassen und sich später der Tutzinger Liste zugewandt, für die sie auch in den neuen Gemeinderat gewählt worden ist. Sie verzichtet aber auf dieses Mandat. Sie habe sich besonders für die Schwächeren der Gesellschaft engagiert, für die Inklusion und die Behindertenarbeit und sich für den Sozialfonds in Tutzing eingesetzt, sagte Horn.
Elisabeth Dörrenberg hat bei der Kommunalwahl am 8. März nicht wieder kandidiert. Sie hat dem Gemeinderat 24 Jahre für die CSU angehört. Lange war sie zweite Bürgermeisterin. Nach dem Tod von ÖDP-Bürgermeister Rudolf Krug 2017 stand sie zusammen mit der damaligen dritten Bürgermeisterin Marlene Greinwald von den Freien Wählern an der Rathausspitze, bis Greinwald Anfang 2018 zur Bürgermeisterin gewählt wurde. Horn verwies auch auf ihr Engagement für die Kultur und in der Behindertenarbeit.
Michael Ehgartner, der dem Gemeinderat seit 2020 für die Grünen angehörte, hat bei dieser Kommunalwahl nicht mehr kandidiert. Horn verwies auf sein auch beruflich begründetes großes Engagement für Immobilien und die Ortsentwicklung. In Hinblick auf ideenreiche Erläuterungen von Ehrgartner bei Sitzungen fügte Horn hinzu: „Ich kenne niemand, der so veranschaulicht Argumente vorgetragen hat.“
Stefan Feldhütter hat dem Gemeinderat 18 Jahre lang, seit 2008, für die Freien Wähler angehört. In dieser langen Zeit habe er sich intensiv mit allen Themen gerade in den Bereichen Technik, Bau und Jugend befasst, sagte Horn. Besonders stark engagiert habe er sich in der zu Ende gehenden Periode als Ortsplanungsreferent. Er habe immer darum gekämpft, gute Lösungen zu finden und für die Gemeinde sinnvolle Wege der Weiterentwicklung zu finden.
Stefanie Knittl war seit 2020 die einzige Vertreterin der SPD im Tutzinger Gemeinderat. Horn verwies auf ihr großes Interesse am Thema Bau und besonders an älteren Häusern sowie an denkmalgeschützten Gebäuden, für deren Erhalt sie sich sehr einsetzt.
Am längsten hat Christine Nimbach dem Gemeinderat angehört: 30 Jahre, seit dem 1. Mai 1996. „Ich bin erst danach geboren worden“, merkte Horn an. Das sei „eine unglaublich lange Zeit“. Die Krankenschwester hat die Tutzinger Ortsgruppe der Grünen in den 1990er Jahren mitgegründet und sie drei Amtsperioden, von 1996 bis 2014, allein im Gemeinderat vertreten, aber ein Zerwürfnis mit anderen in der Partei führte 2021 zur Trennung von ihr. Horn dankte Nimbach für ihr langes kommunales Engagement, und sie erhielt viel Beifall – auch von den Grünen.
Claus Piesch war seit 2020 Gemeinderat für die Freien Wähler. Horn erwähnte beeindruckt sein großes Engagement gerade auch als Beauftragter für Jugend, Sport und Freizeit, seine intensive Arbeit für die Jugendlichen in Tutzing und seine Tätigkeit als Vorsitzender des Starnberger Kreisjugendrings.
Georg Schuster hat dem Gemeinderat zwölf Jahre lang angehört, davon eine Periode für die ÖDP und die zweite Periode für die FDP. Das Spektrum seiner vielfältigen Anliegen, sagte Horn, reiche von den Finanzen über den Sport und die Landwirtschaft bis zu den Tutzinger Ortsteilen.
Als einziges der ausscheidenden Gemeinderatsmitglieder ergriff Christine Nimbach kurz das Wort. Sie sagte, in den 30 Jahren ihrer Zugehörigkeit zu dem Gremium habe sich viel geändert. Dabei erinnerte sie an Projekte, die große Aufmerksamkeit in der Bevölkerung erregt und teils zu Bürgerbeteiligungen geführt haben wie etwa Roche und Seehof. Ihr Fazit: „Es gab viel Gutes, wenn auch viel nicht so ganz Gutes.“ Aber die Tätigkeit im Gemeinderat habe ihr Spaß gemacht. Beispielhaft erinnerte sie an eine Tour auf den Herzogstand und eine Fahrt mit dem langjährigen Gemeinderat Toni Aigner nach Slowenien, wo sie damals zum ersten Mal gewesen sei: „Das hat der Gemeinschaft gut getan.“

Kommentar hinzufügen
Kommentare