Christine Nimbach, die über viele Jahre für die Grünen aktiv war, plant eine Wahlliste der Partei „Die Basis“ für die Gemeinderatswahl am 8. März 2026. Nach ihrer Trennung von den Grünen ist sie fraktionslos weiter im Tutzinger Gemeinderat geblieben. Vor einiger Zeit hat sie bekanntgegeben, dass sie der „Basis“ - kurz für „Basisdemokratische Partei Deutschland“ - beigetreten ist, die aus der Querdenker-Bewegung hervorgegangen ist („Entstanden aus einem Teil der Widerstandsbewegung gegen die unverhältnismäßigen Maßnahmen in der sogenannten ‚Corona-Pandemie‘“, so eine Eigenbeschreibung).
„Ich werde bei der Gemeinderatswahl für die Basis kandidieren“, kündigt Nmbach gegenüber vorOrt.news an. Sie sei dabei, einen Ortsverein der Basis zu gründen. Für die Wahl werden 80 Unterschriften von Personen benötigt, die dies unterstützen. Für Dezember ist laut Nimbach eine Aufstellungsversammlung für die Wahlliste vorgesehen.
Christine Nimbach hat die Tutzinger Ortsgruppe der Grünen 1995 mitgegründet. Drei Amtsperioden, von 1996 bis 2014, hat sie die Grünen völlig allein im Gemeinderat vertreten. Von 2014 bis 2020 waren sie und Bernd Pfitzner zwei Vertreter dieser Partei, bei der Kommunalwahl 2020 gewannen die Grünen vier Mandate. Schon bei der Aufstellungsversammlung der Grünen für die Kommunalwahl 2020 deutete sich aber eine Entfremdung an. In mehreren Wahlgängen fiel Nimbach durch, schließlich musste sie sich mit Platz fünf begnügen.
In den Ausschüssen ist Nimbach allein so stark vertreten wie alle Grünen zusammen
Bei der Kommunalwahl erhielt Christine Nimbach das drittbeste Ergebnis der grünen Kandidaten. Doch schon bald traten die Klüfte immer deutlicher zu Tage. Mit Widerstand gegen Masken während der Corona-Pandemie und gegen das Impfen sorgte Nimbach plakativ für Aufsehen. Besondere Aufregung gab es wegen einer von ihr unterstützten Protestaktion mit Kinderschuhen und Plüschtieren, die neben dem Tutzinger Vetterlhaus ausgelegt worden waren, denn leere Kinderschuhe gelten als grauenvolles Symbol für die Ermordung vieler Kinder durch die Nationalsozialisten.
Die drei anderen Gemeinderatsmitglieder der Grünen in Tutzing, Michael Ehgartner, Bernd Pfitzner und Flora Weichman, legten Nimbach die Trennung nahe. Sie kritisierten die „wiederholten öffentlichen Äußerungen von ihr gegen grüne Grundsatzziele und gegen grüne Programmatik“ und warfen ihr Antisemitismus vor. Nimbach widersprach: „Ich wüsste nicht, wo ich mich gegen grüne Positionen gewandt hätte.“ Der Vorwurf, die Protestaktion mit Kinderschuhen verharmlose den Holocaust und komme aus der rechten Ecke, habe sie „fassungslos gemacht“, erklärte sie. Den Grünen warf sie ihrerseits vor, sie hätten „die Grundrechtseinschränkungen durch die Regierungsparteien klaglos von der Partei und ihren Vorsitzenden hingenommen“. Wie es dem Mittelstand, der Gastronomie, Hotels und den geschlossenen Einzelhandelsgeschäften und den dadurch arbeitslos gewordenen Menschen gehe, habe nicht weiter interessiert.
Bald verließ Nimbach die Gemeinderatsfraktion und kurz darauf auch die Fraktion der Grünen im Starnberger Kreistag – ob gezwungen oder freiwillig, darüber waren die Angaben unterschiedlich. Auch aus der Partei Bündnis 90 / Die Grünen trat sie aus, blieb aber – fraktionslos – Mitglied des Tutzinger Gemeinderats. Die kommunalrechtliche Folge war für viele überraschend: Die Trennung von ihrer Fraktion wurde durch zusätzliche Ausschusssitze quasi belohnt, während die Grünen Ausschusssitze verloren. Damit ist Nimbach seitdem in den Ausschüssen allein genauso stark vertreten wie alle Grünen zusammen.
Mehr zum Thema:
Verärgerung im Gemeinderat
Christine Nimbach tritt der „Basis“ bei
Trennung auch im Kreistag
Nimbach erhält ohne Grüne mehr Ausschusssitze
Christine Nimbach verlässt die Grünen
Nimbach und Grünen-Fraktion trennen sich
Christine Nimbach verlässt Sitzung
Überraschung bei den Tutzinger Grünen
Kommentar hinzufügen
Kommentare
Mehr ist dazu nicht zu schreiben.
Bundesweit bekannte Ex-Spitzenkräfte der Partei wie Reiner Fuellmich und Sucharit Bhakdi haben Corona-Impfungen als „organisierte Massentötung“ bezeichnet bzw. den Holocaust relativierende und antisemitische Aussagen getätigt – letzterer wurde dafür wegen Volksverhetzung angeklagt. In der Partei konnten zudem Personen Karriere machen, die später als Reichsbürger und mutmaßliche Umstürzler vor Gericht standen (z. B. der frühere dieBasis‑Kandidat und Ex-Polizist Michael Fritsch). Politikwissenschaftliche Analysen und unabhängige Recherchen beschreiben dieBasis als Sammelbecken für Systemfeinde, Esoteriker und ein „mindestens rechtsoffenes“ Projekt mit enger Nähe zur Querdenken‑Szene und Überschneidungen zur AfD.
Vor diesem Hintergrund wirkt es verharmlosend, wenn Christine Nimbach ihre Corona-Proteste – inklusive der höchst problematischen Kinderschuh‑Aktion – nun einfach unter dem Label einer Partei fortsetzt, die genau aus dieser Szene hervorgegangen ist. Wer in Tutzing Demokratie, Faktenorientierung und eine klare Abgrenzung von Antisemitismus und Verschwörungsideologien stärken will, sollte sehr genau hinsehen, ob dieBasis dafür der richtige Partner sein kann.