Kirche
27.9.2022
Von vorOrt.news

Volles Haus St. Joseph

Viel Zuversicht und gute Stimmung bei der Einführung des neuen Tutzinger Pfarrers Peter Seidel

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Tutzings neuer Pfarrer Peter Seidel (2. von rechts) mit Dekan Simon Rapp (rechts) und weiteren Priestern beim Einführungsgottesdienst in der Kirche St. Joseph © Marius Cammerer

Sie kamen aus Augsburg, Günzburg, Habach und dem Allgäu: Lauter Wegbegleiter von Tutzings neuem katholischem Pfarrer Peter Seidel sind am Sonntag eigens zu seinem Einführungsgottesdienst an den Starnberger See gereist. Mehrere Pfarrer waren unter ihnen, Freunde und ehemalige Kollegen des aus Oberstdorf stammenden Priesters. Der 51-Jährige war zwölf Jahre Stadtpfarrer von Günzburg und sieben Jahre Leiter der Pfarreiengemeinschaft von Habach, Antdorf, Sindelsdorf und Obersöchering. Dann berief ihn das Bistum Augsburg zum Personalreferenten - aber schon bald hörte er dort wieder auf. In der Verwaltungsbürokratie hat er sich nicht so wirklich wohl gefühlt. Er wollte lieber wieder in die Seelsorge zurück.

Dass das die richtige Entscheidung war, bestätigten am Sonntag in Tutzing Menschen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben. Er sei „ein Seelenfänger“, er gehe auf die Menschen zu und finde sofort einen „Draht“ zu ihnen, sagte ein ehemaliger Kollege von ihm im Gespräch mit vorOrt.news. Da gebe es keine Berührungsängste: „Ich habe noch nicht viele Menschen getroffen, die so eine Wirkung haben wir er.“ Bevor Seidel nach Tutzing kam, war er Aushilfspriester in Krumbach. Etliche Menschen aus seiner früheren Pfarrei seien eigens dort hin gefahren, um bei ihm den Gottesdienst zu besuchen, berichtete ein Gast in Tutzing: „Da hat es einen regelrechten Tourismus in die Aushilfspfarrei gegeben.“

Beifall bei der Amtseinführung

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Viele Menschen von nah und fern begleiteten den Gottesdienst in der Tutzinger Pfarrkirche © Marius Cammerer

Hunderte Menschen füllten die Pfarrkirche St. Joseph beim Gottesdienst. „So ein volles Haus“, sagte Starnbergs Landrat Stefan Frey beeindruckt: „Wo findet man das noch?“ Eine ganze Reihe von Priestern begleitete Seidel auf dem Weg in sein neues Amt - Wegbegleiter aus früheren Jahren. Der Gottesdienst war von Zuversicht und guter Stimmung geprägt.

Das zeigte sich auch an der Auswahl der Musik, die der Chor „Blue Notes“, der Kirchenchor und der Kinderchor ansprechend gestalteten. Sehr anregend war eine Auswahl aus der Missa festiva in G des britischen Komponisten Christopher Tambling, die an Kirchweih in Tutzing komplett aufgeführt werden soll. Da nach dem Abschied von Helene von Rechenberg die kirchenmusikalische Nachfolge noch nicht geklärt ist, spielen zurzeit die beiden Organisten Bernard Texier und Darius Drobisz - und das taten sie am Sonntagabend mit Klängen, die aufhorchen ließen.

Dekan Simon Rapp aus der Pfarreiengemeinschaft Herrsching-Breitbrunn-Widdersberg führte den neuen Pfarrer auf ideenreiche Weise - mit Stationen des Lebens, die sich in den Sakramenten widerspiegeln – durch die Kirche und dann quasi offiziell in sein Amt ein. Da brandete Beifall auf - was ja eigentlich in der Kirche gar nicht sein sollte, sagte Rapp. Die Christen, fügte er schmunzelnd hinzu, sollten den Beifall durch das Singen eines Liedes ausdrücken und nicht durch klatschen. Dabei deutete er auf die leuchtende Liednummer-Anzeige hin, worauf die Orgel begann.

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Die Drehleiter - eine Tutzinger Tradition

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Hoch hinauf in Tutzings Lüfte entschwebte Pfarrer Seidel per Drehleiter, begleitet von Andreas Binder (rechts) von der Tutzinger Feuerwehr © Marius Cammerer

Dass man nicht alles übertrieben streng sehen sollte, bestätigte Rapp später beim Festabend. Dort warnte er geradezu vor zwei bestimmten „Heiligen“: dem heiligen „Allwei“ und dem heiligen „Nochnie“. Selbst in den fortschrittlichsten Gemeinden, sagte er, gebe es manches Eingefahrene. Und wenn solche Bemerkungen laut würden: „Das hamma allwei schon so gemacht“ oder „Das hamma noch nie so gemacht“ – dann ist nach seiner Meinung Vorsicht am Platz, dann sollte man nachdenken. „Diese Erfahrung habe ich auch in meiner eigenen Pfarrei gemacht“, sagte er, „aber inzwischen haben wir eine Sprachregelung gefunden.“ Manchmal sei es ganz angebracht. mal „den Weihrauch wegzulassen“. In der Kirche hat Rapp das quasi zuvor schon selbst verdeutlicht, indem er selbst klatschte und damit seine ersten Bemerkungen über den Beifall relativierte.

Wie sich alles recht gut miteinander verbinden lässt, dafür lieferte dieser Einführungsabend für den neuen Tutzinger Pfarrer viele Belege. Im Brunnenhof des Roncallihauses fand nach dem Gottesdienst ein Sektempfang statt. Die Freiwillige Feuerwehr stand auf der Kirchenstraße mit ihrer Drehleiter parat, um Peter Seidel in luftige Höhen zu heben - das ist in Tutzing mittlerweile Tradition. Auch Seidels Vorgänger Peter Brummer wurde zu seinem Abschied auf diese Weise „erhöht“. Fetzige Musik begleitete das alles: „Über den Wolken“ natürlich, aber auch „Verdammt ich lieb dich“ und „Ein Stern, der deinen Namen trägt“.

Kurz darauf holte Pfarrer Seidel beim Festabend im Roncallihaus höchstpersönlich das erste Bier aus der Zapfanlage, schließlich war Wiesn-Zeit. Er brachte es der evangelischen Pfarrerin Beate Frankenberger, quasi als Signal für gute ökumenische Zusammenarbeit, die sich beide fest vorgenommen haben. Da gibt es gewissermaßen auch persönliche Gründe. Seidel war zwölf Jahre in Günzburg Stadtpfarrer, Beate Frankenberger ist in Günzburg aufgewachsen - „zweisprachig“, wie sie sagte, „katholisch und evangelisch". Samstags sei sie in die katholische Kirche gegangen, „weil man anschließend mit Freunden weggehen konnte“, und sonntags sei sie in der evangelischen Kirche gewesen, „weil es da immer Wein gab“.

Die "sehr lebendige" Pfarrei St. Joseph hält auch Änderungen aus

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Pfarrer Seidl ließ es sich nicht nehmen, das erste Bierglas selbst zu füllen © Marius Cammerer

Dieser ökumenische Geist werde auch in Tutzing weiter wachsen - davon zeigte sich die evangelische Pfarrerin überzeugt: „Darauf freue ich mich.“ Die "sehr lebendige“ katholische Gemeinde St. Joseph werde es aber auch aushalten, dass manches anders werde, meinte sie. Beim Theater könne es schon vorkommen, dass nach einem Intendantenwechsel bis zu 70 Prozent der Besucher nicht mehr kämen, sagte die Theologin, die selbst Bühnenerfahrung hat. Aber das, da gab sie sich ganz sicher, werde in der Tutzinger Pfarrei nicht so sein.

Peter Seidel findet in Tutzing eine Pfarrei vor, die gut dasteht. Darauf verwies Kirchenpflegerin Assunta von Mitschke-Collande. Sie erwähnte die Mitarbeit vieler Ehrenamtlicher, die erledigte Renovierung aller Kirchen sowie wichtige Einrichtungen vom Roncallihaus über betreute Wohnanlagen und Tagespflegen bis zur Ambulanten Krankenpflege. „Trotzdem haben wir noch ein solides Finanzpolster“, sagte sie zu Pfarrer Seidel: „Um so eine Gemeinde werden Dich viele Deiner Kollegen beneiden.“

Von vielen Seiten kamen Willkommensgrüße hinzu. Ruth Schönenberger, die Priorin des Tutzinger Klosters, freute sich schon auf die Kontakte des neuen Pfarrers mit Schwestern aus aller Welt, die immer wieder beim Pfingstfest in Tutzing sind, mit dem neuen Pfarrer. Positive Signale gibt es auch von den Gemeinden. Der Bürgermeister der Nachbargemeinde Bernried, Dr. Georg Malterer, scheint es kaum erwarten zu können, Peter Seidel bei einem Rundgang seinen Ort zu zeigen, den der Pfarrer aber schon beim Radeln von Habach aus kennengelernt hat, wie er erzählte. „Wir freuen uns, dass wir so einen dynamischen und sympathischen Pfarrer bekommen haben“, sagte Tutzings Vizebürgermeisterin Elisabeth Dörrenberg in Vertretung von Bürgermeisterin Marlene Greinwald, die gerade auf der Rückreise von einem Besuch der ungarischen Partnergemeinde Balatonkenese war. „Wir haben immer ein offenes Ohr für Sie“, versprach Dörrenberg: „Unsere Kassen sind allerdings fürchterlich leer im Gegensatz zur Gemeinde St. Joseph.“

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