Kino
22.4.2024
Von vorOrt.news

Nächste Phase für „Kulturtheater Tutzing“

Gründungsversammlung des Vereins am 30. April – Initiatorin kündigt „eine Art zinsloses Darlehen“ an

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"Wir sind gerüstet": Der Tutzinger Kinosaal scheint eine Zukunft zu haben - aber nur, wenn sich weiterhin viele zur Unterstützung bereit finden © L.G.

Für den geplanten neuen Verein „Kulturtheater Tutzing“ geht es in die nächste Phase: Als Termin der Gründungsversammlung wurde der 30. April festgelegt. Das hat die Initiatorin Lucie Vorlíčková am Donnerstag beim dritten Informationsabend bekanntgegeben.

Bei den Spenden- und Mitgliedszusagen, die dringend benötigt werden, weil ein rein kommerzieller Betrieb als unrealistisch gilt, ist in wenigen Wochen viel geschafft worden. „Wir haben rund 60 000 Euro an Spendenzusagen erreicht“, berichtete Katrin Krause vom Vorbereitungsteam. Damit sind auf dem Weg zum benötigten Startkapital von 80 000 Euro große Fortschritte gemacht worden.

Die erwartete jährliche „Deckungslücke“ von 33 000 Euro ist nach Angaben von Katrin Krause derzeit mit rund 30 000 Euro sogar fast gefüllt. Für Mitgliedschaften im neuen Verein liegen über 350 Zusagen vor. Das „Kinobarometer“, auf dem die Finanzdaten vermerkt werden, steige inzwischen verlässlich und stetig, sagte Lucie Vorlíčková, die sich quasi Tag und Nacht mit diesem Projekt beschäftigt. „Wir sind gerüstet“, versicherte sie. „Aber ein bisserl was brauchen wir noch – also bitte nicht aufgeben“, rief sie in den Saal und fügte hinzu: „Wir haben noch fast zwei Wochen – wir werden es schaffen.“

Die Spenden können noch längere Zeit nicht eingezogen werden können, doch ein Teil der benötigten Filmgeräte aus der Insolvenzmasse des Vorgängers steht bereits demnächst zur Versteigerung an. Deshalb will Lucie Vorlíčková selbst in Vorleistung gehen und dem neuen Verein „eine Art zinsloses Darlehen“ geben, wie sie ankündigte. Dabei kann es sich nach ihren Worten um bis zu 15 000 Euro handeln. Sie hofft, dass es so „ohne jedwedes Zögern weitergeht“.

Erteilung der Vorabauskunft zur steuerlichen Gemeinnützigkeit gestaltet sich schwierig

Beim Amtsgericht werde die Vereinseintragung allerdings wohl viel Zeit benötigen, sagte die Initiatorin. Auch gestalte sich die Erteilung der Vorabauskunft zur steuerlichen Gemeinnützigkeit mit dem zuständigen Finanzamt Fürstenfeldbruck als schwierig. Bereits zum zweiten Mal soll der Wortlaut des Vereinszwecks im Satzungsentwurf geändert werden. Die Initiatoren geben sich aber unter Hinweis auf Genehmigungen vergleichbarer gemeinnütziger Vereine und auf eine Aussage des beauftragten Steuerberaters zuversichtlich, dass sie diese positive Auskunft erlangen werden.

Bei der am 30. April geplanten Gründungsversammlung handelt es sich um das erste offizielle Treffen des künftigen Vereins. Dies ist nicht zu verwechseln mit einer Mitgliederversammlung. Die Mitglieder müssen dem dann gegründeten Verein ja erst noch beitreten. Die Gründungsmitglieder, ein Team von 15 Personen, dass sich bei den Vorbereitungen in den vergangenen Monaten besonders engagiert hat, wird sich im „Flimmis“ im Untergeschoss des Gebäudes versammeln. Sie müssen in der Gründungsversammlung insbesondere die Satzung beschließen und den Vorstand wählen.

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Die künftige Organisation ist schon ausgearbeitet © Präsentation von "Tutzing macht Kino!"

Erster Vorsitzender soll der Schauspieler Alexander Netschajew werden

Bekannt gegeben wurde beim Informationsabend auch, wer für den Vorstand kandidiert. Erster Vorsitzender soll der Schauspieler Alexander Netschajew werden, stellvertretende Vorsitzende Lucie Vorlíčková. Als Beisitzer vorgesehen sind der Filmhistoriker Friedemann Beyer, der Jurist und Gemeinderat Dr. Ernst Lindl sowie die Musikerin Sophie Sperber, die sich um einen Filmclub und Musikevents kümmern will. Als Schatzmeisterin steht Katrin Krause zur Verfügung, als Schriftführerin Ingrid Boumessid.

Ebenfalls im Aufbau ist ein Team von künftig neun Bereichsleitern. Daz“u gehört Daniela Laußer für Grafik und Corporate Identity, die als Kulturreferentin auch das Team Kultur, Bühne & Bildung“ unterstützen wird. Da sie jedoch nicht in Tutzing arbeitet, kann sie nicht dessen Leitung übernehmen. Christian Neuner-Duttenhofer soll den Bereich für die Internet-Webseite und Social Media leiten, Patrik Tircher den Bereich für Technik und Bühne. Noch offen sind die Bereichsleitungen für Veranstaltungen im Zweig Bühne und Bildung sowie für Veranstaltungen im Zweig Schulen und Kindergärten.

Für die ehrenamtlichen „Kinoengel“, die für unterschiedliche Aktivitäten gesucht werden, sollen vier Teamleiter als Ansprechpartner zuständig sein. Dabei will sich Lissy Wohlfahrth für Kasse und Filmvorführung zur Verfügung stellen, Conny Schuster für die Theke und Angelika Beitzel für Flyer und Plakate. Für die Teamleitung Seniorenkino wird noch jemand gesucht. „Kinoengel“ als Unterstützer werden für etliche Tätigkeiten benötigt, von handwerklichen Aufgaben über Werbung, Social Media und Verteilung von Programmen bis zum Kuchenbacken, Häppchen-Zubereiten und zur Reinigung des Kinos und eben besonders für Kasse und Filmvorführung.

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Viele "Kinoengel" werden für die verschiedenen Aufgaben gesucht © Präsentation von "Tutzing macht Kino!"

„Wir brauchen die Hilfe der Jugend“

Am dritten Informationsabend nahmen 61 Personen teil – mehrere auch aus Tutzings Nachbargemeinden. „Es ist ungebrochen großes Interesse“, schwärmte Lucie Vorlíčková. Besonders freute sie sich auch über drei Vorstandsmitglieder des Jugend- und Freizeitclubs JM Tutzing, die an dem Informationsabend dabei waren. „Wir brauchen die Hilfe der Jugend“, sagte sie.

Auch ein kleines kulturelles Highlight gab es beim dritten Informationsabend: Mehrere Teammitglieder sangen als Dankeschön an die Bürgerschaft zusammen mit Sophie Sperber den zur „Kinohymne“ erkorenen Song „You’ve got a friend in me“ von Randy Newman. Sophie Sperber, die den Überraschungsauftritt mit der Ukulele begleitete, hatte das aus dem Film „Toy Story“ bekannte Stück kürzlich schon zusammen mit ihrer Partnerin Tabea Mara bei einer Veranstaltung des Rotary-Clubs Tutzing vierhändig am Klavier interpretiert. Die beiden Musikerinnen bilden das Duo „Key For Two“.

Reichhalte Ideen-Palette - von Kleinkunst über Livemusik bis zu Schulen und Senioren

Für das künftige Angebot des neuen Kulturtheaters gibt es unterdessen immer weitere Vorschläge. Die reichhaltige Ideen-Palette, bei der die Jugend ebenso zu ihrem Recht kommen soll wie Ältere, umfasst Kleinkunst, Kabarett und Lesungen ebenso wie Open-Air-Events und Livemusik, die Zusammenarbeit mit Schulen, Kindergärten und Senioreneinrichtungen ebenso wie Kindergeburtstage oder Bildungsvorträge.

Sechs Veranstaltungen im Bereich „Bühne und Bildung“ soll es im ersten Schritt geben, das Angebot soll dann entsprechend der ehrenamtlichen Kapazitäten nach und nach erweitert werden. Beim Informationsabend anwesend war unter anderem der Theologe und Filmemacher Prof. Eckart Bruchner, der in Gauting wohnt. Er hat schon viele Filmgespräche in Kinos und Akademien veranstaltet und bot dies auch für das künftige Tutzinger Kulturtheater an.

Das Kino selbst soll donnerstags bis sonntags „ein hochwertiges Programm“ zeigen, kündigte Lucie Vorlíčková an, die auf Beratung durch mehrere Filmprofis verwies. Auch ein Kinder-, Jugend- und Familienprogramm soll es geben. Eine Besucherin erkundigte sich nach Möglichkeiten für Wunschfilme. Das hält Lucie Vorlíčková für selbstverständlich: „Es ist ein Bürgerkino“. Dabei verwies sie auf die Möglichkeit, im Filmclub mitzumachen.

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Das künftige Programm des "Kulturtheaters" soll weit über ein Filmangebot hinausgehen © Präsentation von "Tutzing macht Kino!"

Ein paar Spenden- und Mitgliederzusagen fehlen noch

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Immer wieder brandete Beifall auf, als Lucie Vorlíčková das Konzept für die Neubelebung des Tutzinger Kinos erläuterte © Bürgerinitiative "Tutzing macht Kino!"

Immer wieder gab es beim Informationsabend viel Beifall für die intensiven Vorbereitungen, die Pläne und die engagierten Beteiligten. Applaus brandete zum Beispiel auf, als Lucie Vorlíčková von der Unterstützung durch die Familie Harthauser berichtete, der das Kino gehört. Die Eigentümer haben nach ihren Angaben eine „nicht kommerzielle Miete“ von 660 Euro im Monat zugesagt – das seien etwa 3,20 Euro je Quadratmeter.

Unter den Initiatoren herrschte große Zuversicht, dass in den verbleibenden elf Tagen der Aktion „TUTZING MACHT KINO!“ noch die fehlenden Spenden- und Mitgliederzusagen eingehen werden. Wie die Planungen zeigen, soll es soll es bereits am 30. April nahtlos von der Phase „Äktschn“ in die Phase „Vereinsgründung und Teambildung“ übergehen, um den Start des Bürgerkinos im Herbst nicht zu gefährden.

Lucie Vorlíčková betonte besonders, dass neben Startkapital und Jahresmitgliedsbeiträgen aber auch die Besetzung der Kinoleitung und ausreichend Kinoengeln von zentraler Bedeutung für den Start des Bürgerkinos seien. Grünes Licht für das „Bürgerkino“ wird es also nur geben, wenn auch die personelle Besetzung „sitzt“. Vorher, so versprach die Initiatorin, würden weder Spenden noch Mitgliedsbeiträge von dem Verein „Kulturtheater Tutzing e.V.“ eingezogen werden.

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Es sieht schon gut aus, aber noch sind nicht alle Ziele erreicht: Plädoyer der Initiatoren © Präsentationvon "Tutzing macht Kino!"

Weitere Informationen:

https://www.kurtheater-tutzing.com/

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