Jugend
31.10.2026
Von vorOrt.news

Erst leise, dann laut

Der Kinderschutzbund bringt seine Aktion „Blaues Rad für Kinderrechte“ nach Tutzing

Ein komplett in kräftigem Blau gestrichenes Fahrrad soll demnächst vor dem Tutzinger Rathaus in der Kirchenstraße stehen. Fahren wird damit niemand. Es soll stehen bleiben – als Zeichen. Damit bringt der Starnberger Kreisverband des Kinderschutzbundes seine Aktion „Blaues Rad für Kinderrechte“ jetzt auch nach Tutzing.

Am Freitag, 13. November, sollen ab 15 Uhr im Tutzinger Bauhof die ersten Räder für das Gemeindegebiet entsprechend hergerichtet werden. Am Montag darauf, 16. November, will die Gemeinde gemeinsam mit dem Kinderschutzbund um 16.45 Uhr das erste davon vor dem Rathaus aufstellen.

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Leuchtend blau, vom Sattel bis zur Klingel: So sehen die „Blauen Räder“ aus, die bereits in mehreren Gemeinden des Landkreises stehen – bald auch in Tutzing © Kinderschutzbund Kreisverband Starnberg

Blau ist die Farbe der Kinderrechte

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Ganz in Blau für die gute Sache: Vertreterinnen des Kinderschutzbundes mit einem der Räder vor dem Starnberger Gymnasium © Kinderschutzbund Kreisverband Starnberg

Die Idee dahinter: Blau ist die Farbe der Kinderrechte und zugleich die des Kinderschutzbundes. Und ein Fahrrad gehört zum Alltag wie kaum ein anderes Fortbewegungsmittel. Genau so selbstverständlich, findet der Verein, sollten auch die Rechte von Kindern in unserer Gesellschaft sein. Kinder und Jugendliche sollen gesehen werden und sich selbst für ihre Rechte einsetzen – für Kinderschutz, aber auch für Mobilität, Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Die Räder sollen nach Angaben der Gemeinde regelmäßig gepflegt und mit neuen Informationsschildern ausgestattet werden, damit sie dauerhaft im öffentlichen Raum präsent bleiben. Über einen QR-Code auf den Schildern gelangt man direkt zu Informationen des Kinderschutzbundes.

Von drei Praktikantinnen zum Netzwerk im ganzen Landkreis
Begonnen hat alles im Sommer 2025 mit einer Handvoll Pinsel: Drei Schülerinnen haben während ihres Praktikums beim Kinderschutzbund die ersten Räder blau gestrichen und dafür gesorgt, dass sie gut sichtbar vor zwei Schulen aufgestellt wurden. Die Idee machte schnell die Runde. Bei einem Weißwurstfrühstück für die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister des Landkreises stellte eine der Praktikantinnen das Projekt vor – und fand Nachahmer. In Herrsching etwa gestalteten Kinder im Ferienprogramm bei einem Graffiti-Workshop ausrangierte Räder, die die Gemeinde über ihren Bauhof beisteuerte. Mitarbeitende der Webasto Group bemalten im Rahmen ihrer Social Days gleich mehrere Räder, ein 13-jähriger Junge namens Paul spendete sein eigenes Fahrrad und strich es selbst blau an.

Ende 2025 waren nach Angaben des Vereins zwölf blaue Räder im Landkreis unterwegs – beziehungsweise eben nicht unterwegs, sondern fest an ihrem Platz: in Herrsching, Pöcking, Gauting, Weßling, Söcking, Wangen und Starnberg, oft vor Kindergärten und Schulen. Höhepunkt war der Internationale Tag der Kinderrechte am 20. November 2025, als Starnbergs Bürgermeister Patrick Janik zwei Räder auf dem Kirchplatz aufstellte. Wenige Wochen später kam Landrat Stefan Frey zur Aufstellung vor dem evangelischen Kindergarten in Starnberg.

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Tuitzing startet mit der Aktion vier Tage vor dem diesjährigen Kinderrechtetag

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Ein blaues Rad für Kinderrechte steht auch an der evangelischen Kirche in Starnberg © Kinderschutzbund Kreisverband Starnberg

Tutzing ergänzt dieses wachsende Netz nun – und das Timing passt: Der Termin vor dem Rathaus liegt nur vier Tage vor dem diesjährigen Kinderrechtetag. Hinter der Aktion steht der Kinderschutzbund Kreisverband Starnberg e.V. Der Verein mit Sitz und Familienzentrum in der Söckinger Straße in Starnberg ist seit 1979 für Kinder, Jugendliche und Familien in allen Gemeinden des Landkreises da – also auch für Tutzing. Rund 170 Mitglieder tragen ihn, Vorsitzende ist Dr. Gunhild Kilian-Kornell, die pädagogische Leitung hat Martina Rusch. „Gerade bei Kindern ist es wichtig, erst leise zu sein und dann laut dafür zu werden“, beschreibt Rusch die Haltung des Vereins im aktuellen Jahresbericht.

Das Angebot reicht weit über Symbolaktionen hinaus. Die kostenlose und vertrauliche Beratungsstelle hat 2025 rund 800 Beratungsstunden geleistet. In etwa vier von fünf Fällen ging es um Trennung und Nachtrennungsgewalt. Zunehmend melden sich auch Jugendliche selbst, einen Termin gibt es meist innerhalb von acht Tagen. Dazu kommen ehrenamtliche Familienpaten, die 2025 elf Familien mit 29 Kindern begleitet haben, Eltern-Treffs, Krabbelgruppen, begleitete Umgänge und eine Hebammensprechstunde für werdende Eltern, die keine Hebamme gefunden haben. Rund 2400 Besucherinnen und Besucher hat das Familienzentrum im vergangenen Jahr gezählt.

Etwa 250 000 Euro braucht der Verein jedes Jahr. Nur rund 30 Prozent davon kommen aus öffentlichen Mitteln. Aber es gibt Unterstützung: Den größten Teil der Finanzen tragen Spenden von Privatleuten, Stiftungen, Service-Clubs und Firmen. Auch deshalb setzt der Kinderschutzbund auf Sichtbarkeit – und ein blaues Rad am Straßenrand soll bald auch in Tutzing jeden Tag daran erinnern, dass es diese Anlaufstelle gibt.

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Mitten im Herbstlaub, mitten im Ort: Ein blaues Rad in Söcking © Kinderschutzbund Kreisverband Starnberg

Termine im Überblick

Freitag, 13. November, ab 15 Uhr: Die ersten blauen Räder für Tutzing entstehen im Bauhof der Gemeinde in Unterzeismering.
Montag, 16. November, 16.45 Uhr: Gemeinde und Kinderschutzbund stellen das „Blaue Rad für Kinderrechte“ vor dem Rathaus Tutzing, Kirchenstraße 9, auf.

Weitere Räder sollen anschließend im Gemeindegebiet folgen. Wer die Aktion unterstützen möchte, etwa mit einem ausrangierten Fahrrad, oder Rat braucht, erreicht den Kinderschutzbund unter Telefon 08151 979999 oder über www.kinderschutzbund-starnberg.de.

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Kommentare

In Pöcking steht so ein blaues Schrottradl inkl Beschilderung seit geraumer Zeit vorm Eingang zur Grundschule & Schwimmbad.
Eigentlich ein belebter Ort; ein öffentlicher Spielplatz ist auch gleich nebenan.
Anfangs hat es sicherlich eine gewisse Aufmerksamkeit erregt ... Wos is'n dees?
Aber das war rasch vorbei.
Inzwischen bekommt es 0,0 Prozent Aufmerksamkeit, egal ob Kinder oder Erwachsene.
Wenn es eines Tages wieder entfernt wird, wird das auch keiner bemerken.