Die Artemed-Gruppe aus Tutzing übernimmt die Trägerschaft des Behandlungszentrums Kempfenhausen für Multiple Sklerose Kranke gGmbH mit der bekannten Marianne-Strauß-Klinik. Das ist heute bei einer Pressekonferenz bestätigt worden. Das Bundeskartellamt hatte dem Zusammenschlussvorhaben bereits vorab zugestimmt. Artemed an Marianne-Strauß-Klinik interessiert
Die Artemed-Gruppe setzt ihre Expansion damit fort. Seit ihrer Gründung 1990 hat sie sich gerade auch durch den Erwerb etlicher Krankenhäuser einen Namen als privater Klinikbetreiber gemacht. Inzwischen gehören zu ihr 19 Krankenhäuser in ganz Deutschland, darunter die in Tutzing und Feldafing, sowie zwei Krankenhäuser in China. Nach Angaben von Mitte vorigen Jahres sollen in der Gruppe mehr als 10 000 Personen beschäftigt sein. Weiter betreibt das „mittelständisch geprägte Gesundheitsunternehmen“ (Eigenbeschreibung) mit einer eigenen Stiftung medizinische Projekte in Myanmar, Tansania und Bolivien. Dr. Sándor Mohácsi, Geschäftsführer des Behandlungszentrums Kempfenhausen, verweist auf das stetige Wachstum der Artemed-Gruppe. Sie sei ein starker Partner, der den Fokus auf die lokale Verwurzelung seiner Häuser“ lege.
Das Behandlungszentrum Kempfenhausen wird durch die Übernahme privatisiert. Bisher gehörte die Trägergesellschaft der Einrichtung mehrheitlich der Landeshauptstadt München, kleinere Anteile hielten der Bezirk Oberbayern, das Kuratorium Wohnen im Alter und die Deutsche MS-Gesellschaft. Artened-Konzerngeschäftsführer Prof. Dr. Rainer Salfeld sagt, die Möglichkeit zur Übernahme sei nicht zuletzt auch der Landeshauptstadt München und dem Bezirk Oberbayern zu verdanken, die bisher mit zusammen 74 Prozent den Hauptanteil der Gesellschafterstruktur ausgemacht haben: „Dieses Vertrauen seitens zweier öffentlicher Institutionen entgegengebracht zu bekommen, ist wirklich eine Seltenheit.“
Insolvenzplan bestätigt
Wegen finanzieller Schwierigkeiten war beim Behandlungszentrum vor Monaten ein so genanntes Schutzschirmverfahren eingeleitet worden. In einem Insolvenzverfahren wurde gleichzeitig mit einer Sanierung der Einrichtung begonnen, für die die Kanzlei Eckert Rechtsanwälte in Hannover eingeschaltet wurde. Der Insolvenzplan sei bestätigt worden, berichtet Dr. Mark Boddenberg, Partner bei dieser Kanzlei. Er wertet dies als Beleg dafür, „wie wirkungsvoll konsequente Sanierungsarbeit und ein klarer Fokus auf tragfähige Lösungen sein können“.
Fortgeführt werden sollen auch umfangreiche Bauarbeiten, mit denen schon vor einigen Jahren begonnen wurde. Boddenberg bezeichnet die Artemed-Gruppe als „einen sehr etablierten Träger“, der die Zukunft der Klinik und des Pflegeheims langfristig sichern werde. Rechtsanwalt Markus Kohlstedt, Partner bei Eckert, sieht es als „starkes Signal für die Region und die Versorgung von MS-Patientinnen und Patienten“, dass die Einrichtung “geordnet und stabil“ auf Artemed übertragen werden könne.
Nach Angaben von Artemed werden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Behandlungszentrums Kempfenhausen „zu gewohnten Konditionen“ übernommen. Damit entstehe ein Netzwerk in der Gesundheitsversorgung neurologischer Patienten, das in der Region einzigartig sei, erklären die Verantwortlichen der Artemed-Gruppe. An den bestehenden Arbeitsverträgen aller Mitarbeitenden werde sich nichts ändern, versichern sie.
Die Strukturen der Marianne-Strauß-Klinik in der Behandlung Multiple Sklerose-Erkrankter passten „fantastisch“ zur Artemed-Gruppe, sagt Artemed-Geschäftsführer Dr. Max von Holleben. Artemed sei selbst mit den Benedictus-Krankenhäusern Tutzing und Feldafing im Bereich der Neurologie aus der Region rund um den Starnberger See kaum mehr wegzudenken. „Nun werden die Stärken gebündelt“, so Holleben. Insgesamt 35 Neurologen deckten künftig unter Führung von Prof. Dr. Dirk Sander und Prof. Dr. Ingo Kleiter hausübergreifend von Schlaganfall über Parkinson bis hin zur Multiplen Sklerose die Diagnostik, Akuttherapie und Rehabilitation aller Erkrankungen des zentralen und peripheren Nervensystems ab. Zudem würden zahlreiche Forschungsprojekte klinisch vorangetrieben, denn beide Experten seien in den wesentlichen Fachgesellschaften stark verankert. Damit entstehe rund um den Starnberger See ein Neurologisches Kompetenzzentrum, das in der Region einzigartig sei.
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