Geschichte
12.9.2021
Von vorOrt.news

Offene Denkmäler, geschlossene Villa

Verein gibt sich nicht geschlagen: Heute Gespräche neben Albers-Anwesen in Garatshausen

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Die Villa von Hans Albers in Garatshausen sorgt seit langer Zeit für Diskussionen © Kulturverein Garatshausen

Die Albers-Villa in Garatshausen ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das hat sich auch nicht dadurch geändert, dass sie seit vorigem Jahr unter Denkmalschutz steht. Am heutigen Sonntag aber steht sie beim „Tag des offenen Denkmals“ auf dem Programm. Das könnte wie eine kleine Sensation wirken. Aber wer genau hinsieht, entdeckt im Programm den Hinweis, dass das alte Gebäude nur von außen besichtigt werden kann. Eine geschlossene Albers-Villa also am Tag des offenen Denkmals. Das Tutzinger Schloss dagegen steht morgen allen für Besichtigungen offen. Tutzinger Schloss öffnet heute für alle

In dem Garatshausener Gebäude lebten einst der Schauspieler Hans Albers (1891-1960) und seine Lebenspartnerin Hansi Burg (1898-1975), von der er sich wegen ihrer jüdischen Herkunft zur Zeit des Nazi-Regimes trennte und die dann nach dem Zweiten Weltkrieg zu ihm zurückkehrte. Dass es ihr Anwesen in Garatshausen überhaupt beim Tag des offenen Denkmals ins Programm geschafft hat, ist ein Signal des Vereins „Respect und Remember e.V.“. Er scheint mit seinem Ziel zu scheitern, die Albers-Villa zu einem „deutsch-jüdischen Erinnerungsort“ zu machen. Denn die bayerische Staatsregierung als Eigentümerin des Grundstücks ist entschlossen, das Areal an die Technische Universität München zu übergeben, die dort einen Ort für ihre „Junge Akademie“ einrichten will.

Der Tag des offenen Denkmals kommt dem Verein nun gerade recht, noch einmal öffentlichkeitswirkam auf sein Vorhaben hinzuweisen. Am heutigenSonntag steht die Vereinsvorsitzende Gabriella Meros zu diesem Zweck in Garatshausen für Gespräche bereit. Mit dabei ist auch die Tutzinger SPD-Gemeinderätin Stefanie Knittl, die sich mit dem Buch „Häuser erzählen Geschichten“ einen Namen gemacht hat. https://www.villaknittl.de/ Um 11 Uhr, um 13 Uhr und um 15 Uhr finden die Gespräche statt - neben der Albers-Villa. Das wirkt wie eine Demonstration: Hinein darf der Verein nicht. Weiter läuft auch eine Online-Petition unter dem Titel „Rettet die Hans-Albers-Villa als Erinnerungs- und Begegnungsort“, mit der der Verein doch noch etwas zu erreichen hofft. 706 Unterschriften wurden bisher gezählt. http://chng.it/687xQt9Mwc

Universitäts-Konzept soll Tutzinger Akademien und Vereine einbeziehen

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Ein mit Reet gedecktes Bootshaus gehört zu dem Anwesen © Kulturverein Garatshausen

Die Technische Universität ist unterdessen mit der Ausarbeitung eines detaillierten Konzepts für die Nutzung der Albers-Villa beschäftigt. Mit einer solchen konkreten Planung hat sie die bayerische Staatsregierung beauftragt, nachdem der Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags vor einigen Wochen beschlossen hat, das Areal an die Universität zu übergeben. Gabriella Meros äußert sich „sehr irritiert“ darüber, dass dieser Beschluss gemeinsam von CSU, Freien Wählern, AfD und Grünen gefasst worden sei: „Das hat uns sehr verletzt, das können wir nicht verstehen.“

Die Diskussionen über eine Nutzung der Albers-Villa sind seit Jahrzehnten ein Dauerbrenner. Der Freistaat Bayern hatte das rund 20 000 Quadratmeter große Areal, das durch den Seeuferweg geteilt wird, in den 1970er Jahren von Hansi Burg erhalten. Eine damit verbundene Auflage gilt als unstrittig: Das Gelände sollte für die Allgemeinheit geöffnet werden. Doch dieser Auflage ist der Freistaat Bayern nie gerecht geworden. Zeitweise brachte er auf dem Areal einen Teil der staatlichen Fischereiverwaltung unter, doch der Bevölkerung blieb der Zugang verwehrt. Vor Jahren wollte der Freistaat das Anwesen verkaufen. Es gab namhafte Interessenten aus der hiesigen Region. Von ihren Verkaufsabsichten ist die Staatsregierung aber längst abgekommen.

Der Kulturverein Garatshausen, der mit einer Petition gegen den Verkauf gekämpft hatte, verbuchte dies als Erfolg. Mittlerweile soll die Immobilie in Staatseigentum bleiben, die Technische Universität soll die Nutzungsrechte erhalten. In die Nutzung der Villa soll auch eine Einbeziehung örtlicher Vereine und der beiden Tutzinger Akademien vorgesehen sein. Sowohl von der Akademie für politische Bildung als auch von der Evangelischen Akademie soll es hierfür positive Signale geben. Von weiteren hiesigen Vereinen außer dem Kulturverein sind bisher keine Interessensbekundungen bekannt.

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Kulturverein Garatshausen fordert Öffnung des Geländes für alle und Weg durch den Park

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Der Schauspieler Hans Albers hat die Villa 1933 erworben © Kurtheater Tutzing

Dem Kulturverein Garatshausen ist eine Beschränkung des öffentlichen Zugangs auf Veranstaltungen und auf Kooperationen mit Vereinen oder Akademien ist dem Kulturverein Garatshausen zu wenig. Er hält an seinen schon lange geäußerten Forderungen fest, das Gelände für die Allgemeinheit zu öffnen und einen Weg hindurch zu führen. Ein häufig vorgebrachter Verweis auf dort befindliche Biotope müsse dem nicht entgegenstehen, sagt Kapphan. Er sehe für öffentlichen Zugang keine Probleme: „Das ist nur eine Frage des guten Willens.“ Dafür zu sorgen, sagt Kapphan, sei Verantwortung der Gemeinde Feldafing. Ein Vorbild sieht er in der Gestaltung des Niederpöckinger Hotels La Villa. Demnächst erwartet der Kulturverein ein Gespräch mit dem zuständige Universitätsprofessor Arnulf Melzer über die weitere Entwicklung.

Gabriella Meros vom Verein "Respect & Remember" hält die Technische Universität nicht für den richtigen Partner. Bei ihr, kritisiert sie, werde das Anwesen einer kleinen Gruppe von Elitestudenten und Professoren vorbehalten bleiben. Sie sprichkt von einem „Badestrand für Ordinarien“. Ihr Verein dagegen, sagt sie, würde diesen Ort, wenn er zum Zuge käme, für alle öffnen. Es sei eine Nutzung für Kultur und Kunst vorgesehen, unter anderem mit der Münchner Filmhochschule als Kooperationspartner, womit man an die Lebensgeschichte von Hans Albers anknüpfe. „Wir wollen ja noch nicht mal Geld vom Staat“, sagt Meros, „wir wollen es selbst und mit privaten Sponsoren finanzieren.“ Im bisher bekannten Konzept der Universität vermisst sie auch die Zeit zwischen 1933 und 1945. Der Nationalsozialismus und der Antisemitismus kämen überhaupt nicht vor. „Es gibt nicht so viele Liebesgeschichten wie die von Hans Albers und Hansi Burg, die die Schoa überdauert hat.“ Mit dem TUM-Konzept werde ein Erinnerungsort verlorengehen, den wachsender Antisemitismus erfordere.

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Das neue Nutzungskonzept und bietet eine überzeugende Alternative und die Chance für eine Revision dieser Fehlentscheidung.
Ich hoffe dass die Vernunft höher wiegt als die Sturheit
(Bearbeitet)
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