Gemeindeleben
21.6.2026
Von vorOrt.news

Ein neues Begegnungszentrum in Tutzing

Die Ambulante Krankenpflege zieht ins Von Ehrlich Haus um und startet ein neues Projekt

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„Es ist eine Ehre, in einem solch schönen Gebäude arbeiten zu dürfen": Das Von-Ehrlich-Haus in der Traubinger Straße wird Begegnungszentrum und Verwaltungssitz der Ambulanten Krankenpflege © Ambulante Krankenpflege e.V.

Die Ambulante Krankenpflege Tutzing e.V. startet ein neues Projekt: Am 24. August 2026 eröffnet in Tutzing ein Begegnungszentrum, das Menschen in belastenden Lebenssituationen und ihren Angehörigen Unterstützung, Orientierung und neue Perspektiven bieten soll. Das hat Armin Heil, der Geschäftsführer der Ambulanten Krankenpflege, am Freitag in der Mitgliederversammlung bekanntgegeben.

Untergebracht wird das neue Zentrum im Von Ehrlich Haus, in dem die Familie von Ehrlich-Treuenstätt lebte und das zugleich erster Sitz der Verla-Pharm war. „Es ist eine Ehre, in einem solch schönen Gebäude arbeiten zu dürfen", sagte eine Mitarbeiterin bei der Besichtigung der neuen Räume.

Die Firmenchefin Gabriele von Ehrlich-Treuenstätt, die 2024 verstarb, wünschte sich ausdrücklich den Erhalt des Gebäudes für einen sozialen Zweck. Die von ihr 2022 gegründete Verla Stiftung. deren zweiter Vorsitzender Armin Heil ist, lässt das Haus grundsanieren und ermöglicht nun das Begegnungszentrum.

Parallel zur Eröffnung zieht auch die Ambulante Krankenpflege Tutzing e.V. selbst um: Ab dem 17. August 2026 sind die neuen Büroräume im 1. Stock des Begegnungszentrums in der Traubinger Straße 23 in Tutzing zu finden – ein Schritt, der die enge Kooperation zwischen Pflegedienst und Begegnungszentrum unterstreichen soll.

Menschen mit leichten psychischen Störungen, Depressionen und frühem Demenz-Stadium im Fokus

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Armin Heil freute sich sichtlich, den Mitgliedern die neuen Pläne erläutern zu können © L.G.

Im Fokus des neuen Begegnungszentrums stehen Menschen mit leichten psychischen Störungen, etwa Depressionen, sowie Personen im frühen Stadium einer dementiellen Erkrankung. Mit strukturierten Tagesangeboten will die Einrichtung Stabilität geben und Selbstständigkeit fördern – auch für Menschen, die zwar Unterstützung benötigen, aber noch keinen Pflegegrad haben. Auch Angehörige sollen von Entlastungsangeboten wie der Verhinderungspflege profitieren.

Das Zentrum soll dienstags bis freitags von 9 Uhr bis 16.30 Uhr öffnen. Besuchstage können individuell gebucht werden. Geplant sind zehn feste Plätze sowie zwei Notfallplätze. Der Eigenanteil liegt bei 30 Euro pro Tag, in sozialen Härtefällen ist eine Befreiung möglich.

Als besonderer Baustein gilt das Projekt HOPE – Hoffnung und Perspektiven für Menschen mit Krebserkrankung. Jeden Montag soll HOPE einen geschützten Begegnungsraum bieten - mit Gesprächsrunden, Workshops zu Ernährung, Bewegung und Entspannung sowie Fachvorträgen zu psychoonkologischen Themen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Unterstützung von Brustkrebspatientinnen, etwa durch Kosmetikseminare, Perücken- und Kopftuchberatung oder Stilworkshops.

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„Wir sitzen alle in einem Boot'"

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Ein Beleg für hohe Wertschätzung: Der Saal des Roncallihauses war bei der Mitgliederversammlung voll besetzt © L.G.

Bei der Mitgliederversammlung war der Saal des Roncallihauses voll besetzt. Auch der Vorraum wurde für weitere Besucher geöffnet. Bürgermeister Ludwig Horn sah darin einen Beleg für hohe Wertschätzung: „Wir sitzen alle in einem Boot - eine Gemeinde trägt die Verantwortung dafür, dass man im Ort gut im Alter leben kann.“ Nach Angaben von Heil hat die Ambulante Krankenpflege derzeit 1030 Mitglieder. Wenn man rund 3000 Haushalte in Tutzing zugrundelegt, dann ist jeder dritte Tutzinger Haushalt Mitglied bei der Ambulanten Krankenpflege, sagte Vorstandsmitglied Dr. Thomas von Mitschke-Collande. 49 Neueintritten standen im vorigen Jahr 84 Austritte - meist durch Tod oder Umzug ins Pflegeheim – gegenüber. Heil hofft auf weitere neue Mitglieder, damit der Verein auch in Zukunft die Menschen versorgen kann.

Der Verein übernimmt viele wichtige Leistungen. 108 Mitarbeiter sowie 92 ehrenamtlich tätige Personen betreuen zahlreiche Klienten, sind bei Pflegenotrufen aktiv und übernehmen Pflegeberatungsbesuche in Tutzing, Bernried und Starnberg. Allein 126 300 Hausbesuche wurden 2025 gezählt. Zum reichhaltigen Tätigkeitsspektrum des Vereins gehören auch die betreuten Wohnanlagen in der Bräuhausstraße in Tutzing und in Bernried im Theresia-Petsch-Haus am Grundweiher, drei Tagespflegen in Tutzing, Starnberg und Bernried, der Trödelladen und die Kleiderstube im alten Pfarrsaal der Kirche St. Joseph in Tutzing und die Tutzinger Tafel Tischlein deck dich. Seit April wird zudem mit einer neuen Koordinationsstelle für Ehrenamtliche eine Nachbarschaftshilfe aufgebaut. Die Gemeinde Tutzing, die Stiftung Theresia Petsch und die Ambulante Krankenpflege arbeiten dabei zusammen, um ehrenamtliche Strukturen zu stärken.

Hoffnung, wo andere längst aufgeben würden

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Pfarrer Peter Seidel begrüßte die Gäste und auch besonders Schwester Theresa Zukic

Die Umsatzerlöse – das sind die Einnahmen für Pflege- und Betreuungsleistungen – haben im vergangenen Jahr die Planung mit 5,4 Millionen Euro überschritten, wie Mitschke-Collande berichtete. Als Grund dafür nannte er eine höhere Nachfrage nach Pflegeleistungen und auch höhere Vergütungen. Wegen gleichzeitig gestiegener Kosten ist nach seinen Angaben aber dennoch ein Verlust von 190 000 Euro entstanden. „Für viele Sozialeinrichtungen ist jetzt Schluss“, sagte er: „Die eine oder andere muss Insolvenz beantragen – aber wir haben das Glück, dass wir viele Unterstützer haben.“ Er zählte sie auf: die Gemeinde Tutzing, die Mitglieder mit ihren Beiträgen, Spender, den Förderverein Seestern und nicht zuletzt ein Vermächtnis in Höhe von 289 000 Euro. „Erben ist schön“, sagte Heil, „aber erben ist auch Arbeit und Verpflichtung.“ Finanziell hat es sehr geholfen: Trotz des operativen Defizits ist insgesamt ein positives Jahresergebnis von 460 000 Euro herausgekommen.

Im zweiten Teil der Versammlung gab es für die Mitglieder noch ein besonderes Schmankerl: Die Ordensschwester Theresa Zukic, die durch Fernsehauftritte, Musicals und Bücher bekannt ist, hielt einen Vortrag. „Lebe, lache, liebe“ hat die Religionspädagogin, die "die deutsche Antwort auf Sister Act“ genannt wird, eines ihrer 29 Bücher genannt. Eines ihrer wichtigsten Ziele ist es, Hoffnung zu geben, wo andere längst aufgeben würden. Sie selbst hat eine Krebserkrankung überstanden. Für ihren Auftritt in Tutzing hat sie nach Angaben von Armin Heil eine dreistündige Anfahrt in Kauf genommen.

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