Light up! Leuchte auf! Mit einem förmlich strahlenden Motiv illustrierte ein am Rande der Lindlwiese befestigtes Bild ganz ohne Worte das neue Motto der Tutzinger Lichterkette. Entstanden ist dieses Gemälde in einem Workshop, den die evangelische Kirchengemeinde eigens zur Vorbereitung dieser Aktion abgehalten hatte. Auch viele andere ideenreiche Beiträge ganz unterschiedlicher Mitwirkender aus ganz Tutzing trugen dazu bei, dass das vor Monaten gesetzte Ziel eines neuen Formats für diese Veranstaltung eindrucksvoll erreicht wurde, die Freitag zum elften Mal stattfand.
Neben den Organisatoren von der Gemeinde Tutzing, der katholischen und der evangelischen Kirche beteiligten sich daran das Tutzinger Gymnasium, die Benedictus-Realschule, die Create Schools, die Grund- und Mittelschulen Tutzing und Traubing, der Chor Blue Notes, der Frauenbund Tutzing, die Musiker Susanne Mössinger und Klaus Nagel, der Ökumenische Unterstützerkreis Tutzing und der Tutzinger Jugendbeirat.
„Demokratie lebt von Gemeinschaft"
Die 16 Jahre alte Mia Neff, die seit kurzem stellvertretende Vorsitzende des Tutzinger Jugendbeirats ist., brachte auf den Punkt, was alle erkennbar bewegte: „Demokratie lebt von Gemeinschaft.“ Alle zusammen machten die „neue“ Lichterkette zur Attraktion. Das zeigte sich auch am Besuch: 300 oder 400 Menschen kamen am Freitagabend auf die Lindlwiese. Viele von ihnen hatten Lichter in den Händen, die sie auf Zuruf des Moderators, des Schauspielers Alexander Netschajew, auch immer wieder in die Höhe hielten. Feuerschalen und Stände mit ideenreichen Angeboten, mit Getränken und Speisen waren aufgebaut worden. Am Schluss bildeten viele von denen, die gekommen waren, auf der Lindlwiese einen Lichterkreis. Eine Drohne stieg in die Höhe, um von oben aus die leuchtenden Signale in Bildern und mit einem Film festzuhalten. Beide Kirchen läuteten dazu.
Unterschiedlichste Beiträge in Worten und Musik
Das Plädoyer für gemeinsames Engagement wurde mehr als eine Stunde durch unterschiedlichste Beiträge in Worten und Musik bekräftigt. Ein Lied mit dem Titel „Light up“, das die Ukulele-Klasse der Realschule vortrug, war sogar eigens für diese Veranstaltung geschrieben worden. Auch viele Menschen im Publikum sangen mit, besonders bei bekannten Songs wie „We are the world“ von Michael Jackson und Lionel Richie oder „This land is your land“ von Woody Guthrie.
Bei jeder der elf Tutzinger Lichterketten war Udo Hahn dabei, der Direktor der Evangelischen Akademie Tutzing. Auch diesmal hielt er wieder die Hauptrede. „Die 11. Lichterkette ist ein Fest der Bürgerinnen und Bürger Tutzings“, sagte er, "um ein leuchtendes Zeichen zu setzen.“ Um unübersehbar hervorzuheben, was allen gemeinsam wichtig sei, „ob wir hier geboren oder zugereist sind, welcher Nationalität oder Religion wir angehören: Frieden, Freiheit, Demokratie, Hoffnung, Respekt, Glaube, Toleranz und Miteinander.“
Hahn: „Integration gelingt durch mehr Angebote und nicht durch weniger"
Das alles erlebten die Menschen hier zu Lande als selbstverständlich, sagte Hahn. Nachdrücklich erinnerte er aber daran, dass das in Deutschland nicht immer so war: „In der Diktatur des Nationalsozialismus gab es nichts von dem, was wir heute ganz selbstverständlich haben.“ Damals habe es keinen Frieden, keine Freiheit, keine Demokratie, keine Hoffnung, keinen Respekt gegeben: „Menschen wurden wegen ihres Glaubens verfolgt, es gab keine Toleranz und kein Miteinander.“
Nur die Demokratie garantiere Vielfalt, betonte der Akademiedirektor, dass sich Menschen in aller Freiheit in Vereinen, Kirchen, Verbänden, Parteien, Bürgerinitiativen engagieren könnten. "Autokratien und Diktaturen dagegen entscheiden, was die Menschen – noch – dürfen“, warnte Hahn: „Erst schränken sie die Justiz ein und stellen sich selbst über das Gesetz, dann diffamieren sie öffentlich-rechtliche und private Medien, schließlich zerstören sie die Zivilgesellschaft, Kunst und Kultur.“
Die Tutzinger Lichterkette ist für Hahn wie ein Signal: Die Menschen setzten ein Zeichen und stellten heraus, was ihnen gemeinsam wichtig sei. „Mit unserem Engagement als Bürgerinnen und Bürger, als Menschen, die an diesem Ort zusammenleben, entscheiden wir, wie stark unsere Demokratie ist“, sagte er. „Und wir entscheiden am 8. März in der Kommunalwahl, wie stark unsere Demokratie hier bleiben wird“, fügte er hinzu, „wenn wir jenen unsere Stimme geben, die das Miteinander fördern und die Teilhabe-Möglichkeiten.“
Ausdrücklich bezog Hahn dabei die nach Deutschland gekommenen Menschen aus anderen Ländern ein. Die Demokratie lade dazu ein, sich in die offene Gesellschaft einzubringen. Das klappe umso besser, je leichter es sei, die deutsche Sprache erlernen zu können: „Integration gelingt durch mehr Angebote und nicht durch weniger.“ Er sei fest davon überzeugt, dass sich durch kluge Förderung der Zivilgesellschaft hier viel zum Guten bewirken ließe.

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