Tutzings Ehrenbürgerin Dr. Marianne Koch bekommt eine weitere hohe Auszeichnung. Der Bayerische Landtag verleiht ihr den Bayerischen Verfassungsorden 2026. Das hat das Parlament heute bekannt gegeben. Gewürdigt werden damit ihre Verdienste um das Gesundheitswesen als Medizinjournalistin, Autorin und Moderatorin. Landtagspräsidentin Ilse Aigner überreicht den Orden am Donnerstag, 3. Dezember, im Senatssaal des Maximilianeums in München. Insgesamt werden in diesem Jahr 48 Persönlichkeiten aus ganz Bayern ausgezeichnet.
Medizin, die jeder versteht
Die Begründung des Landtags zielt auf das, was Marianne Koch seit Jahrzehnten auszeichnet: Sie kann Medizin so erklären, dass man sie versteht. Die gebürtige Münchnerin hatte von 1985 bis 1997 eine eigene Praxis am Münchner Ostbahnhof. Danach brachte sie Gesundheitsthemen über viele Jahre einem großen Publikum nahe, vor allem im „Gesundheitsgespräch“ auf Bayern 2, außerdem in zahlreichen Büchern und Vorträgen. Viele Menschen schätzen ihre Ratschläge, weil sie fundiert sind und gut in den Alltag passen.
Bekannt geworden war sie zunächst als Schauspielerin. Sie stand in mehr als 70 Filmen vor der Kamera, an der Seite von Stars wie Curd Jürgens, Heinz Rühmann oder Clint Eastwood, und gehörte zum Rateteam von Robert Lembkes Fernsehquiz „Was bin ich?“. Sie selbst spricht über diese Zeit eher zurückhaltend, wie über ein Erlebnis aus einem früheren Leben. Für die Medizin hat sie die Filmkarriere bewusst hinter sich gelassen.
Seit mehr als 50 Jahren in Tutzing zu Hause
Tutzing ist seit 1973 ihre Wahlheimat und ihr Ruhepol. Sie wohnt oberhalb der Siedlung am Höhenberg, direkt am Weg hinauf zur Ilkahöhe, und mischt sich bis heute ins Ortsgeschehen ein. In den 1970er-Jahren engagierte sie sich in der Bürgerinitiative gegen den Abriss des Midgardhauses. Auch bei den Protesten gegen eine große Mülldeponie nahe Monatshausen war sie dabei. Im Freundeskreis der Ambulanten Krankenpflege wirkt sie seit Jahren aktiv mit und hat dort auch schon Vorträge mit Gesundheitstipps gehalten.
Die Gemeinde hat ihr dafür 2023 ihre höchste Auszeichnung verliehen, die Ehrenbürgerwürde. Im Oktober 2024 war sie Ehrengast bei der Eröffnung des neuen Bürgerkinos im Kulturtheater, mit Film und Gespräch. Im August feierte sie ihren 95. Geburtstag. Eines ihrer Bücher heißt „Alt werde ich später“, und wer sie erlebt, merkt, dass sie das genau so meint. Anlässlich ihres Geburtstags wurde im Fernsehen eine Seite von ihr gezeigt, die kaum jemand kennt: Als Zeitzeugin berichtet sie von den dramatischen Auswirkungen der NS-Diktatur auf ihre Familie. Die Dokumentation ist in der ARD-Mediathek zu sehen. https://www.ardmediathek.de/video/abendschau/marianne-koch-tv-dokumentation-zum-95-geburtstag/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAyNVdPMDE3NjMxQTAvc2VjdGlvbi80Njg4MmUwYS1hMzZiLTQ1MjQtYWI0MC1hZmZmN2NjY2M5ZTY
Von Anne-Sophie Mutter bis zum Notarzt aus Icking
Unter den weiteren Ausgezeichneten sind viele bekannte Namen: die Violinistin Anne-Sophie Mutter, die Sängerin Diana Damrau, die Filmemacherin Doris Dörrie, der Regisseur Marcus H. Rosenmüller, der Komponist Harold Faltermeyer sowie die Kabarettisten Luise Kinseher, Volker Heißmann und Martin Rassau. Aus dem Sport werden die Dressurreiterin Jessica von Bredow-Werndl und der Nordische Kombinierer Johannes Rydzek geehrt. Für ihren Einsatz für Demokratie und Erinnerungsarbeit erhalten Herzog Franz von Bayern und die Historikerin Mirjam Zadoff den Orden.
Geehrt wird auch Georg Anastadiadis, der langjährige Chefredakteur des "Münchner Merkur", den viele in Tutzing noch aus seiner Zeit beim "Starnberger Merkur" kennen. Auch aus der Nachbarschaft sind Persönlichkeiten dabei. Die ehemalige Landtagsabgeordnete Renate Dodell aus Weilheim wird vor allem für ihre Verdienste um die Hospizarbeit geehrt. Hannelore Schmitt-Luginger aus Gilching erhält den Orden für ihr ehrenamtliches Engagement für die Hauswirtschaft und für Seniorinnen und Senioren. Der Ickinger Notarzt Dr. Christoph Preuss wird für sein ehrenamtliches medizinisches, humanitäres und kommunalpolitisches Wirken ausgezeichnet. Die Liste aller 48 Ausgezeichneten mit den Begründungen des Landtags gibt es hier: Von Anastasiadis bis Zadoff
Landtagspräsidentin Aigner betont die Bandbreite der Geehrten: „Von der Erinnerungsarbeit über das soziale Engagement bis hin zu Kultur und Sport – der Einsatz für unsere Gesellschaft kann unterschiedlicher kaum sein. Die ausgewählten Persönlichkeiten stehen seit Jahren glaubhaft für die Werte unserer Verfassung. Mit ihrer Auszeichnung wollen wir zeigen: Die Demokratie lebt von uns allen!“
Ein seltener Orden mit 65 Jahren Geschichte
Mit dem Verfassungsorden ehrt der Landtag Bürgerinnen und Bürger, die sich in besonderer Weise für die Werte der Bayerischen Verfassung einsetzen. Landtagspräsident Rudolf Hanauer stiftete die Auszeichnung am 1. Dezember 1961, damals noch als Bayerische Verfassungsmedaille. Seit 2021 wird sie als Bayerischer Verfassungsorden in einer einzigen Klasse verliehen. Die Verleihung findet traditionell in der Woche des bayerischen Verfassungstags statt.

Kommentar hinzufügen
Kommentare