Gemeindeleben
24.10.2026
Von vorOrt.news

„Schwester Josefa hat Tutzing ein Stück menschlicher gemacht“

Bürgermeister Horn: Das Herzstück unserer Gemeinde trägt nun ihren Namen

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Der Josefaplatz wurde am Freitag feierlich eingeweiht. Der Name von Schwester Josefa Knab stehe für Nächstenliebe, Verantwortung, Tatkraft und Menschlichkeit, sagte Bürgermeister Ludwig Horn (2.v.re.). © SG

Der „Josefaplatz“ ist am Freitag eingeweiht worden. Er ist nach Schwester Josefa Knab benannt, die über Jahrzehnte die Ambulante Krankenpflege geleitet hat und mit bald 105 Jahren hochgeehrt in Tutzing lebt.

„Schwester Josefa hat unseren Ort über Jahrzehnte nicht nur gepflegt und versorgt“, sagte Bürgermeister Ludwig Horn bei der Einweihung: „Sie hat sich um Menschen gekümmert, ihnen beigestanden und Tutzing damit ein Stück menschlicher gemacht. Heute trägt das Herzstück unserer Gemeinde ihren Namen. Und mit diesem Namen verbinden wir weit mehr als eine Erinnerung an eine verdiente Mitbürgerin. Wir verbinden damit Nächstenliebe, Verantwortung, Tatkraft und Menschlichkeit.“

Hier die Rede von Bürgermeister Ludwig Horn zur Einweihung des Josefaplatzes im Wortlaut:

„Man kann ein ganzes Leben lang Verantwortung für andere tragen und dabei trotzdem ein Lächeln im Gesicht behalten“

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Ein Leben für Tutzing: Schwester Josefa Knab © Ambulante Krankenpflege e.V.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Tutzingerinnen und Tutzinger,

ich darf Sie alle ganz herzlich zu diesem wirklich schönen Anlass begrüßen. Besonders begrüßen möchte ich die Priorin, Schwester Rachel, und die Mitschwestern der Missions-Benediktinerinnen sowie unsere Pfarrer Beate Frankenberger und Peter Seidel.

Wir leben in einer Zeit, in der die Benennung von Straßen und Plätzen längst keine reine Formsache mehr ist. Denn wenn ein Platz den Namen eines Menschen trägt, ist das immer auch eine Aussage: Woran wollen wir uns erinnern? Wem wollen wir ein dauerhaftes Andenken bewahren? Und welche Werte sollen mit diesem Ort verbunden sein?

Auch wir im Tutzinger Gemeinderat haben uns vor einigen Monaten mit diesen Fragen beschäftigt. Und natürlich gab es viele gute und naheliegende Vorschläge. Am Ende aber stand ein Name, über den wir uns, wie ich finde, glücklich schätzen können. Denn wir haben das Herzstück unserer Gemeinde nach einer Frau benannt, die selbst über Jahrzehnte ein Herzstück unseres Ortes war.

Dieser Platz trägt ab heute den Namen von Schwester Josefa Knab. Einen pasenderen Namen hätten wir kaum finden können. Auf dem Schild, das künftig an sie erinnert, stehen wenige, bewusst gewählte Worte:

„Schwester Josefa Knab, geboren 1921 – Missions-Benediktinerin und Leiterin der Ambulanten Krankenpflege Tutzing, im Dienst am Nächsten.“

Eine kurze Beschreibung. Und doch steckt dahinter ein ganzes Leben – ein Leben voller Hingabe, Tatkraft und Menschlichkeit.

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„In deinem Namen, Herr, bleibe ich in Tutzing"

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Gemütliches Ambiente mit Baustelle im Hintergrund: Ganz fertig war heute noch nicht alles rundherum, aber auf dem ansehnlich gestalteten Platz wurde die Einweihungsfeier bereits zum Treffpunkt © SG

Lassen Sie uns deshalb einen Blick auf den Menschen werfen, dessen Name künftig mitten im Herzen Tutzings zu lesen sein wird. Josefa Knab wurde am 18. November 1921 auf einem Bauernhof an der Donau geboren, als viertes von dreizehn Geschwistern. Ihre Kindheit war nicht einfach. Ihre Mutter starb früh nach einer Operation, und Josefa half ihrer älteren Schwester, den Haushalt für die große Familie zu führen.

Schon als Kind machte sie selbst Erfahrungen mit Krankheit und Pflege. Wegen eines Abszesses musste sie behandelt werden. Die Schwestern, die sich damals mit so viel Können und Menschlichkeit um sie kümmerten, beeindruckten sie tief. Aus dieser Erfahrung wurde ein „stiller Wunsch“, wie sie später sagte. Sie besuchte die Krankenpflegeschule in Ravensburg und lernte dort auch das klösterliche Leben kennen. Nach Kriegsende bewarb sie sich bei den Missions-Benediktinerinnen in Tutzing.

Ihre Anreise im Jahr 1946 war bereits ein kleines Abenteuer. Wegen der zerstörten Donau-Brücken musste ihr Vater sie unter großen Umwegen zum Bahnhof bringen. Zuvor hatte sie wochenlang auf einen Passierschein warten müssen.

Kurz nach ihrer Ankunft in Tutzing zog es sie zunächst eigentlich wieder in die Ferne: auf die Philippinen, in die Mission. Den weißen Habit der Missionarinnen hatte sie bereits anprobiert. Doch dann wurde sie gebeten, die Ambulante Krankenpflege in Tutzing zu übernehmen. Und sie traf eine Entscheidung, die unseren Ort für Jahrzehnte prägen sollte: „In deinem Namen, Herr, bleibe ich in Tutzing.“

Was für ein Satz. Und was für eine Fügung, dass Schwester Josefa fast am selben Tag geboren wurde, an dem im Jahr 1921 der Verein Ambulante Krankenpflege Tutzing gegründet worden war.

Krankenschwester, Köchin, Putzfrau, Chauffeurin und Nachtwache in einer Person

1952 übernahm sie offiziell die Leitung. Die Ausstattung war überschaubar: ein Schrank und ein Fahrrad. Fünf Jahre lang fuhr sie damit durch Tutzing und die umliegenden Orte, zu alten Menschen, Kranken und Familien, die ihre Hilfe brauchten. Dann kamen ein Moped und später eine Isetta. Für einen VW Käfer reichte das Geld des Vereins zunächst nicht. Also schrieb Schwester Josefa vierzig Briefe an Tutzinger Geschäftsleute, Unterstützer und den damaligen Bürgermeister. Das Geld kam zusammen, der Käfer konnte angeschafft werden. Sogar eine Sitzheizung bekam er – nachdem Schwester Josefa sich auf einer ihrer Touren völlig durchnässt hatte und an einer Lungenentzündung erkrankt war.

Solche Geschichten erzählen von Einfallsreichtum und Tatkraft. Doch sie lassen allenfalls erahnen, was Schwester Josefa tatsächlich geleistet hat. Sechzehn Stunden Dienst am Tag waren keine Seltenheit. Sie versorgte alte Menschen, Kranke und Sterbende, brachte Kranken die Kommunion, organisierte ehrenamtliche Helferinnen, verwaltete eine Mitgliederkartei mit hunderten von Namen und kümmerte sich um Hinterbliebene.

Pfarrer Hans Marquard beschrieb sie einmal als Krankenschwester, Köchin, Putzfrau, Chauffeurin und Nachtwache in einer Person. Und das alles für ein Entgelt, das teilweise gerade einmal 30 Pfennig pro Einsatz betrug. Die Tutzingerinnen und Tutzinger wussten allerdings sehr wohl, was sie an ihr hatten. Eine Familie schenkte ihr einen warmen Wintermantel, eine Metzgersfrau brachte ihr manchmal eine Suppe mit Ei. Und wenn Schwester Josefa im Winter zu Fuß unterwegs war, nahmen Kinder sie sogar auf ihrem Schlitten ein Stück mit.

Von einer Ein-Frau-Fahrrad-Institution zu einem erfolgreichen Pflegeunternehmen

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Auch Bischof Bertram Meier verwendete die Bezeichnung "Engel von Tutzing"beim 100-jährigen Bestehen der Ambulanten Krankenpflege 2021. In der Mitte Schwester Josefa, rechts Maria-Birgit Baur, eine ihrer Nachfolgerinnen. © L.G.

Das sind kleine Geschichten, die viel über unsere Gemeinde erzählen. Vor allem aber erzählen sie von einer Frau, für die es nie allein um die Erledigung einer Aufgabe ging. Es ging um Menschen.

Als Tutzing von rund 2000 auf fast 7000 Einwohner wuchs, wuchsen auch die Aufgaben der Ambulanten Krankenpflege. Schwester Josefa reagierte pragmatisch und tatkräftig: Sie ließ beim Bürgermeister aushängen, dass Frauen für die häusliche Krankenpflege ausgebildet werden konnten. Sechzehn Frauen meldeten sich.

35 Jahre lang trug sie die Verantwortung, bevor sie diese 1983, am Elisabethtag, dem Gedenktag der Patronin der Nächstenliebe, an Schwester Gertrud Banz übergab. Diese stellte rückblickend fest, Schwester Josefa habe das Gesicht der Ambulanten Krankenpflege geprägt wie keine Zweite. Viele Menschen nennen sie bis heute den „Engel von Tutzing“. Auch Bischof Bertram Meier verwendete diese Bezeichnung beim 100-jährigen Bestehen der Ambulanten Krankenpflege. Die Gemeinde Tutzing verlieh ihr die Bürgermedaille. Und Geschäftsführer Armin Heil brachte ihre Bedeutung für die Pflege auf den Punkt: Schwester Josefa verkörpere deren Entwicklung – von einer Ein-Frau-Fahrrad-Institution zu einem erfolgreichen Pflegeunternehmen mit heute rund hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Diese Entwicklung geht weiter. Erst vor wenigen Tagen ist die Ambulante Krankenpflege in ihr neues Zuhause im Von-Ehrlich-Haus eingezogen. Ein neues Haus, eine neue Zeit, neue Herausforderungen. Aber das Fundament bleibt dasselbe: auch jenes, das Schwester Josefa über 35 Jahre hinweg gelegt hat. Daran zeigt sich, dass ein Lebenswerk nicht endet, wenn man eine Aufgabe abgibt. Es wirkt weiter – in den Menschen, in einer Einrichtung und in einer ganzen Gemeinde.

Auch Schwester Josefa selbst ist dem Leben und den Menschen bis heute zugewandt geblieben. Noch mit über hundert Jahren geht sie, so gut es ihr möglich ist, täglich einmal um die Turnhalle auf dem Klostergelände. Sie schaut nach dem Rechten, freut sich, wenn es den Schülerinnen und Schülern gut geht, und ist zur Stelle, wenn eine Mitschwester Hilfe braucht.

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Herzstück der Gemeinde: Der Josefaplatz von oben am Tag des Richtfests beim Neubau des Unternehmens Wilma gegenüber © L.G.

Heute trägt das Herzstück unserer Gemeinde ihren Namen

Zum Schluss möchte ich auf etwas zu sprechen kommen, das für mich vielleicht die schönste Seite dieser Geschichte ist. Zu ihrem 100. Geburtstag wurde Schwester Josefa in einem Radiointerview auf ihr schelmisches, warmes Lächeln angesprochen – jenes Lächeln, das so viele Menschen mit ihr verbinden. Sie erzählte von ihrer Arbeit, von ihrer Verantwortung und von den vielen Jahren in Tutzing. Und sie machte deutlich: Diese Arbeit hat sie nie bedrückt. Sie hat sie immer mit Freude getan.

Vielleicht liegt darin die größte Botschaft ihres Lebens. Dass Verantwortung und Freude keine Gegensätze sein müssen. Dass man für andere da sein kann, ohne das eigene Lächeln zu verlieren. Und dass ein Leben, in dem man viel gibt, dadurch nicht ärmer, sondern reicher werden kann.

Schwester Josefa hat unseren Ort über Jahrzehnte nicht nur gepflegt und versorgt. Sie hat sich um Menschen gekümmert, ihnen beigestanden und Tutzing damit ein Stück menschlicher gemacht.

Heute trägt das Herzstück unserer Gemeinde ihren Namen. Und mit diesem Namen verbinden wir weit mehr als eine Erinnerung an eine verdiente Mitbürgerin. Wir verbinden damit Nächstenliebe, Verantwortung, Tatkraft und Menschlichkeit.

Möge dieser Platz noch vielen Generationen erzählen, wer Schwester Josefa Knab war und was sie für Tutzing bedeutet. Und möge er uns daran erinnern, dass man ein ganzes Leben lang Verantwortung für andere tragen kann – und dabei trotzdem ein Lächeln im Gesicht behalten kann.

Vielen Dank!

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