Gemeindeleben
30.8.2025
Von vorOrt.news

Über alle Sprachgrenzen hinweg

Seit 1975 sind zwischen Menschen aus Tutzing und Bagnères viele Freundschaften entstanden - und sogar eine Ehe

Bagneres-Tutzing7.png
Anzeige
Webrug_1_EDEKA_HEISS.gif
Bagn-res2.png
Malerische Ansichten zweier Partner: Diese Karte hat der Grafiker Helmut E. Grund (1941-2020) gestaltet, der in Tutzing gelebt hat

Viele Menschen aus Tutzing und Bagnères de Bigorre haben sich gut kennengelernt, seit die beiden Kommunen am Starnberger See und am Fuß der Pyrenäen vor genau 50 Jahren ihre Partnerschaft beschlossen haben. Die Vorsitzende des Freundeskreises Tutzing-Bagnères-Balatonkenese, Stefanie von Winning, hat einmal schmunzelnd von Spaziergängen mit dem langjährigen Gemeinderat und Kulturreferenten Hubert Hupfauf über den Markt von Bagnères-de-Bigorre erzählt: „Da kommt man nicht weiter – an jeder Ecke gibt es ein Hallo.“

Seit Donnerstag weilen 24 Mitglieder einer Delegation aus Bagnères de Bigorre in Tutzing, um das 50-jährige Bestehen der Partnerschaft zu feiern. Die Gäste werden wieder in Familien untergebracht. Dieses Konzept hat sich bewährt: Viele Freundschaften sind so entstanden – und sogar eine Ehe. Bis zum Dienstag dauert der mit vielen attraktiven Aktivitäten verbundene Besuch.

Den Anstoß für diese Partnerschaft hatte 1974 der Tutzinger Otto Feldhütter gegeben, nachdem er in Frankreich als Austauschlehrer tätig gewesen war. In der Gemeinde war die Partnerschaft zunächst umstritten. Die Rathausverwaltung sprach sich aus finanziellen Gründen für eine Ablehnung aus, im Gemeinderat stimmten erst neun Mitglieder gegen und neun für diesen Schritt. Der damalige Bürgermeister Dr Alfred Leclaire setzte sich mit eindringlichen Plädoyers für die Partnerschaft durch. Mit dem damaligen Bürgermeister von Bagnères de Bigorre, André de Boysson, besiegelte er 1975 die Partnerschaft. Bei einer Feier im selben Jahr in Tutzing hielt de Boysson seine Ansprache in deutscher Sprache. Der erste Vorsitzende des für die Partnerschaft zuständigen Freundeskreises wurde Otto Feldhüters Bruder, der spätere Vizebürgermeister Karl Feldhütter.

Bagn-res-Tutzing.png
Begnères de Bigorre und Tutzing stellen sich vor: Präsentationen in der Festschrift zum 40-jährigen Partnerschaftsjubiläum

"Die Freundschaft zwischen den einst verfeindeten Nachbarn grenzt ans Wunderbare“

Bagneres-40-Festschrft-3.jpg
1975 besuchten die Gemeinderatsmitglieder des Tutzinger Fremdenverkehrs- und Kulturausschusses erstmals Bagnères de Bigorre © Alois Weiß / Festschrift zum 40-jährigen Partnerschaftsjubiläum

Der spätere, 2013 verstorbene Bürgermeister von Bagnères, Rolland Castells, sagte bei einem Festakt zum 25-jährigen Partnerschaftsjubiläum 2001: „Wegen des geschichtlichen Zusammenhangs zwischen unseren beiden Ländern und der Tragödien unserer Geschichte ist die Partnerschaft von größter Bedeutung.“ Castells rief damals dazu auf, der Jugend Ideale und Ziele zu vermitteln: „Europa zu gestalten heißt nicht, unser Schicksal einigen Technokraten zu überlassen und unsere kulturellen Besonderheiten und Traditionen aufzugeben.“ Europa müsse die Solidarität und Toleranz der Völker fördern, der Garant für den Frieden sein und „der gefährlichen Globalisierung Grenzen setzen“.

Die Freundschaft zwischen den einst verfeindeten Nachbarn grenze „ans Wunderbare“, schrieb Leclaire in einer Jubiläumsfestschrift. Der heutige Tutzinger Bürgermeister Ludwig Horn sagte beim Deutsch-Französischen Tag im vorigen Jahr: „Seit einem halben Jahrhundert verbindet die beiden Gemeinden am Starnberger See und in den französischen Pyrenäen eine lebendige Freundschaft.“ Diese Partnerschaft symbolisiere den europäischen Geist der Völkerverständigung und des kulturellen Austauschs: „Zahlreiche gegenseitige Besuche, kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen zwischen Bürgern haben diese Verbindung geprägt und gestärkt.“ Sichtbare Beispiele sind beispielsweise ein „Square de Tutzing“ in Bagnères und ein „Bagnère-de-Bigorre-Park“ in Tutzing.

Die oft nach wie vor bestehenden Sprachbarrieren haben engen Kontakten nicht im Wege gestanden. So hat Peter Lederer, von 1996 bis 2008 Tutzinger Bürgermeister, trotz nach eigenem Bekunden nicht allzu guter Französisch-Kenntnisse eine enge Freundschaft mit Rolland Castells gepflegt. "Zum Teil mit Händen und Füßen" seien die Gespräche oft gelaufen, erzählte die Tutzingerin Marianne Schüler (1928-2020) einmal, die oft mit ihrem Mann Rudolf in Frankreich dabei war. Andere haben sich leichter getan, so der Historiker, frühere Schulleiter und ehemalige Gemeinderat Dr. Toni Aigner, der mit seiner Frau Gisela oft in Bagnères-de-Bigorre war: Er hat im Studium Französisch gelernt.

Festliches Jubiläumsprogramm in Tutzing bis Dienstag

Bagneres-40-Festschrft-7.jpg
Die Urkunde der Partnerschaft

Bis zum kommenden Dienstag, dem 2. September werden die Besucher aus Südfrankreich in Tutzing bleiben. Das umfangreiche Programm reicht von einem Festakt und einem Festabend, die beide am Samstag stattgefunden haben, über einen Ausflug nach Kloster Ettal und Schloss Linderhof bis zu einer Schifffahrt auf dem Starnberger See, einem Besuch im Biergarten und einerf Gedenkzeremonie am Kriegerdenkmal im Bleicherpark.

Immer wieder gab es auch schon Überlegungen zu einer Vertiefung der Partnerschaft. So sprach die frühere Tutzinger Bürgermeisterin Marlene Greinwald bei einem Besuch in Südfrankreich mit dem ersten Bürgermeister von Bagnères, Claude Cazabat, und der deutschen Generalkonsulin in Bordeaux, Stefanie Zeidler, über Möglichkeiten zum Ausbau des Tourismus. Die Tutzinger ließen sich auch das Freizeitzentrum Aquensis mit seinem Thermalbad zeigen. Bei einem Besuch des Tutzinger Jugendbeirats in Bagnères de Bigorre ist sogar eine Art Stufenplan entwickelt worden, der zunächst die offensichtlichsten Gemeinschaften fördern solle – mit Kontakten zwischen den Sportvereinen, zwischen den Schulen zwischen den örtlichen Betrieben. Im Gespräch waren auch schon Praktika zwischen den Partnergemeinden.

ID: 8037
Über den Autor

vorOrt.news

Kommentar hinzufügen

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.