Gemeindeleben
21.10.2017
Von Lorenz Goslich

"Kleiderbad" hat nur noch kurze Frist

An diesem Wochenende läuft die Suche nach Lösungen für die Brandopfer aus dem Beringerweg weiter. Das "Kleiderbad" steht unterdessen vor dem endgültigen Aus. Wegen des Brandschutzes kann die Einrichtung bald nicht mehr genutzut werden.

Am Freitag hat es um die Nutzung der Halle einige Irritationen gegeben. Die ehrenamtlichen Organisatoren haben alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den durch einen Hausbrand am Beringerweg obdachlos gewordenen Menschen schnell zu helfen - doch plötzlich sah es so aus, als könnten sie das ehemalige Hallenbad doch nicht für diesen Zweck nutzen.

Kurz nach Freitagmittag erhielten sie eine Nachricht von der Gemeindeverwaltung, dass das Ex-Bad aus Brandschutzgründen nicht geöffnet werden dürfe. Allgemeine Verunsicherung war die Folge. Denn alles war schon organisiert, die Bürger waren gebeten worden, Kleidung und alles für den Hausrat im alten Bad abzugeben.

Brand5.jpg
Bald Vergangenheit: Viel ehrenamtliche Hilfe im © L.G.
Anzeige
Webrug_1_EDEKA_HEISS.gif

Behörden machen Ernst: Erst die alte Schule - nun das Ex-Hallenbad

Mitorganisatorin Angelika Pfaffendorf ist auch deshalb irritiert, weil sie von der Gemeinde selbst vor ein paar Tagen gebeten worden sei, den Brandopfern mit dem "Kleiderbad" zu helfen. In der Gemeinde wiederum ist allerdings mittlerweile Kritik zu hören, die ehrenamtlichen Helfer organisierten allzu viel eigenmächtig.

Nach vielem Hin und Her kam dann am Freitag doch noch eine kleine Entwarnung von der Gemeinde: Eine Woche könne das Bad noch genutzt werden. Die strengen Auflagen wegen des Brandschutzes seien vom Landratsamt gekommen, so wurde es nach Angaben der Organisatoren erläutert. Die Kreisbehörde hatte erst vor wenigen Tagen bewiesen, wie ernst es ihr mit diesem Thema ist, und plötzlich das alte Schulhaus geschlossen, obwohl es für viele Aktivitäten genutzt wird (siehe Sperrung der alten Schule hat viele Folgen ).

Die ehrenamtlichen Organisatoren haben nun deshalb beschlossen, dass mit dem "Kleiderbad" in einer Woche wirklich endgültig Schluss sein soll. Obwohl es eigentlich schon vor längerer Zeit geschlossen worden war, hatte man nämlich einen kleinen Bestand an Kleidung noch zurückbehalten - für Notfälle. Tatsächlich soll es mittlerweile schon mehr als 20 solche Notfälle gegeben haben. Die Brandopfer vom Beringerweg sind der aktuellste von ihnen. Offenbar wird es auch der letzte sein.

Ehrenamtliche Helfer geben nicht auf

Trotz dieser Probleme geben die ehrenamtlichen Helfer nicht auf. Die obdachlos gewordenen Menschen benötigen praktisch alles fürs alltägliche Leben, denn sie können seit dem Brand in einem Mehrfamilienhaus am Beringerweg am vergangenen Sonntag nicht mehr in ihre Wohnungen. Gebraucht wird so ziemlich alles für die Wohnungseinrichtung: Betten, Bettwäsche und Kopfkissen, Wolldecken, Tische, Stühle und kleine Schränke, Plattenkocher, Kühlschränke, Heizgeräte, Bügeleisen, Wasserkocher, Geschirr und Besteck.

Inzwischen sind für mehrere der Betroffenen zumindest vorübergehend Wohnmöglichkeiten gefunden worden, so in einem Haus an der Kustermannstraße. Aber das reicht nicht aus. Es werden noch mehr Wohnungen benötigt. Zudem steht ein Haus in Traubing, das demnächst abgerissen werden soll, nun doch nicht zur Verfügung. Alle Hebel werden jetzt in Bewegung gesetzt, um andere Lösungen zu finden. Auch Häuser der Pfarrgemeinden in Tutzing und den Nachbarorten sind im Gespräch.

Autos für den Transport und Helfer benötigt - hier die Kontakte

Das Kleiderbad dient nur als Zwischenlager. Bis zum Montag hoffen die Helfer in Kontakt mit den jeweiligen Vermietern mehr Informationen darüber zu haben, wo die betroffenen Menschen unterkommen können. Dann werden voraussichtlich schnell Helfer und Fahrmöglichkeiten für den Transport benötigt werden.

Wer ein - möglichst größeres - Auto zur Verfügung stellen kann und Zeit hat, zu helfen, wird gebeten, mitzuteilen, wann genau er zur Verfügung stehen kann - am besten per E-Mail an Gerold Jilg unter jilgratte@t-online.de oder telefonisch bei Angelika Pfaffendorf unter 0151 / 17236603.

Mehr zum Thema:
Eigentümerfamilie "total überwältigt"
Das Wunder von Tutzing
Viel Hilfe nach Brand am Beringerweg

ID: 50
Über den Autor

Lorenz Goslich

Kommentar hinzufügen

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.