Gemeindeleben
17.10.2017
Von vorOrt.news

Das Wunder von Tutzing

Was nach dem Brand am Beringerweg geschieht, ist wie ein Wunder: Mehrere der obdachlos gewordenen Menschen kommen an der Kustermannstraße unter. Die nötigsten Sachen erhalten sie im "Kleiderbad" und im Trödelladen.

Noch am Dienstagvormittag wussten die Bewohner des Gebäudes nicht, wie es weitergehen soll. „Wir sind bei Freunden untergekommen“, erzählte eine Frau, die den Schock des Brandes immer noch nicht überwunden hatte. „Aber wir wissen nicht, wie lange wir dort bleiben können“, sagte ihr Mann.

In das Haus am Beringerweg zurück können die Leute derzeit nicht. Allein zu dieser großen Familie, die aus Polen stammt und schon seit anderthalb Jahrzehnten in Tutzing wohnt, gehören neun Personen. Insgesamt sind 25 Menschen von den Brandfolgen betroffen.

Bei den Helfern wurden alle möglichen Gedankenspiele angestellt: Vielleicht könnten die geschädigten Menschen im leer stehenden Andechser Hof unterkommen, der dem Kloster Andechs gehört? Oder im ebenso leer stehenden Meier-Haus gegenüber, das im Eigentum der Gemeinde Tutzing ist?

Aber es dauerte nur kurz - da war plötzlich eine Lösung gefunden: Am Dienstag gegen Mittag erfuhren etliche der rund 25 vom Brand betroffenen Menschen, dass sie für die nächste Zeit ein Haus in der Kustermannstraße beziehen können.

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Eine Lösung für Notfälle? Der Andechser Hof steht ebenso leer wie das Meier-Haus (links) © L.G.
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Mutter glücklich: "Jetzt haben wir wieder ein Dach"

Dabei handelt es sich um ein Gebäude aus der Erbschaft der Tutzingerin Theresia Petsch. Im April dieses Jahres war bekannt geworden, dass die im Alter von 99 Jahren verstorbene, kinderlose reiche Witwe, die ein halbes Jahrhundert lang in Tutzing gewohnt hatte, ihr ansehnliches Vermögen der Ambulanten Krankenpflege vermacht hat, die sie bis zu ihrem Tod in ihrem eigenen Haus betreut hatte. Der Wert des Erbes wurde mit zehn Millionen Euro angegeben.

Tutzings katholischer Pfarrer Peter Brummer zeigt sich „sehr froh und glücklich“ über die für die obdachlos gewordenen Menschen nun gefundene Lösung. „Das Haus ist in einem sehr guten Zustand“, sagt er. Die Familienmutter ist ebenfalls sichtlich zufrieden: „Jetzt haben wir wieder ein Dach“, schwärmt sie.

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Willkommene Hilfe: Im Kleiderbad gab's was zum Anziehen © L.G.

Das Nötigste aus dem Kleiderbad und aus dem Trödelladen

Zu den nötigsten Dingen ist den vom Brand Betroffenen mittlerweile auch verholfen worden: Am Dienstagvormittag konnten sie sich im „Kleiderbad“ an der Greinwaldstraße Sachen zum Anziehen aussuchen. Die seinerzeit im Zuge der Flüchtlingswelle geschaffene Einrichtung im stillgelegten kommunalen Hallenbad ist zwar inzwischen wieder geschlossen worden, doch so ganz aufgegeben worden ist sie doch nicht: Immer noch liegen Kleidungsstücke bereit - für Notfälle, sagt Angelika Pfaffendorf, die das Kleiderbad zusammen mit Gerold Jilg leitet. Und Notfälle gibt es nach ihren Worten immer wieder. Etwa 25 Mal sei diese Möglichkeit schon genutzt worden.

Die Betroffenen vom Beringerweg waren glücklich darüber. Sie brauchen aber noch viel mehr, denn an ihr eigenes Hab und Gut kommen sie zurzeit nicht heran. Schon am Dienstagabend wurde ihnen weiter geholfen: Im gut sortierten Caritas-Trödelladen unter der katholischen Pfarrkirche St. Joseph gibt zahlreiche Alltagsgegenstände, die sie nun benötigen: Hausrat, Elektrogeräte, Bettwäsche, Decken, Geschirr und Vieles mehr. Barbara Treppenhauer, die Leiterin des Trödelladens, hat ihnen eigens aufgesperrt, nachdem der normale Betrieb vorbei war, damit sie sich in Ruhe umsehen konnten.

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Dienstagvormittag im Kleiderbad © L.G.
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Dienstagabend im Trödelladen © L.G.
Quelle Titelbild: L.G.
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