Gemeinde
23.3.2026
Von vorOrt.news

Tutzing ist „Ort der Demokratie“

Beschluss des Landtagspräsidiums – Ilse Aigner lobt „Haltung, Engagement und Zivilcourage“

Unter sieben neuen „Orten der Demokratie in Bayern“ ist die Gemeinde Tutzing. Das hat das Präsidium des Bayerischen Landtags beschlossen. Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn gibt dies in einem neuen Bürgermeisterbrief „mit großer Freude“ bekannt.

Die Auswahl auf Empfehlung eines wissenschaftlichen Beirats wird mit der in Tutzing ansässigen Akademie für Politische Bildung begründet. Sie stehe stellvertretend für die Bedeutung politischer Bildung und Aufklärung in der Demokratie, so wie die Evangelische Akademie für die Bedeutung des demokratischen Diskurses stehe. Tutzing sei somit "ein Ort des demokratischen Diskurses und der politischen Bildung".

Das Projekt „Orte der Demokratie in Bayern“ gibt es seit sechs Jahren. Dies soll nach Angaben von Landtagspräsidentin Ilse Agner „die Geschichte und Bedeutung der Demokratie im Freistaat sichtbar“ machen. Die weiteren neuen „Orte der Demokratie in Bayern“ sind Ismaning, Mödlareuth, München, Nürnberg, Traunreut und Wunsiedel.

Akademie.jpeg
Die Akademie für politische Bildung in Tutzing steht nach Überzeugung des Landtagspräsidiums "stellvertretend für die Bedeutung politischer Bildung und Aufklärung in der Demokratie" © Akademie für politische Bildung
Anzeige
Banner-Ostern-2026-B5.png

Die Begründungen für die Benennung der einzelnen Orte:

Orte-der-Demokratie.jpeg
© Bildarchiv Bayerischer Landtag

Ismaning (Oberbayern) – Ziviler Widerstand der Freiheitsaktion Bayern am 28. April 1945 mit Besetzung des Rundfunksenders und Aufruf zur Beendigung der NS-Diktatur.

Mödlareuth (Töpen, Oberfranken) – Das ab 1949 durch die Grenze zwischen Diktatur und Demokratie geteilte Dorf („Little Berlin“) wurde zum Symbol der deutsch-deutschen Teilung und hält die Erinnerung daran seit 1990 wach.

München (Oberbayern) – Auszeichnung für die Frauenstimmrechtsbewegung um 1900, deren Forderung mit der Bamberger Verfassung von 1919 erfüllt wurde. Die Prinzensäle im Café Luitpold waren Versammlungsort des Frauenstimmrechtskongresses von 1912.

Nürnberg (Mittelfranken) – Volksbegehren „Mehr Demokratie in Bayern“ für Bürgerbegehren und Bürgerentscheide. Zum ersten Treffen kam es im Jugendzentrum für politische Bildung in der Nürnberger Altstadt.

Traunreut (Oberbayern) – Vertriebenenintegration, Würdigung der Integration und des Aufbaus eines kommunalen Gemeinwesens als bedeutendes Ereignis für die Demokratiegeschichte Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg.

Tutzing (Oberbayern) – Die 1957 gegründete Akademie für Politische Bildung steht stellvertretend für die Bedeutung politischer Bildung und Aufklärung in der Demokratie, wie die Evangelische Akademie für die Bedeutung des demokratischen Diskurses steht. Tutzing ist somit ein Ort des demokratischen Diskurses und der politischen Bildung.

Wunsiedel (Oberfranken) – Vorbildliches zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechtsextremismus (Rudolf-Heß-Gedenkmärsche), aus dem 2005 die Bürgerinitiative „Wunsiedel ist bunt“ entstand.

Der Beirat

Akademie-M-nch.jpg
Tutzinger Vertreterin im Beirat, der die Orte der Demokratie empfiehlt: Prof. Dr. Ursula Münch, die Direktorin der Akademie für politische Bildung © Akademie für politische Bildung

Der Expertenbeirat, der die jeweiligen Orte empfohlen hat, wird als überparteilich bezeichnet. Er begleite das Projekt seit Beginn „mit fachlicher Expertise aus Wissenschaft, politischer Bildung, kommunalen Spitzenverbänden und der Heimatpflege“. Vorsitzende des Beirats sind der frühere bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle und der Historiker Prof. Dr. Ferdinand Kramer. Weitere Beiratsmitglieder sind Prof. Dr. Klaus Wolf (Präsident der Bayerischen Einigung e.V.), Horst Gehringer (Leiter des Stadtarchivs Bamberg), Rupert Grübl (Direktor der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit), Dr. Thomas Hertfelder (Gründungsgeschäftsführer der Stiftung Bundespräsident-Theodor-Heuss-Haus in Stuttgart), Dr. Richard Loibl (Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte), Prof. Dr. Ursula Münch (Direktorin der Akademie für politische Bildung, Tutzing), Dr. Jörg Skriebeleit (Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg) und Prof. Dr. Manfred Treml (Verband bayerischer Geschichtsvereine e.V.). Im Beirat sind außerdem folgende Institutionen vertreten: Bayerischer Gemeindetag, Bayerischer Städtetag, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege e. V. und Berufsverband bildender Künstler – Landesverband Bayern e. V.. An den Beiratssitzungen nimmt außerdem die Geschäftsführerin und Kuratorin der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst e. V. teil. https://www.orte-der-demokratie.bayern/wissenschaftlicher-beirat

Als Ziel des Projekts bezeichnete es Ilse Aigner, demokratische Werte, historische Erfahrungen und gesellschaftliches Engagement im öffentlichen Raum erfahrbar zu machen und das Bewusstsein für den Wert der Demokratie zu stärken. „Die neu benannten Orte der Demokratie‘ stehen für Haltung, Engagement und Zivilcourage“, erklärte die Landtagspräsidentin. Demokratie lebe von Menschen, die Verantwortung übernehmen, und von Orten, an denen diese Verantwortung sichtbar geworden sei. Sie sei keine Selbstverständlichkeit, sondern müsse immer wieder neu erlernt, gelebt und verteidigt werden. Die „Orte der Demokratie in Bayern“ machten erfahrbar, wie demokratische Werte, Mitbestimmung und Rechtsstaatlichkeit im Freistaat gewachsen seien und wie sich die unterschiedlichen Aspekte der Demokratieentwicklung in ihnen widerspiegelten. Gerade in Zeiten aktueller Krisen seien sie Erinnerung und Auftrag zugleich. „Demokratie braucht unseren Einsatz – vor Ort, im Alltag und in der Gesellschaft insgesamt“, mahnte die Landtagspräsidentin: „Die ‚Orte der Demokratie‘ geben Orientierung und unterstreichen die Bedeutung des gemeinsamen Einsatzes für Freiheit, Frieden und ein Leben in Würde.“

Die bisher benannten "Orte der Demokratie in Bayern":
https://www.orte-der-demokratie.bayern/

ID: 8631
Über den Autor

vorOrt.news

Kommentar hinzufügen

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.

Kommentare

Tutzing (Oberbayern) – Die 1957 gegründete Akademie für Politische Bildung steht stellvertretend für die Bedeutung politischer Bildung und Aufklärung in der Demokratie, wie die Evangelische Akademie für die Bedeutung des demokratischen Diskurses steht. Tutzing ist somit ein Ort des demokratischen Diskurses und der politischen Bildung....
...in dem von den Einwohnern gewählte Politikerinnen ... in die zweite Reihe rotiert werden, damit der dann doch kompetentere ... Mann in den Gemeinderat einziehen kann. Toll, wie die Akademie abfärbt.
(Formulierung an der Stelle der Punkte wegen unhöflicher Äußerungen von der Redaktion gestrichen)
(Bearbeitet)