Außer dem Seehof ist der Andechser Hof Tutzings hartnäckigster Leerstand: Seit die letzten Pächter Ende Januar 2012 aufgehört haben, wartet das traditionsreiche Wirtshaus an der Hauptstraße auf eine Wiedereröffnung. Das schier Unmögliche ermöglicht nun die Fischerhochzeit – zumindest für einen Sommer. Am heutigen Mittwoch öffnet dort ein Pop-up-Biergarten, betrieben von Braumeister Stephan Albrecht und seinem Team aus Schongau. Zur Eröffnungsfeier übernimmt Bürgermeister Ludwig Horn selbst um 17.30 Uhr den Bieranstich, und zünftige Musik liefern die "Blechschlawina" aus Wielenbach, Diemendorf und Pähl.
Ausgeschenkt wird ein eigens für das Traditionsfest gebrautes Fischerhochzeitsbier, ein Kellerbier. Dahinter steckt eine Familiengeschichte mit echtem Tutzinger Bezug: Bereits die Urgroßeltern von Stephan Albrecht, Hans und Marianne Merkl, waren 1953 bei der damaligen Fischerhochzeit für die Bierversorgung zuständig. In den 1970er Jahren war das „Festzelt Oberland“ bei Fischerhochzeiten und Volksfesten fester Bestandteil des Ortslebens, damals unter der Leitung von Albrechts Großtante Annemarie Fussig.
Erinnerungen ans Weißbierstüberl
„Meine Familie hat bis 1974 in Tutzing Bier gebraut“, erzählt Albrecht. Die Brauerei Oberland ist noch vielen Tutzingern ein Begriff, nicht zuletzt das Weißbierstüberl in der Ziegeleistraße. Albrecht selbst lebt heute wieder in Tutzing, betreibt mit seiner Familie aber derzeit eine Gasthausbrauerei mit Kulturbühne und bayerischer Küche in Schongau – unter dem wiederbelebten Namen „Brauerei Oberland“. Sein Traum: perspektivisch auch wieder direkt in Tutzing zu brauen. Für die Fischerhochzeit hat er sich nun über den Fischerhochzeitsverein, die Tutzinger Gilde und die Unterstützung von Bürgermeister Horn den Weg zurück in seinen Heimatort gebahnt.
Erhältlich ist das Fischerhochzeitsbier schon seit einiger Zeit im Getränke City Tutzing in der Traubinger Straße sowie in den beiden Edeka-Heiß-Märkten. Wer größere Mengen ab fünf Kisten bestellt, dem liefert Albrecht auf Wunsch auch persönlich.
Hängepartie mit ungewissem Ausgang
Möglich wird der Biergarten, weil die Eigentümer des Andechser Hofs, Conny und Georg Schuster, und die Gemeinde dies unterstützen. „Wir werden mit Ausschankwagen, Brotzeiten und bayerischen Schmankerln diesen wunderbaren Biergarten mit dem Fischerhochzeitsbier und unseren weiteren Bieren bespielen“, kündigt Albrecht an. Geöffnet ist im Juli immer von Donnerstag bis Sonntag – und natürlich durchgehend während der Festwoche der Fischerhochzeit.
Ob die vorübergehende Wiederbelebung auch der seit Jahren zähen Debatte um einen Neubau des Andechser Hofs neuen Schwung gibt, ist offen. Erst im vergangenen Jahr klang ein neuer Entwurf vielversprechend. Vorsichtiger Optimismus für neuen Andechser Hof Seither ist öffentlich aber nichts Konkretes mehr bekannt geworden – die Eigentümer wirken mal zuversichtlich, mal enttäuscht. Bei einem Bürgerentscheid, so viel lässt sich aus der langjährigen Debatte ablesen, würde sich eine Mehrheit der Tutzinger wohl für einen zügigen Neubau mit Wirtshaus aussprechen. Warum dennoch nichts vorangeht, darüber gibt es in Tutzing ständig Diskussionen, in denen viel Verständnislosigkeit zum Ausdruck kommt.
Der Biergarten, der nun öffnet, bleibt davon unabhängig – und dürfte selbst zunächst nur ein Gastspiel auf Zeit sein. So genannte Pop-up-Stores oder Pop-up-Restaurants tauchen immer wieder mal auf. Es handelt sich um temporäre Verkaufsflächen oder Gastronomiebetriebe, die für wenige Tage, Wochen oder Monate an ungewöhnlichen Orten oder in leerstehenden Gebäuden betrieben werden und dann wieder spurlos verschwinden. So wird es wohl auch beim Tutzinger Pop-up-Biergarten sein. Die Fischerhochzeit unterbricht beim Andechser Hof nur eine Hängepartie mit nach wie vor ungewissem Ausgang.

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