Von Benjamin Kessel

Wann beginnt der Herbst wirklich?

Tutzing schaut genauer hin!

006.png
Im Herbts am See © Benjamin Kessel

Eine kleine Mitmachaktion lädt dazu ein, die Veränderungen der Natur direkt vor unserer Haustür zu entdecken.

Am Starnberger See leuchten die ersten Bäume bereits goldgelb, während andere noch fast vollständig grün sind. Im Kustermannpark, entlang des Seeufers oder auf den Wegen zur Ilkahöhe lässt sich jetzt ein faszinierendes Schauspiel beobachten. Doch warum verlieren manche Bäume ihre Blätter früher als andere? Und wann beginnt der Herbst eigentlich wirklich?

Für uns Menschen beginnt der meteorologische Herbst jedes Jahr am 1. September. Die Natur hält sich allerdings nicht an unseren Kalender. Ihre Entwicklung richtet sich unter anderem nach Temperatur, Tageslänge und Wasserversorgung. Deshalb unterscheiden Naturwissenschaftler sogar zehn sogenannte phänologische Jahreszeiten. Sie orientieren sich an Ereignissen wie der Blüte bestimmter Pflanzen, der Fruchtreife oder der herbstlichen Blattverfärbung.

Was uns die Herbstfarben erzählen

Dass sich unsere Laubbäume im Herbst verfärben, ist kein Zufall. Wenn die Tage kürzer werden, bauen viele Bäume den grünen Blattfarbstoff Chlorophyll ab und verlagern wertvolle Nährstoffe in andere Pflanzenteile. Gelbe und orangefarbene Pigmente werden sichtbar, manche Bäume bilden zusätzlich rote Farbstoffe. Schließlich bereitet eine Trennschicht am Blattstiel den Blattfall vor.

Doch nicht jeder Baum verändert sich gleichzeitig. Selbst zwei Bäume derselben Art können sich unterschiedlich entwickeln. Standort, Witterung und Wasserversorgung beeinflussen ihren jahreszeitlichen Rhythmus. Manchmal sind braune Blätter auch eine Folge von Trockenstress oder Schädlingsbefall und nicht der normalen Herbstentwicklung.

Tutzing macht mit: Ein Baum, vier Wochen

Wie wäre es, wenn wir den Herbst in Tutzing einmal gemeinsam genauer beobachten?

Die Idee ist einfach: Suchen Sie sich einen Baum aus, an dem Sie regelmäßig vorbeikommen. Vielleicht steht er im eigenen Garten, auf dem Schulweg, im Kustermannpark oder an einem Ihrer Lieblingsplätze am See.

Fotografieren Sie den Baum und kehren Sie in den kommenden vier Wochen möglichst einmal wöchentlich zurück. Am besten entsteht jedes Bild vom gleichen Standort. Beobachten Sie, wann sich die ersten Blätter verfärben, wie sich die Farben ausbreiten und wann die Krone allmählich kahler wird.

Besonders spannend wird es, wenn Kinder und Erwachsene ihre Beobachtungen vergleichen. Welcher Baum bleibt besonders lange grün? Verliert ein Baum am See seine Blätter früher als einer an einem geschützteren Standort? Und welche Unterschiede entdecken wir zwischen verschiedenen Baumarten?

nsere Beobachtungen können sogar der Wissenschaft helfen

Was wie ein einfacher Herbstspaziergang beginnt, gehört zu einem bedeutenden Forschungsgebiet: der Phänologie. Der Deutsche Wetterdienst dokumentiert seit vielen Jahrzehnten jahreszeitliche Veränderungen von Pflanzen. Solche Beobachtungen helfen unter anderem dabei, langfristige Auswirkungen des Klimawandels zu untersuchen.

Wer selbst wissenschaftlich mitforschen möchte, kann sich am Phänologie-Projekt von NABU|naturgucker und dem Deutschen Wetterdienst beteiligen. Dort wird im Spätherbst beispielsweise beobachtet, wann Ebereschen ungefähr die Hälfte ihrer Blätter verloren haben. Für eine wissenschaftliche Meldung gelten feste Beobachtungskriterien.

Informationen dazu gibt es unter [nabu-naturgucker.de](https://nabu-naturgucker.de/meldeportal/naturbeobachtungen-melden/phaenologie/).

Die Tutzinger Mitmachidee ist dagegen bewusst unkompliziert. Es geht zunächst um die Freude am Entdecken, Vergleichen und gemeinsamen Beobachten.

Vielleicht stellen wir dabei fest, dass wir an manchen Bäumen seit Jahren vorbeigehen, ohne ihre Veränderungen wirklich wahrzunehmen.

Denn der Kalender sagt uns, welches Datum wir haben. Die Natur zeigt uns, was gerade geschieht.

Den gesamten Artikel findet ihr hier: https://bellawildherz.de/Journal/artikel/wann-beginnt-der-herbst-wirklich

Benjamin Kessel, Tutzing – Bella Wildherz

Weitere Natur- und Mitforschimpulse: [www.bellawildherz.de/Mitforschen](https://bellawildherz.de/Mitforschen)

Anzeige
VON_Banner_Was-ist-Bio_1.jpg
Quelle Titelbild: Benjamin Kessel
ID: 9282
Über den Autor
Benjamin-Kessel.JPG

Benjamin Kessel

Ich bin Benjamin Kessel, Autor, Podcaster, Pädagoge und Dyskalkulietherapeut aus Tutzing. Ich schreibe über Bildung, Natur, Digitalisierung und Menschen, die unsere Region mit Engagement bewegen.

Kommentar hinzufügen

Anmelden , um einen Kommentar zu hinterlassen.