Energie
27.6.2026
Von vorOrt.news

Pläne für grünen Wasserstoff in Traubing

Solaranlage östlich der Ascheringer Straße soll auf westlicher Seite erweitert werden

Der Tutzinger Gemeinderat hat sich kürzlich mit einem Antrag befasst, der zwei große Themen der Energiewende auf einmal berührt: Sonnenstrom und Wasserstoff. Ein Antragsteller aus Traubing will seine Solaranlage an der Ascheringer Straße kräftig erweitern und erstmals auch grünen Wasserstoff erzeugen. Die östlich der Ascheringer Straße bereits bestehende Freiflächen-Photovoltaikanlage soll auf westlicher Seite erweitert werden - inklusive einer Elektrolyseanlage, die aus dem erzeugten Strom grünen Wasserstoff herstellt. Damit würde aus einem reinen Solarpark ein kleines Energiezentrum.

Durch Elektrolyse lässt sich Wasserstoff klimaneutral produzieren

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Übersicht über die Wettbewerbsfähigkeit von grünem Wasserstoff (zum Vergrößern bitte anklicken) © Solar Promotion GmbH

Nach Analysen der Internationalen Energieagentur (IEA) ist grüner Wasserstoff in der Herstellung derzeit noch zwei- bis dreimal teurer als die fossile Variante. Die nachhaltige Alternative werde jedoch vor allem dann wettbewerbsfähig, wenn unvorhersehbare oder anhaltend hohe Erdgaspreise die konventionelle Produktion verteuern, erläutert die Solar Promotion GmbH in Pforzheim.

Durch Elektrolyse lasse sich Wasserstoff klimaneutral produzieren, wenn Wasser mithilfe von erneuerbarem Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten werde. Die IEA erwartet für diesen Zweig in den kommenden Jahren ein deutliches Wachstum. Für die Dekarbonisierung gilt grüner Wasserstoff ein zentraler Baustein.

Die Industrie benötigt den Energieträger dringend für die Stahlproduktion, für Hochtemperaturprozesse über 1.000 Grad Celsius sowie als Basis für synthetische Kraftstoffe im Schwerlast-, See- und Luftverkehr. Außerdem könnte grüner Wasserstoff Erdgas in Fernwärmenetzen ersetzen.

Bisher fehlt es jedoch an Elektrolyseuren. Obwohl die Europäische Union bis 2030 eine heimische Elektrolyseur-Kapazität von 40 Gigawatt anstrebt und Staaten wie Deutschland, Spanien oder Frankreich ambitionierte nationale Ziele formuliert haben, hinkt die Praxis der Theorie hinterher. Die Fortschritte sind gering, weil es neben der Infrastruktur auch an Nachfrage mangelt. Potenzielle Investoren zögern deshalb.

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Übergeordnetes Interesse könnte naturfachlicher Stellungnahme vorgehen

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Wasserstoff kann in vielen Bereichen der Energiewende zum Einsatz kommen © Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Die für das Traubinger Projekt vorgesehenen Flächen liegen im planungsrechtlichen Außenbereich, aber außerhalb des Landschaftsschutzgebiets. Das unterscheidet sie von einem benachbarten Solarprojekt, das der Gemeinderat 2020 abgelehnt hat, weil es im Landschaftsschutzgebiet lag. Diesmal ist der Weg formal offener – allerdings nicht ohne Hürden, wie Bauamtleiter Christian Wolfert in seiner Beschlussvorlage dargelegt hat. Die bestehende Freiflächen-Photovoltaikanlage östlich der Ascheringer Straße, die dem jetzt beantragten Vorhaben direkt gegenüber liegt, wird unter Tutzinger Klimaschützern "Solarbiotop" genannt, weil sich unter und zwischen den Modulreihen Magerwiesen entwickelt haben. Ein großer Teil der vier für das Projekt vorgesehenen Flurstücke ist als Biotop kartiert.

Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Starnberg hat die Fläche vor Ort besichtigt und in einer Stellungnahme vom 18. Mai festgehalten, dass sie aus naturfachlicher Sicht derzeit noch erhaltenswert sei. Erforderlich seien allerdings künftig Pflegemaßnahmen. Eine klare Absage an das Bauvorhaben gab es von der Behörde nicht. In einem zweiten Gespräch am 1. Juni präzisierte die Naturschutzbehörde ihre Position: Sollte die Gemeinde ein "übergeordnetes und überwiegendes öffentliches Interesse" an der Anlage sehen, könnte dies der naturfachlichen Stellungnahme vorgehen.

Voraussetzung wären dann aber umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen, etwa auf anderen Flurstücken oder über sogenannte Ökokontopunkte – eine Lösung, die die Behörde selbst als schwierig einschätzt. Die Gemeindeverwaltung sieht aus städtebaulicher Sicht hingegen nichts, was gegen die Anlage spräche.

Gemeinderat trotz Bedenken für eine Bürgerbeteiligung

Die bestehende PV-Anlage ist 2014/2015 entstanden, 2018/2019 folgte eine Erweiterung. Auf der westlichen Seite der Ascheringer Straße ist das Vorhaben nicht privilegiert. Deshalb ist dafür sowohl eine Änderung des Flächennutzungsplans als auch eine zweite Änderung des Bebauungsplans Nr. 80 erforderlich. Der betroffene Bereich ist im Flächennutzungsplan derzeit noch als "Ehemalige Kiesgrube/Altlastenfläche" ausgewiesen, er müsste zum "Sondergebiet" umgewidmet werden.

Die Gemeindeverwaltung weist darauf hin, dass die eingereichten Unterlagen bislang recht unkonkret sind. Eine ausgearbeitete Planung liegt noch nicht vor. Die Verwaltung schlägt deshalb vor, dass der Gemeinderat zunächst nur eine Absichtserklärung abgeben sollte, ob die Aufstellung eines Bebauungsplans grundsätzlich in Aussicht gestellt wird. Fällt die Entscheidung positiv aus, müssten ausführliche Unterlagen nachgefordert und das Vorhaben in der gemeindlichen Prioritätenliste für Bauleitplanverfahren verortet werden.

Die Grünen haben im Gemeinderat für eine Bürgerbeteiligung bei so einem Projekt plädiert. Von seiten der FDP gab es zwar Warnungen: Dem Vorhaben könne so ein Hemmschuh übergestülpt werden. Doch bei einer Abstimmung wurde die Forderung nach einer Bürgerbeteiligung mehrheitlich befürwortet.

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Kommentare

Bei einem Punkt gebe ich Ihnen ohne Wenn und Aber recht, Herr Rekus. Eine Anlage, die nur während der sonnigen Mittagsstunden den Gratisstrom abschöpft, rechnet sich nicht. Genau deshalb erzielen reale Speicher ihre Erlöse nicht aus einer einzigen Quelle, sondern aus mehreren zugleich. Sie handeln die Preisunterschiede zwischen billigen und teuren Stunden, sie stellen Regelleistung bereit, sie optimieren am Day-Ahead- und Intraday-Markt. Erst diese Stapelung verschiedener Erlöse macht das Geschäft tragfähig. Dass der Batteriemarkt mit über zwanzig Gigawattstunden installierter Kapazität und einer gewaltigen Projektpipeline gerade boomt, ist der beste Beweis dafür. Niemand investiert solche Summen für ein kleines Zubrot. Die negativen Preise bilden dabei nur ein Element des Gewinnmodells ab, neben vielen anderen.

Beim Wasserstoff stimme ich Ihnen sogar noch deutlicher zu. Ein Elektrolyseur, der nur wenige hundert Stunden im Jahr läuft, rechnet sich kaum. Wasserstoff ist eben kein Geschäftsmodell für die Mittagsspitze, sondern für die saisonale Versorgungssicherheit. Er überbrückt die Wochen der Dunkelflaute, in denen weder die Sonne scheint noch Wind weht. Das ist eine andere Aufgabe als die der Batterie, und genau deshalb braucht es beides nebeneinander.

Ihren zweiten Punkt würde ich allerdings anders einordnen. Denn Netzausbau und Speicher sind keine Gegenspieler, sondern sie ergänzen sich. Ein Speicher am richtigen Ort entlastet das Netz und kann das Erfordernis eines teuren Leitungsbaus sogar in die Zukunft verlagern oder ganz unnötig machen. Vor allem aber löst kein noch so gut ausgebautes Netz das Problem, dass selbst die besten Leitungen den Sommerüberschuss nicht in den Januar transportieren können. Diese prinzipielle saisonale Kapazitätsschieflage kann allein die Speicherung ausgleichen. Der Netzausbau und die Speicherkapazitäten stellen schlussendlich zusammen die funktionierende energiewirtschaftliche Lösung für das Speicherproblem dar. Es braucht beides.

Womit wir nochmal kurz in die Bundespolitik zurückkehren müssten. Ihr Plädoyer für den Netzausbau ist richtig. Doch ausgerechnet das jüngste Netzpaket, das eben dieses Netz stärken soll, belastet zugleich die Batteriespeicher mit neuen Entgelten. Es trifft also jene netzdienliche Flexibilität, die den von Ihnen zu Recht geforderten Ausbau entlasten und verbilligen würde. Die Politik spielt Netz gegen Speicher aus, obwohl beide dieselbe Aufgabe lösen. Ich schreibe hier also nicht gegen Ihre Skepsis an, sondern kritisiere eine politische Rahmensetzung, durch die die wirtschaftlichste Kombinationslösung künstlich verteuert wird.

Und genau diese Logik lässt sich in Traubing im Kleinen besichtigen. Eine Anlage, die überschüssigen Sonnenstrom vor Ort veredeln will, ist im Grunde wirtschaftlich eine willkommene Maßnahme. An ihr lässt sich zugleich verdeutlichen, wie die absurden Folgen einer verfehlten Wirtschaftspolitik bis in die Abläufe unserer kleinen Kommune hineinreichen.
(Bearbeitet)
Sofern solche Anlagen nicht hochsubventioniert werden (von wem auch immer), wird niemand sie bauen, nur um an sonnigen Sommertagen die negativen Strompreise rund um die Mittagszeit zu nutzen. Das kann ich mir nicht wirtschaftlich vorstellen. Da wird man schon mit erheblich mehr produktiven Stunden & Tagen kalkulieren müssen. Die Tage & Stunden mit Gratisstrom oder gar negativen Strompreisen werden nicht mehr als ein erfreuliches Zubrot sein.

Außerdem würde das dem allseits erwünschten Netzausbau widersprechen.
Je besser unsere Netze in D & der EU ausgebaut werden, desto weniger Strom bleibt ungenutzt über, bzw. desto weniger müsste man PV- & Windanlagen abregeln oder Strom verschenken.
(Bearbeitet)
Herr Rekus, Ihr Einwand zum niedrigen Wirkungsgrad der Elektrolyse trifft einen wunden Punkt, greift aber aus meiner Sicht zu kurz. Richtig ist, dass heute noch zu viel Strom in den Prozess hineingeht und zu wenig Wasserstoff am Ende herauskommt. Die Ingenieure haben da also noch einiges zu verbessern. Doch der Wirkungsgrad ist nicht allein eine Frage der Technologien, sondern er hängt vor allem von der richtigen Anwendung dessen ab, was einem als Instrument zur Verfügung steht.

Entscheidend ist nämlich, womit man die Elektrolyse füttert. An sonnen- und windreichen Tagen produzieren wir längst mehr Strom, als das Netz aufnehmen kann. Die Folge sind negative Strompreise an immer mehr Stunden im Jahr und Solaranlagen, die deswegen abgeregelt werden. Dieser Strom verpufft gänzlich ungenutzt. Wer ihn stattdessen in Wasserstoff umwandelt und für eine spätere Dunkelflaute einlagert, für den mündet selbst ein mäßiger Wirkungsgrad in einen Gewinn, weil die Alternative dazu der Komplettverlust wäre.

Und so kann man zusammenfassen, dass Batterien eine perfekte Lösung für das kurzfristige Zwischenspeichern in der Größenordnung von Stunden sind. Der Markt für diese Speicher boomt gerade weltweit. Wasserstoff dagegen ist ein guter Langzeit- und Saisonspeicher, der deutlich größere Zeiträume in der Größenordnung von Wochen überbrückt, etwa in der berühmten Dunkelflaute ohne Sonne und Wind. Beides zusammen ergibt das Rückgrat eines erneuerbaren Energieversorgungssystems, das ohne fossile Backups auskommt. Die Anlage in Traubing leistet im Kleinen also genau das Richtige, indem sie vor Ort überschüssigen Sonnenstrom veredelt, anstatt ihn einfach wegzuwerfen.

Das eigentliche Problem stellt also nicht die begrenzte Technik dar, sondern es ist in ausgesprochen unglücklichen politischen Entscheidungen zu sehen. Speicher und Elektrolyseure sind marktreif und an Geld, an Investoren mangelt es auch nicht. Was fehlt, ist ein politischer und gesetzlicher Rahmen, der Investitionssicherheit bietet. Und ausgerechnet hier arbeitet die Bundeswirtschaftsministerin in die Gegenrichtung. Ihr jüngstes Netzpaket droht damit, Batteriespeicher über neue Entgelte unrentabel zu machen, derweil sie den knappen Wasserstoff für den Dauerbetrieb fossiler Gaskraftwerke einplant.

Sie will diesen wertvollen Energieträger also genau dort einsetzen, wo er ökonomisch und physikalisch am wenigsten Sinn ergibt; und umgekehrt bremst sie ihn dort aus, wo er am meisten Nutzen stiftet.

Insofern teile ich Ihren Optimismus, Herr Rekus, dass aus einem kleinen Projekt wichtige Erfahrungen erwachsen können. Mein Vorbehalt richtet sich nicht gegen Traubing, sondern gegen eine Bundespolitik, die im Großen torpedieren, was solche Projekte im Kleinen mühsam aufbauen wollen.
Grundsätzlich bin ich ja auch immer für Bürgerbeteiligung.
Als Kleinanleger winke ich diesmal allerdings dankend ab.
Unbestritten werden wir in D mittel- & langfristig sehr viel mehr - möglichst grünen - Wasserstoff für die im Artikel genannten Anwendungen benötigen. Frage ist nur mit welchen Technologien, und zu welchen Kosten?

Derzeit muss man noch zu viel elektrische Energie hineinstecken und bekommt zu wenig Wasserstoff-Energie wieder heraus.
Die Ingenineure werden da noch an allen Ecken & Enden kleinere & größere Verbesserungen entwickeln (müssen).
Das erst wird das ganze System wirtschaftlich & energetisch sinnvoll machen.
Aber das bedeutet auch, dass die Herstellungsprozesse für grünen Wasserstoff in ein paar Jahren andere sein werden, als wir sie jetzt planen & bauen.

National & global betrachtet wird es sowieso eine kleine Anlage werden, die aber auch wichtige Erfahrungen & Erkenntnisse für effizientere Verfahren in der Zukunft liefern kann. Würde mich nicht wundern, wenn man sich diesbezüglich noch Partner (Universitäten, staatliche Forschungsmittel oder privates Risikokapital) mit ins Boot holt. Oder bereits an der Angel hat.

Nachtrag:
Wo ist er hin? Der Beitrag, der ausdrücklich andere Meinungen lesen wollte?
(Bearbeitet)
Schön, wenn ein Projekt vor Ort gleich zwei große Themen der Energiewende berührt. Doch der Artikel zeichnet ein Bild von grünem Wasserstoff, das nicht der politischen Realität entspricht. Da ist von Stahl die Rede, von Hochtemperaturprozessen, von synthetischen Kraftstoffen und sogar vom Ersatz für Erdgas in Fernwärmenetzen. Eine Wunschliste, die suggeriert, der knappe Energieträger stehe für all das bereit.

Aber leider ist das mitnichten der Fall. Wer die Mengenerwartungen all dieser Sektoren addiert, landet weit oberhalb dessen, was bis 2030 überhaupt produziert werden kann. Der Artikel räumt das halb ein, wenn er feststellt, dass die Praxis der Theorie hinterherhinkt. Den naheliegenden Schluss zieht er aber nicht.

Noch bemerkenswerter wird die Lücke mit Blick auf die zuständige Wirtschaftsministerin. Katharina Reiche hat die ambitionierten Ausbauziele für Elektrolyseure kassiert und setzt auf einen bewusst entschleunigten Hochlauf entlang der vorhandenen Nachfrage. Vor allem aber verplant sie den grünen Wasserstoff für die Verstromung in einem neuen Park aus Gaskraftwerken, die irgendwann H2-ready sein sollen. Sie setzt also ausgerechnet auf jene Verwendung, die Ökonomen (bezugnehmend auf die Physik) für die denkbar ineffizienteste halten. Denn schon die Erzeugung des Wasserstoffs verschlingt ein Drittel der eingesetzten Energie, und wird er anschließend im Kraftwerk wieder verstromt, bleibt am Ende kaum ein Drittel der ursprünglichen Energie übrig.

Der Beitrag feiert eine idealtypisch auf das Klima bezogene Nutzung, wohingegen die unionsgeführte Wirtschaftspolitik exakt das Gegenteil betreibt. Sie lenkt den knappen Wasserstoff in die teure und wenig effiziente Stromerzeugung und streicht zugleich die Mengenziele zusammen. Das ist eine politische Linie, die in ihren Folgen enorm kostspielig ist, fachlich kaum zu begründen und auffällig anschlussfähig an die Interessen der Gaswirtschaft, aus der Katharina Reiche in die Politik gewechselt hat.

Das Traubinger Projekt verdient eine faire Prüfung. Es verdient aber auch eine ehrliche Einordnung. Grüner Wasserstoff ist kein Allzweckmittel, sondern ein knappes Gut, um das längst ein Verteilungskampf tobt. Wer das verschweigt, weckt vor Ort Erwartungen, die die große Politik schon heute nicht einlöst.
(Bearbeitet)