Von vorOrt.news

Mittelschüler müssen Kaserne verlassen

Sanierung soll Ende 2026 fertig sein - aber der Schulbetrieb soll schon im September beginnen

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Der Weg zur Mittelschule hat derzeit noch Baustellencharakter. Im September zu Schuljahresbeginn soll sie aber schon genutzt werden © L.G.

Die Sanierung der Tutzinger Mittelschule geht in ihre letzte Runde – doch ausgerechnet jetzt, kurz vor dem Ziel, sorgt ein Partner für eine überraschende Planänderung: die Bundeswehr. Wie die Gemeinde mitteilt, soll das gesamte Bauprojekt nach derzeitigem Stand Ende 2026 abgeschlossen sein. Für die Übergangszeit bis zum Schuljahresbeginn zeichnet sich jedoch ab, dass die bislang vorgesehene Unterbringung der Mittelschüler auf dem Feldafinger Bundeswehrareal nicht mehr möglich ist.

Ursprünglich war geplant, die Schülerinnen und Schüler während der gesamten Bauzeit übergangsweise in Liegenschaften auf dem Areal unterzubringen – eine Lösung, die schon 2022 eingefädelt wurde, als die Auslagerung in die Feldafinger Kaserne erstmals angekündigt worden war. Weil sich die Gesamtbauzeit durch eine Vielzahl von Herausforderungen verlängert hat, reicht die Zeitschiene nun aber nicht mehr aus: Die Bundeswehr benötige die Flächen dringend für ihre eigenen wachsenden Anforderungen, teilt die Gemeinde mit, und könne den bestehenden Mietvertrag daher nicht ein weiteres Mal verlängern. Die notwendigen Sanierungsmaßnahmen der Liegenschaft für Bundeswehrzwecke selbst stünden zudem unter einem sehr engen Zeitplan – die Kaserne braucht die Gebäude offenbar ebenso dringend wie zuvor die Schule.

"Die Sanierung der Mittelschule Tutzing geht in ihre letzte Phase"

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Blick von der Traubinger Straße aus: Nach derzeitigem Planungsstand soll die Mittelschule Ende 2026 vollständig fertig sein. Der Schulbetrieb soll aber schon früher beginnen. © L.G.

Bürgermeister Ludwig Horn hat die Bundeswehr wiederholt öffentlich als verlässlichen Partner der Schulsanierung gewürdigt – zuletzt in seinem Podcast, in dem er sich ausdrücklich bei der Bundeswehr und Brigadegeneral Rainer Simon bedankte. Dass die Kaserne die Räume nun selbst benötigt, zeigt: Auch ein „Superpartner der Kommunen“, wie Horn es einmal nannte, hat eigene Prioritäten, denen sich die Gemeinde unterordnen muss.

Die Gemeinde hatte für die Schulsanierung vor Jahren mit der Firma BayernGrund GmbH einen Geschäftsbesorgungsvertrag abgeschlossen. Dahinter stand auch besonders die Hoffnung, dass eine Betreuung des Projekts durch externe Bauexperten größere Probleme verhindern kann, die man von vielen öffentlichen Bauten und auch von früheren Tutzinger Projekten kennt. Dann hat sich diese Sanierung aber zum Sorgenfall entwickelt. Ende vorigen Jahres wurde anstelle des bisherigen für Planung und Koordination hauptverantwortlichen Architekturbüros die Firma Kling Consult GmbH in Krumbach (Schwaben) mit der Bauüberwachung und der Koordination auf der Baustelle beauftragt. BayernGrund koordiniert nach Angaben der Gemeinde als Bauherrenvertretung und Projektleitung die übergeordnete Koordination der zahlreichen ineinandergreifenden Gewerke. Vertreter von Kling Consult zeichneten im Gemeinderat ein Bild von Fehlern, Versäumnissen und Unterlassungen. Inzwischen klingen die Angaben entspannter. Die Sanierung der Mittelschule Tutzing gehe in ihre letzte Phase, teilt die Gemeinde heute mit. Nach derzeitigem Planungsstand solle das Projekt Ende 2026 vollständig abgeschlossen sein.

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Konzept angepasst

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Ein neuer Eingang zur Mittelschule ist schon drin © L.G.

Um den Schulbetrieb trotz des Zeitdrucks sicherzustellen, haben die Projektverantwortlichen ihr Konzept angepasst: Ursprünglich sollte der sanierte Schulcampus zum Schuljahresbeginn komplett in Betrieb gehen. Weil das Bundeswehrareal als Puffer nun fehlt, soll stattdessen zunächst nur ein Teil der Gebäude regulär genutzt werden können – die übrigen Bereiche sollen im weiteren Verlauf der Sanierung folgen. Für den Fall, dass unvorhergesehene Komplikationen auch diesen abgespeckten Zeitplan gefährden, arbeitet die Gemeinde zusätzlich an einem Rückfallplan. Ziel sei es, so die Gemeinde, den Schulbetrieb in jedem Fall sicherzustellen – auch bei weiteren unerwarteten Verzögerungen.

Ob die Bundeswehr-Entscheidung Kosten für die Gemeinde nach sich zieht, etwa durch eine kurzfristige Alternativlösung für die verbleibenden Schülerinnen und Schüler, dazu enthält die Mitteilung der Gemeinde keine Angaben. In der Bürgerversammlung hatte Bürgermeister Horn die Kosten der Auslagerung mit etwas mehr als 2,6 Millionen Euro angegeben, denen Einnahmen von den Nachbargemeinden hierfür von 849 000 Euro gegenüberstehen. Die Gesamtkosten der Schulsanierung werden derzeit mit 28 Millionen Euro prognostiziert. Unter Abzug von öffentlichen Zuschüssen und Beiträgen von Nachbarkommunen, aus denen Schüler nach Tutzing kommen, werden nach aktuellem Kenntnisstand 14,2 Millionen Euro Kosten für Tutzing verbleiben, sagte Horn in der Bürgerversammlung, fügte aber auch hinzu: „Diese Zahl wird definitiv noch höher.“

Eine vorgesehene Kreditaufnahme der Gemeinde von 2,4 Millionen Euro in diesem Jahr wird auch mit der Finanzierung der Schulsanierung begründet. BayernGrund hat unterdessen wegen der Kostenerhöhung einen Nachtrag und eine neue Gewährleistungserklärung an die Gemeinde gestellt. Eine Gewährleistungserklärung ist eine schriftliche Zusicherung eines Auftragnehmers, dass seine ausgeführten Arbeiten frei von Mängeln sind und dass er für auftretende Mängel innerhalb einer bestimmten Frist haftet.

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