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„Was fehlt?“

Lange Problemliste bei Sanierung der Mittelschule - Gewährleistungserklärung von BayernGrund

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"Die Grund- und Mittelschule ist jetzt so weit, die Zukunft für unsere Kinder steht bereit", schwärmte der Zimmerer Karl Stärk beim Hebauf im März vorigen Jahres. Probleme waren damals schon bekannt, aber ihr ganzes Ausmaß zeigt sich erst nach und nach. © L.G.

„Es wird Ostern sicher nicht“: Das hat Tutzings Bürgermeister Ludwig Horn am Dienstag im Gemeinderat auf die Frage von Caroline Krug (ÖDP) geantwortet, wann die Sanierung der Mittelschule fertig sein wird. Inzwischen gilt eine Kostensteigerung auf 28 Millionen Euro brutto als sicher. Eigentlich war über lange Zeit über Sanierungskosten von 25 Millionen Euro gesprochen worden.

Ob es bei den 28 Millionen Euro bleiben wird, ist nicht klar. Stefan Wagner von der mittlerweile von der Gemeinde mit der Bauüberwachung beauftragten Firma Kling-Consult präsentierte in der Sitzung eine „aktuelle Projektsituation“, auf der unter dem Titel „Was fehlt?“ fast 40 Problempunkte aufgeführt werden. „Die Liste wächst leider“, sagte er. Vor nicht allzu langer Zeit seien es erst 20 Punkte gewesen. Hinter etlichen der aufgeführten Punkte stand „erledigt“, hinter nicht wenigen aber auch noch „offen“.

Die Gemeinde hatte für die Schulsanierung vor Jahren mit der Firma BayernGrund einen Geschäftsbesorgungsvertrag abgeschlossen. Dahinter stand auch besonders die Hoffnung, dass eine Betreuung des Projekts durch externe Bauexperten größere Probleme, die man von vielen öffentlichen Bauten und auch von früheren Tutzinger Projekten kennt, verhindern kann. Inzwischen hat sich diese Sanierung aber zum Sorgenfall entwickelt. Schon in einer Gemeinderatssitzung vor Weihnachten war offen über Fehler, Versäumnisse und Unterlassungen berichtet worden.

Bayerngrund hat wegen der Kostenerhöhung einen entsprechenden Nachtrag und eine neue Gewährleistungserklärung an die Gemeinde gestellt, wie am Dienstag im Gemeinderat berichtet wurde. Eine Gewährleistungserklärung ist eine schriftliche Zusicherung eines Auftragnehmers, dass seine ausgeführten Arbeiten frei von Mängeln sind und dass er für auftretende Mängel innerhalb einer bestimmten Frist haftet. Die Unterlagen sind aktuell bei der Rechtsaufsicht im Starnberger Landratsamt zur Prüfung und Genehmigung.

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Die künftige Mittelschule auf einem Plan des zunächst zuständigen Architekturbüros Bioplan © Bioplan
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Abstimmung mit dem Denkmalschutzamt führt zu Änderungen

Der aktuelle Zahlungsstand wurde im Gemeinderat mit 15 Millionen Euro angegeben, rund 54 Prozent der 28 Millionen Euro. Wie die Gemeinde Tutzing den auf sie – unter Abzug von staatlichen Fördermitteln und Beiträgen anderer Gemeinden - entfallenden Anteil finanzieren kann, ist weiter unklar. Ob hierfür, wie seit langem für denkbar gehalten, die aus diesem Grund bereits verpfändete Kustermannvilla verkauft werden muss, darüber wird weiter diskutiert. Als kürzlich der kommunale Haushalt im Gemeinderat behandelt wurde, klangen wegen finanzieller Verbesserungen bei einigen seiner Mitglieder erstmals Hoffnungen durch, dass der Verkauf der Villa verhindert werden kann. Andere bezweifelten das.

Eigentümer von BayernGrund sind die Bayerische Landesbank, der Freistaat Bayern und die Bayerische Ärzteversorgung. Wie ernst der Fall bei BayernGrund genommen wird, belegte eine ungewöhnliche Präsenz Verantwortlicher bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag. BayernGrund war mit drei führenden Personen vertreten: dem Geschäftsführer Franz Schonlau sowie Hubavina Arnaoudova und Karl-Heinz Scheuring von der Projektleitung.

Hubavina Arnaoudova von BayernGrund und Stefan Wagner von Kling-Consult beschönigten nichts, als sie detailliert über den Stand der Dinge berichteten. Danach sind etliche Arbeiten fortgeschritten, zum Teil fertiggestellt. In anderen Fällen muss deutlich nachgebessert werden.

Beispielsweise musste die Auftragsvergabe bei den Brandschutzelementen nach Abstimmungen mit dem Denkmalschutzamt aufgehoben und ein neues Leistungsverzeichnis erstellt werden. Eine Zwischenbegehung mit Prüfsachverständigen Ende Januar hat ergeben, dass noch weitere Prüfer hinzugezogen werden müssen.

Kündigung „wegen Nichterscheinen auf der Baustelle“

Korrekturen waren auch beim Boden-Außenbelag nötig. Einer mit dem Bodenbelag beauftragten Firma habe man „wegen Nichterscheinen auf der Baustelle“ kündigen müssen, sagte Wagner. Nach seinen Angaben liegen 14 Angebote vor, deren Auswertung laufe. Wegen der Nichtaufnahme der Leistung“ konnten weitere wesentliche Arbeiten bisher nicht ausgeführt werden, wie er berichtete.

In anderen Fällen sind einzelne Leistungen „noch in Klärung bzw. Beauftragung“. Laut Wagner müssen auch noch „einige Planungslücken nachgezogen und geplant werden“. Einige Ausschreibungen sind nach den Angaben der Verantwortlichen noch offen, so die festen Schreinereinbauten sowie die Grob- und Feinreinigung. Andere Aufträge – so für die Planung der Innenausstattung – wurden inzwischen vergeben. Hubavina Arnaoudova sprach von „Abstimmungsbedarf auch unter den Planern selbst“. Was der Ausstieg des zunächst zuständigen Architekturbüros bewirkt, schilderte sie so: „Aus diesem Grund sind deutlich mehr Leistungen erforderlich geworden, die uns vorher gar nicht bewusst waren.“

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