Bei der Planung für die soziale „Wohnanlage Schönmoos“ in Tutzing soll eine Wende eingeschlagen werden. Vertreter des mit diesem Projekt befassten Verbands Wohnen haben dies bei einer Besprechung im Tutzinger Rathaus mitgeteilt, wie die Gemeindeverwaltung am Dienstag im Bau- und Ortsplanungsausschuss des Gemeinderats bekanntgegeben hat.
Die Ausschussmitglieder zeigten sich von diesem Wandel allerdings noch nicht überzeugt – dies umso mehr, als das betreffende Bebauungsplanverfahren bereits weit fortgeschritten ist. Sie wirkten zudem sichtlich irritiert wegen „vager“ Angaben des Verbands. Deshalb fordern sie ihn nun erst einmal zu einer Konkretisierung seiner neuen Überlegungen auf und bitten ihn, entsprechende Skizzen einzureichen, die das alles veranschaulichen.
Seine neuen Überlegungen hat der Verband nach Angaben der Gemeinde mit so stark gestiegenen Baukosten begründet, dass eine Realisierung der gegenwärtigen Planung kaum möglich sei. Er arbeite zurzeit mit Nachdruck an einer Umplanung, um eine deutliche Einsparung der Baukosten zu erreichen.
Als eine denkbare Variante gilt beim Verband nach Angaben des Tutzinger Bauamts eine Erhöhung des Gebäudes – „aus der Fläche raus und mehr in die Höhe“, wie es formuliert wurde.
Dazu gab man sich im Bauamt zurückhaltend, denn gemessen an der direkten Umgebung befänden sich die bisher geplanten Gebäude bereits „am oberen Limit“. Im nördlichen Bereich gebe es allerdings noch höhere Gebäude. Eine Präzedenzwirkung gebe es derzeit noch nicht, sie sei aber zu erwarten.
Aufgrund der Bodenverhältnisse und der Hanglagen gilt auch die Gründung als problematisch und teuer. Deshalb werden zurzeit die Planungen der Keller und der Tiefgarage daraufhin überprüft, ob bei ihnen Optimierungsmöglichkeiten bestehen, berichtete die Gemeinde. Sie hält bei dem Projekt einen Stellplatzschlüssel von 0,5 für realistisch. Das heißt, für je zwei Wohneinheiten würde ein Autoparkplatz zur Verfügung stehen. Das ist deutlich weniger als üblicherweise gefordert, nämlich ein bis zwei Stellplätze je Wohnung. Doch im geförderten Wohnungsbau, bei Genossenschaften oder in gut an den öffentlichen Nahverkehr angebundenen Lagen gibt es bei den Stellplatzschlüsseln häufig solche verringerten Anforderungen an die Parkräume.
Eine Umplanung würde nach Angaben der Gemeinde voraussichtlich zu einer Änderung des in Aufstellung befindlichen Bebauungsplans führen. Ob für die Baumaßnahme eine Realisierung über die neuen baurechtlichen Regelungen des so genannten „Bauturbos“ – ohne Bebauungsplan – in Frage käme, war bei der Besprechung im Rathaus ein Thema, wie berichtet wurde. Doch wie die Chancen einer solchen Vorgehensweise eingeschätzt werden, blieb in der Sitzung offen.
Mehrere Mitglieder des Bauausschusses äußerten sich kritisch über die Wende des Verbands. Dr. Ernst Lindl (CSU) zeigte kein Verständnis für die Begründung mit gestiegenen Baukosten: „Dass es teuer ist, dort zu bauen, war schon bekannt, als man die alten Gebäude abgerissen hat.“
Dr. Joachim Weber-Guskar (FDP) bedauerte, dass der Verband „in so einem späten Stadium der Planentwicklung mit so einer Änderung“ komme, nachdem bereits sehr viel Arbeit hineingeflossen sei. Christine Nimbach (fraktionslos) verwies wegen der vorgeschlagenen Aufstockung darauf, dass die Nachbargebäude nicht solche Höhen hätten. Sie regte außerdem an: „Vielleicht sollte der Verband einen Teil der Wohnungen im Einheimischenmodell anbieten.“ Ein Teil des Grundes gehöre der Gemeinde. So könne der Verband auch Geld für den Bau der übrigen Wohnungen einnehmen.
Stefan Feldhütter (Freie Wähler) empfahl, dem Verband Gesprächsbereitschaft zu signalisieren, dabei aber klar zu machen, dass die Gemeinde nicht „ins Leere springen“ könne. „Es geht nur mit einer konkreten Skizze“, sagte auch Bürgermeister Ludwig Horn. Das Plädoyer der Grünen für eine Lösung mit Hilfe einer Bürgergenossenschaft kam bei der Sitzung des Bauausschusses nicht zur Sprache. Umstrittene Wege zur neuen Wohnanlage

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