Bezahlbares Wohnen - das war das Thema bei einer Veranstaltung der Tutzinger Grünen am Donnerstag im Tutzinger Hof. Eine Hauptaufgabe in Tutzing sehen sie diesbezüglich in der seit Jahren geplanten, aus finanziellen Gründen aber auf Eis liegenden Anlage des Verbands Wohnen im Schönmoos. Um dieses Projekt nun doch voranzubringen, haben sie im Gemeinderat die Zusammenarbeit mit einer Wohnungsbaugenossenschaft beantragt.
Dieser Antrag steht am kommenden Dienstag, 13. Januar im Gemeinderat zur Debatte. Gemeinderat Bernd Pfitzner weist auf vorOrt.news darauf hin, dass zurzeit der Verband Wohnen seine Hand auf dem Grundstück bzw. den Grundstücken habe. Die Tür dafür, dass bezahlbarer Wohnraum in absehbarer Zeit im Schönmoos umgesetzt werde, müsse am Dienstag der Gemeinderat aufmachen, in dem er dem Antrag der Grünen zustimme (siehe Kommentar unten auf dieser Seite): "Dann können wir mit dem Verband Wohnen ins Gespräch kommen." Man könne dann auf den Verband Wohnen zugehen und überlegen, wie genau eine Zusammenarbeit aussehen könne. Vieles sei noch offen, Vieles aber auch noch gestaltbar, meint Pfitzner. Der Verband Wohnen verfüge über Beschäftigte und Strukturen, auf die zurückgegriffen werden könne, die Mitglieder der Genossenschaft würden das nötige Kapital mitbringen und dafür ein Wohnrecht bekommen.
Als eine Idee brachte Pfitzner vor, die Genossenschaft könne zum Beispiel den Verband Wohnen beauftragen, auch das Gebäude der Genossenschaft mitzubauen und sie dafür bezahlen. So könne der Verband Wohnen das notwendige Kapital für die Umsetzung seines Teils erhalten. „Ich arbeite seit über 20 Jahren bei einem Finanzdienstleistungsinstitut für strukturierte Finanzierungen im Immobilienbereich“, berichtete Pfitzner: „Von daher weiß ich, dass, wenn alle Beteiligten den Willen zur Projektumsetzung haben, sich auch Wege finden.“ Es sollten Synergien genutzt und möglichst wenig Parallelstrukturen aufgebaut werden, um kostengünstig das Projekt zu bauen und bewirtschaften zu können: „Nur so bekommen wir in diesen hochpreisigen Zeiten bezahlbares Wohnen hin."
Gisela Sengl: „Bezahlbares Wohnen ist Grundvoraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt"
Ein Anwohner aus der Schlesischen Straße zeigte sich betrübt über den Stillstand. Er war erfreut, dass Wege gesucht werden, das Projekt baldmöglichst umzusetzen: „Früher war hier so ein schönes Viertel mit viel Leben und ein nettes nachbarschaftliches Miteinander. Es wäre schön, wenn wir das hier bald wieder bekommen würden.“
Eigens zu der Veranstaltung nach Tutzing gekommen war Gisela Sengl, die Landesvorsitzende der bayerischen Grünen. Sie unterstützte den Antrag der Tutzinger Gemeinderatsfraktion für ein Gemeinschaftsprojekt des Verbandes Wohnen im Tutzinger Schönmoos, auch wenn sie kritisch anmerkte, dass die Zusammenarbeit verschiedener Organisationen und Institutionen nicht immer einfach sei.
In ihrem Vortrag stellte Gisela Sengl grüne Instrumente für mehr bezahlbaren Wohnraum vor, etwa eine stärkere Förderung des kommunalen und genossenschaftlichen Wohnungsbaus, die Nutzung von Erbpachtmodellen, Umbau statt Abriss sowie wirksame Maßnahmen gegen Leerstand. Hiermit könne dem Trend der immer weiter steigenden Mieten in Bayern trotz steigenden Baukosten und Flächenknappheit entgegengewirkt werden. Für Gisela Sengl steht fest: „Bezahlbares Wohnen ist eine Grundvoraussetzung für gesellschaftlichen Zusammenhalt – gerade in Gemeinden wie Tutzing, wo der Druck auf dem Wohnungsmarkt besonders hoch ist.
Zweifel an Zahlung der Wohnbauumlage ab 2027
Gemeinderat Michael Ehgartner, der für die Tutzinger Gemeinde dem Verbandrat des Verbands Wohnen angehört, berichtete vom Ablauf der Verbandsversammlung, auf der sich Landrat und die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden erst nach einer Unterbrechung der Sitzung dazu durchgerungen hatten, die Förderung für den Verband "nur" für ein Jahr auszusetzen. Er hegte Zweifel, ob die Wohnbauumlage ab 2027 wirklich wieder gezahlt werden wird, insbesondere da nach der Kommunalwahl am 8. März bestimmt einige der bisherigen Rathauschefs nicht mehr im Amt sein würden. Ehgartner, der seit Jahren für einen Genossenschaftsbau in Tutzing kämpft, betonte: „Bisher ist es am passenden Grundstück gescheitert, hier haben wir nun die Möglichkeit, in Zusammenarbeit mit dem Verband Wohnen Wohnraum für eine breite Bevölkerungsschicht zu schaffen, die wirtschaftlich nicht ganz so gut gestellt ist.“
Landratskandidat Ben Barho verwies auf das Kreistagswahlprogramm der Grünen und betonte, dass er als Landrat und die neue grüne Kreistagsfraktion sich für die Wiederaufnahme der Förderung des Verbandes Wohnen einsetzen würden. Den Tutzinger Kandidierenden für den Kreistag Vier Grüne aus Tutzing auf der Kreistagsliste Flora Weichmann (Listenplatz 5), Bernd Pfitzner (12), Heike Dewitz (35) und Gerald Hermann (50) rief er zu: „Ich hoffe, dass wir uns im Frühjahr in einer starken grünen Kreistagsfraktion zusammenfinden.“
Gerald A. Herrmann, auf Platz zwei der Grünen-Liste, betonte nach der Veranstaltung: „Es war sehr erfreulich, dass neben den grünen Mitgliedern des Gemeinderats - Flora Weichmann, Michael Ehgartner, Bernd Pfitzner - weitere Mitglieder des Gemeinderats von der ÖDP - Caroline Krug - und den Freien Wählern - Claus Piesch - und ein Mitglied der Tutzinger Liste - Thorsten Kerbs - anwesend waren und sich aktiv an der Diskussion beteiligt haben. Dies lasse erwarten, dass es für den Antrag der Grünen eine Mehrheit in der Gemeinderatssitzung am Dienstag geben könne.
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Kommentare
Die Winterdienste konnten die Gehwege & Straßen gar nicht freiräumen.
Da entschied ich mich an diesem Abend mein Glück oder Pech nicht herauszufordern.
Bitte schickt eine Zusammenfassung oder auch die Folien des gestrigen Vortrags an Herrn Goslich oder stellt sie selbst ins Netz.
Wahrscheinlich wären bei besseren Bedingungen auch weitere Tutzinger gern gekommen.
Eurer Thema hat es zweifellos verdient.
Danke.
Insbesondere bin ich auch auf das Finanzierungsmodell gespannt?
Bei einer privaten Genossenschaft (ohne versteckte Nachschusspflicht im Notfall ?) wird die notwendige Eigenkapitalquote wohl höher sein müssen, als beim großen etablierten Verband Wohnen, hinter dem letztendlich der Landkreis & die Gemeinden stehen? Die Zinslast vielleicht auch?
Beispielsweise:
-> Wie viele Genossen wird man für dieses Projekt brauchen?
-> Welches Eigenkapital werden diese Genossen durchschnittlich mitbringen müssen?
-> Welche Sicherheiten im Notfall sind für die Genossen vorgesehen, damit im Worst Case neben der erhofften Wohnung, nicht obendrein auch noch die hart erarbeiteten Ersparnisse verloren gehen?
Generell ... welche Funktionen soll diese Genossenschaft übernehmen?
-> Soll sie Bauträger sein?
-> Soll sie Bauherr sein?
-> Soll sie langfristig Haus- & Wohnungseigentümer sowie Wohnungsvermieter sein?
-> Soll sie ganz andere Aufgaben übernehmen?
@ L. F. Hoffmann:
Die Bereiche Hausverwaltung & Hausmeisterei sind tatsächlich sehr wichtig und machen auch richtig Arbeit; egal ob der Verband ggf. seinen Mitarbeiterstamm vergrößern muss, oder ob sich die Genossenschaft selbst darum kümmert.
Für eine einheitliche Verbandslösung spricht da eher dessen Erfahrung & Volumen; außerdem entstünden zur parallelen Wohnanlage des Verband Wohnen zusätzliche Schnittstellen, wo man sich entweder abstimmen muss oder wo Reibung & Streit entstehen könnten.
Ich erwarte einen wirklich spannenden Abend.
1. Vergabe und Nutzung von bezahlbarem Wohnraum
In der öffentlichen Diskussion entsteht bei einigen Bürgerinnen und Bürgern der Eindruck, dass bezahlbarer Wohnraum derzeit überwiegend von bestimmten Personengruppen genutzt wird. Gleichzeitig wird wahrgenommen, dass andere Haushalte mit vergleichbarem Bedarf nur eingeschränkt Zugang erhalten. Vor diesem Hintergrund erscheint eine transparente Darstellung der Vergabekriterien sowie eine ausgewogene Berücksichtigung aller Bedarfsgruppen als sinnvoller Beitrag zur Akzeptanzförderung.
2. Aufgaben und Rahmenbedingungen des Verbands Wohnen
Der Verband Wohnen erfüllt einen wichtigen sozialen Auftrag und übernimmt eine Vielzahl anspruchsvoller Aufgaben. Gleichzeitig wird vereinzelt darauf hingewiesen, dass die Bewirtschaftung und Instandhaltung bestehender Immobilien bereits hohe organisatorische und personelle Anforderungen mit sich bringt. Vor der Übertragung weiterer Gebäude oder Anlagen könnte daher geprüft werden, ob die vorhandenen Ressourcen hierfür langfristig ausreichend sind.
3. Wahrnehmung und Akzeptanz im unmittelbaren Wohnumfeld
Aus Gesprächen und Rückmeldungen aus der Anwohnerschaft ergibt sich, dass soziale Wohnbauprojekte im direkten Umfeld – insbesondere in Verbindung mit bestimmten Trägerstrukturen – teilweise mit Vorbehalten betrachtet werden. Genannt werden dabei unter anderem Sorgen hinsichtlich möglicher zusätzlicher Lärmbelastung, der Sauberkeit des Wohnumfelds sowie potenzieller Auswirkungen auf angrenzende Grundstücke. Diese Einschätzungen prägen die öffentliche Meinungsbildung und sollten im Rahmen der Planung ernst genommen werden.
4. Städtebauliche Einordnung der geplanten Bauform
Unabhängig von der Trägerschaft wird die vorgesehene Bauform der Laubenganghäuser von Teilen der Bürgerschaft kritisch gesehen. Es bestehen Zweifel, ob diese Bauweise dem Charakter und den örtlichen Gegebenheiten des Standorts Schönmoos gerecht wird. Eine ergebnisoffene Prüfung alternativer Bauformen könnte zur besseren Integration in das bestehende Umfeld beitragen.
Ich persönlich würde eine Trägerschaft von Gemeinde und einer neu gegründeten Bürgergenossenschaft begrüßen. #TutzingBautTutzingWohnt